Pomologenverband : Der Mann für die Äpfel

Kerne sind ein wichtiges Hilfsmittel, um die Apfelsorte zu bestimmen
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Kerne sind ein wichtiges Hilfsmittel, um die Apfelsorte zu bestimmen

Jens Meyer aus Kuhlrade bestimmt alle möglichen Sorten

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30. August 2015, 23:58 Uhr

Jens Meyer schnuppert, er probiert und untersucht die Kerne. „Alkmene“, sagt er. Meyer ist Pomologe, also Apfelkundler. Von den rund 1000 bekannten Apfelsorten, kann er gut 100 ohne Hilfsmittel bestimmen.

Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Tischlermeister in seiner Freizeit mit Obst. „Wir haben uns damals einen Resthof gekauft“, erzählt er. Auf dem Hof in Kulrade bei Rehna stehen viele Apfelbäume. Die Frage welche Sorten das sind, kann Meyer allerdings nicht beantworten. Also beliest er sich, sammelt Fotos und Kerne von Äpfeln. Nach und nach entsteht eine staatliche Sammlung und Meyer wird zum Pomologen, zum Apfelexperten.

Im Lehrgarten der Kreisverbände Wismar und Schwerin hat er am Wochenende Hobbygärtnern beim Bestimmen von Apfel- und Birnensorten geholfen. Gäste konnten durch die Anlage in Groß Stieten schlendern und über 80 Apfel- und 20 Birnensorten begutachten.

Die älteste bekannte Apfelsorte bringt es auf stolze 800 Jahre: der Edelborsdorf. Den gibt es allerdings nur noch in wenigen Gärten. Und auch sonst wird kein Apfel, den Pomologe Meyer am Wochenende auf dem Tisch hatte, den Weg in den Supermarkt finden. „Der Obstbau mit diesen Sorten ist nicht möglich, ohne zu spritzen “, sagt er. Ob nun Großherzog Friedrich, Alkeme oder Discovery, sie stehen ausschließlich in Kleingartenanlagen. Das was der Konsument im Supermarkt findet, mache hingegen im Kleingarten keinen Sinn. „Sorten wie Royal Gala sind zu anfällig“, sagt Meyer. Damit Äpfel in den Handel gelangen, müssen sie in einem einwandfreien Zustand sein. Sind mehr als 0,5 Quadratzentimeter der Schale mit Flecken behaftet, gilt der Apfel nicht mehr als Tafelobst. Er kann dann allenfalls noch für die Mosterei verwendet werden.

Den Kleingärtnern ist das egal. Sie möchte mehr Geschmack und weniger Chemieeinsatz für ihre Bäume. Jens Meyer hat über 200 Apfelsorten in seinem Garten stehen. „Ich habe so von Ende Juli bis Ende Mai Äpfel.“ Bei soviel Vielfalt, wundert die Einfalt im Handel. Doch neue Sorten werden schon lange nicht mehr gezüchtet. Bis zur Marktreife vergehen rund 15 Jahre und die Anmeldung einer neuen Sorte kostet rund 30 000 Euro. Ein Aufwand, den derzeit kein Unternehmen trägt. Zudem ist der Markt gesättigt. Doch wer abseits von Royal Gala oder Pink Lady neue Geschmackssorten ausprobieren will, der muss beim Obsthändler auf dem Lande nachfragen.

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