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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 17:56 Uhr

Der Markt der Einzelkämpfer

vom

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erstellt am 23.Feb.2012 | 06:24 Uhr

Gadebusch | Ein Stück Heilbutt, ein bisschen Dorschfilet - Eckhard Faasch rollt den Fisch in Papier ein und reicht ihn der Kundin über die Theke des kleinen Anhängers, den er morgens aus Grevesmühlen mit seinem Pkw nach Gadebusch gezogen hat. Es ist Donnerstag, und an diesem Wochentag zieht der Fischhändler seinen Wagen immer nach Gadebusch. Donnerstags ist Markttag in der Kleinstadt, doch bis auf Fischverkäufer Faasch ist von einem Markt nichts zu sehen. Einmal mehr herrscht gähnende Leere auf dem Platz vor dem Rathaus. Einmal mehr ist Faasch Einzelkämpfer. Und einmal mehr wünscht er sich mehr Händler an seiner Seite, die mit Fleisch, Obst oder Gemüse für das sorgen, was einen Markt ausmacht und hier fehlt: Vielfalt.

Mehr Vielfalt wünscht sich auch die Kundin, die gerade ihren Fisch verstaut. "Es wäre schon schön, wenn es auf dem Markt frisches Obst und Gemüse gäbe, denn so etwas gibt es in Gadebusch ja nicht", sagt sie und macht sich auf den Heimweg. Dabei war der Markt in dieser Stadt schon einmal größer und vielfältiger. "Besonders, als wir den Standort an der Lübschen Straße hatten", erinnert sich Anbieter Faasch. Dort ist ein Parkplatz, mehr Publikumsverkehr und einen Bäcker gibt es an diesem Standort auch. "Doch vor rund vier Jahren ging es zurück auf den Rathausplatz", ergänzt der 63-Jährige, der seit gut zehn Jahren in Gadebusch seine Waren an die Kundschaft bringt.

"Der Umzug hatte einen Grund", sagt Ulrich Howest. Wenn der Bürgermeister der Stadt aus seinem Amtszimmer im ersten Stock des Rathauses schaut, dann sieht er die Markt-Tristesse, die an den beiden Markttagen in der Woche vor seinem Amtssitz herrscht. Im Zuge eines Tourismuskonzeptes sei damals festgestellt worden, dass der Markt direkt in den Altstadtbereich gehört. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus. Statt mehr Händler zu gewinnen haben sich immer mehr verabschiedet. "Das ist keine befriedigende Situation", hält der Bürgermeister fest und lässt sich per Telefon von seinen Mitarbeitern unterrichten, wie die Bestückung an den vergangenen Tagen aussah. Das Ergebnis ist ernüchternd. Mal war der Obsthändler da, mal der Geschäftsmann mit Bekleidung, mal der Fisch-Verkäufer. Zur gleichen Zeit tauchten sie zuletzt aber nie auf. "Derzeit ist es schlimmer als im Sommer, deshalb wollen wir diesen Winter abwarten. Wird es nicht besser, werden wir den Markt im zuständigen Bauausschuss thematisieren", so Howest. Sind zwei Markttage zu viel? Ist der Standort Rathaus wirklich geeignet? Diese Fragen ständen dann auf der Tagesordnung.

Vor der Rathaustür steht Fischverkäufer Faasch nach knapp fünf Stunden kurz vor dem Feierabend. An die 40 Kunden waren wieder da. "Mit dem Umsatz hier bin ich nicht unzufrieden", sagt der Händler, der auch am kommenden Donnerstag wieder nach Gadebusch fahren will - und dann wohl wieder der Einzelkämpfer auf dem Markt sein wird.

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