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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 18:02 Uhr

Roggendorf : Der kleine Laden in unserer Straße

vom

Roggendorf hat eine Kirche, einen Sportverein, ein Tierheim und eine Gaststätte. Und das, was es in den Dörfern rumherum schon lange nicht mehr gibt: einen kleinen Einkaufsladen. Mini-Markt heißt er offiziell.

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erstellt am 01.Nov.2013 | 09:35 Uhr

Roggendorf | Roggendorf hat eine Kirche, einen Sportverein, ein Tierheim und eine Gaststätte. Das ist viel für ein Örtchen mit etwas mehr als 1000 Einwohnern. Und Roggendorf hat das, was es in den Dörfern rumherum schon lange nicht mehr gibt: einen kleinen Einkaufsladen. Mini-Markt heißt er offiziell, doch die Roggendorfer sagen viel lieber "Wir gehen zu Uschi".

Uschi heißt eigentlich Ursula Illgen. Sie hat das kleine Lebensmittelgeschäft direkt nach der Wende eröffnet. "Bis 1998 hat sie hier auch gearbeitet und sich dann zur Ruhe gesetzt", sagt ihre Tochter Sylvia. Jetzt ist sie die Chefin über verwinkelte 70 Quadratmeter, auf denen all das zum Verkauf steht, was mehr oder weniger wichtig für den täglichen Gebrauch ist.

An den Wänden ragen Regale mit Obst, Gemüse, Konserven oder Hygieneartikel in die Höhe, Kühlregale brummen vor sich hin und halten Butter, Milch oder Aufschnitt auf Temperatur. Die Gänge zwischen Pizza-Kühltruhen und Süßigkeiten, zwischen Kaffee und Spirituosen, zwischen Schokoladen-Weihnachtsmännern und Gurken im Glas sind so schmal, dass nur kleine Einkaufswagen durch passen - vorausgesetzt, es kommt kein Gegenverkehr.

Es ist der Freitag nach dem Reformationstag. Und es ist viel Betrieb. "Nach einem Feiertag ist immer etwas mehr los", weiß Sylvia Illgen. "Im Schnitt haben wir pro Tag 200 Kunden", sagt die 42-Jährige, die zwei Angestellte im Laden beschäftigt. Auch ihr Vater Wilfried, 78 Jahre alt, helfe jeden Tag noch etwas mit. Es gäbe immer viel zu tun, "aber es macht mir immer noch Spaß", sagt die Betreiberin. "Einmal Lotto", wird sie zur Kasse gebeten. Seit vergangenem Jahr können die Kunden in Roggendorf auch ihr Glück versuchen, in der Hoffnung, die richtigen Kreuzchen zu setzen. Post abgeben und abholen, das können sie in "Uschis Laden" schon länger.

Vor dem betagten Haus in der Kneeser Straße stehen zwei Rentner und halten ein Pläuschchen. Hier kennen viele fast jeden. Und viele kennen diese Adresse noch, als hier zu DDR-Zeiten die Bäuerliche Handels-Genossenschaft nebst Bank ihre Geschäfte machte. "Das Gebäude wurde aber schon 1890 gebaut, war früher das Küsterhaus", sagt Sylvia Illgen.

Moritz sitzt in der Babyschale und blinzelt gegen das Licht der Leuchstoffröhren an. Seine Mutter Martina Keuffel hat den Großeinkauf in Gadebusch in dieser Woche nicht geschafft. "Der Laden hier ist ein Segen für mich", sagt die 29-jährige aus Kneese. Gerade jetzt, da das Baby da ist, habe sie wenig Zeit. "Bis auf Babynahrung bekomme ich hier all die Sachen, die wir brauchen." Ihr Zettel ist lang, ihre Zeit knapp bemessen - aber der fünf Wochen alte Moritz hält die Beine still. An der Kasse geht es etwas wuseliger zu. Ein Kastensprudel wird berechnet, eine Illustrierte dazu. Eine ältere Dame packt ihren Einkaufskorb leer, der Kunde danach braucht nur einen Kopf Salat.

Der kleine Dorfladen ist eine fest Größe in Roggendorf, hat sogar den Konsum an der Kreuzungsecke neben an überlebt. "2001 hat er dicht gemacht", hat Sylvia Illgen im Gedächtnis. Ihr Laden reiche für ein geregeltes Einkommen, das mit Stammkundschaft aus Roggendorf und Umgebung und manchmal auch Touristen aus der Schaalseeregion erwirtschaftet wird. Und vielleicht heißt es in einigen Jahren ja auch: "Wir gehen zu Sylvia".

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