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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 01:17 Uhr

Köchelstorf : Der Milchpreis im freien Fall

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Sinkende Nachfrage, Überproduktion und Discounterpreise drücken den Ankaufspreis auf 28 Cent

von
erstellt am 13.Jan.2015 | 23:20 Uhr

Köchelstorf/Gadebusch Die Milch macht’s. Die Frage ist nur: Wie lange noch?   Seit  Herbst 2014 befindet sich der Preis für einen Liter, den die Erzeuger für das Produkt Rohmilch  erhalten, im Sinkflug.  Erhielten die Bauern Anfang 2014  rund 40 Cent  je Liter  Milch, rutschte der Preis  bis zum Jahreswechsel auf 31 Cent je Liter bei der  Arla Hansa eG in Upahl.  Seit Januar liegt er bei 28 Cent. Für Reinhard Drews, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Köchelstorf eG schlagen sich  „die Veränderungen und Auswirkungen  am Weltmarkt“ voll  im Preis   im Nordwesten nieder. Überproduktion,  der Wegfall der bislang regulierenden Milchquote ab April  und  die Preissenkungen der Discounter  drücken die Erzeugererlöse.

Klarkommen müssten er und seine Mitarbeiter dennoch, meint Reinhard Drews. Vor allem, wenn die  vorgeschriebene Milchquote wegfällt. Einfach werde es nicht. Die Vorboten der neuen Zeit  werden deutlich: „Seit Januar beläuft sich die Vergütung auf 28 Cent je Liter“, sagt  Jens Oldenburg, Vorstandsvorsitzender der Agrarprodukt eG Rüting.  Er ist Mitglied des Aufsichtsrates der Molkerei der  Arla Hansa eG in Upahl, das internationale Unternehmen verarbeitet  die  Milch von 680 Betrieben aus MV und Schleswig Holstein. Bis Jahresfrist lag der Arla-Preis  über den der Mitbewerber (25 bis 28 Cent). „Die Aussichten sind schwierig“, so Oldenburg weiter. Es werde mehr geliefert als am Markt nachgefragt wird. Hinzu komme der  Importstopp in Russland und eine sinkende Nachfrage in China.    Faktoren, die die Discounter in ihrer Kalkulation  einfließen lassen. Die daraus resultierenden niedrigen Milch- und Butterpreise erfreuen die Kunden, aber eben nicht die Erzeuger. „Billig sei nicht immer gut“, betont Jens Oldenburg. Wie schnell sich  der Preis  stabilisiert, könne er nicht voraussagen: „Vielleicht pendelt er sich bis Herbst auf 35 Cent ein.“ In Abhängigkeit von der Situation im Betrieb  lasse sich damit wirtschaften, die laufenden Kosten wie Pachten, Teuerungsraten  und  Futter begleichen. „Langfristig  ist ein Preis von 35  bis 40 Cent anstrebenswert. Wer heute  qualitativ hochwertige Milch liefert, erhält einen Qualitätsbonus von bis zu zwei Cent hinzu “, sagt Oldenburg.

Mit den aktuell  gezahlten 28 Cent liegt für Reinhard Drews der Preis unter der Schmerzgrenze.  Millionen von Euro hat die Agrargenossenschaft in den zurückliegenden Jahren in  moderne Stall- und Melkanlagen,   die Tierhaltung und  Versorgung   investiert.  Ein zukunftsweisendes Vorhaben meint er: „Wir müssen die Effektivität steigern, den Tierkomfort verbessern.“ Folglich liegen seine 750 Milchkühe  auf Stroh gebettet, in bestens  ausgeleuchteten und belüfteten  Hallen. Die Wohlfühlkomponente ist messbar. „Früher lieferten  wir  im Schnitt je Kuh 8400 Kilogramm  Milch an die Molkerei. Heute  sind es  9600 Kilogramm im Jahr“, sagt Drews.  Die Milchqualität stimmt, der Qualitätsbonus der Molkerei  erreicht die Agrargenossenschaft  Köchelstorf.

Der gute Milchpreis   im vergangenen Jahr   hat aus Sicht  des Köchelstorfers Einfluss auf die Entwicklung.  Es liege in der Natur der Sache, dass die landwirtschaftlichen  Betriebe vom Preishoch  partizipieren wollten, vornehmlich kleine Höfe ihren Tierbestand aufstockten.  „Eine Biene bringt gar nichts, ein Volk bringt bekanntlich den Honig zusammen.“  Während die Agrargenossenschaft bei 103 Prozent liegt,  bringen  Betreibe zwischen Nordsee und Alpen  an die 108 Prozent auf den Markt, rechnet Drews. Jetzt drücke das Überangebot auf den Preis. Reine Milchbauern würden es zukünftig schwerer haben, meint der Geschäftsführer und rechnet mit einer Marktbereinigung. Folglich sei man in Köchelstorf  in Kombination mit der Pflanzenproduktion besser aufgestellt.

Im Nordwesten zählt der Kreisbauernverband  300 Rinderbetriebe mit 48 170 Tieren. „86 davon sind Milchbetriebe“, sagt Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Verbandes.  Die Preisentwicklung bei Milch könne sie nicht voraussagen. Über eine Glaskugel verfüge man nicht. Nur eines sei klar: „Jede politische Äußerung hat Auswirkungen auf den Markt und somit auch auf den Milchpreis im Nordwesten.“

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