Der kleine Inselurlaub vor der Haustür

Blick auf die Insel Poel mit Kirchdorf  (hinten)  und Kirchsee. Fotos: Hans Joachim Zeigert (1)/Volker Bohlmann (4)
Blick auf die Insel Poel mit Kirchdorf (hinten) und Kirchsee. Fotos: Hans Joachim Zeigert (1)/Volker Bohlmann (4)

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24. Mai 2013, 08:05 Uhr

Insel Poel | Sandstrände, ruhige Buchten, Naturerlebnisse und kulinarische Leckerbissen - wer einen Inselurlaub plant, muss nicht weit reisen. Mit Poel liegt die siebtgrößte deutsche Insel an der Ostseeküste direkt vor unserer Haustür. Ein Kennenlernticket mit bühnenreifer Unterhaltung bieten die Busbetriebe Wismar GmbH in Kooperation mit der Kurverwaltung Insel Poel und der Adler Schiffe GmbH.

Bus oder Schiff? Erst übers Wasser oder doch mit dem Reisebus nach Poel und die Dampferfahrt zum Abschluss? Urlauber haben freie Wahl, wenn sie die täglich in Wismar beginnende Inselrundfahrt buchen. Wer sich anfangs für die 400 PS starke "Mecklenburg" entscheidet, schippert mit Peter Keilpflug und bis zu 230 Passagieren vom Wismarer Hafen in knapp einer Stunde im Ausflugsdampfer nach Kirchdorf auf Poel. Es geht vorbei an der Naturschutzinsel Walfisch, der einstigen Wehranlage in der Schwedenzeit.

Im Inselhafen wartet Wilfried Boldt. Der Busfahrer und Reiseführer aus Leidenschaft wird je nach Tour bis zu zwei Stunden und bei unterhaltsamen Publikum durchaus auch länger die Gäste über die Insel führen. Der erste Halt an der Likörmanufaktur im Hafen ist obligatorisch. Man müsse die Insel schmecken, meint Boldt und empfiehlt den Koggenschnaps mit dem Konterfei von Anno Gössel: "Der ist kurz vor 90 und der älteste Fischer auf der Insel." Wenige Minuten darauf rollt der Kleinbus vorbei an der Werft, auf der Abenteurer Burkhard Pieske 1990 den Stapellauf für sein Wikingerboot vollzog. Dann geht es weiter in Richtung "roter Fleck". Das ist Kirchdorf mit 23 offiziellen Straßen auf der 37 Quadratkilometer großen Insel mit ihren 2700 Einwohnern.

Boldt und das Fahrerteam zeigen den Besuchern dank Ausnahmegenehmigungen Natur und Kultur abseits der offiziellen Wege. Im Bus profitieren die Reisenden vom Bekanntheitsgrad Wilfried Boldts, der scheinbar fast jeden Insulaner persönlich kennt und somit auch einige Geheimnisse als auch Gepflogenheiten der Inselbewohner. Für jedes bekannte Gesicht hat Boldt ein Spruch parat.

Der Kleinbus brummt weiter durch den erhaltenen Dorfanger von Kirchdorf, vorbei an "Frieda" dem Café im Kuhstall hinauf auf den Kickelberg. "Mit 2600 Zentimetern eine der höchsten Erhebungen und ehemaliger Standort für eine Raketenstation", so Boldt. Vom höchsten Geländepunkt lassen sich bei gutem Wetter im Frühjahr die Rapsfelder der Insel als auch die Strände von Timmendorf bis zum Schwarzen Busch betrachten. Von hier oben geht es weiter in Richtung Gollwitz, Wangern und Malchow. Ortsnamen, die an die sla wische Vergangenheit erinnern.

Einen Zwischenstopp legt Fahrer Boldt am Gusthaus Wangern ein. Faulenzen und die Seele baumeln lassen empfiehlt dort Torsten Feiler, Chef des Anwesens. Das im Jugendstil 1911 erbaute Haus fungiert heute als Wellnesshotel auf dem 200 Hektar-Anwesen mit 100-jährigem Magnolienbaum und weiteren Schmuckgewächsen im Park. Dass die Insel Poel ein Juwel sei, daran lässt Feiler keine Zweifel aufkommen: "Wir begrüßen Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet, Holland und der Schweiz."

Zeit für Wellness pur bleibt bei der Bustour nicht. "Bitte einsteigen", ruft Boldt. Er steuert nach Brandenhusen. Der kleine Ort sei ein Geheimtipp mit ruhigen Plätzchen am Naturschutzgebiet Fauler See. Und dann sei da noch die Nehrung, die Jahr für Jahr wachse. Die sei dreimal so groß wie die Vatikanstadt in Rom. Das sei doch mal was, meint Boldt und lässt über seine Radioanlage Vogelgezwitscher erklingen. Natur genießen, heißt sein Programm mit Blick auf Sölle und der vom Gletschereis geformten Landschaft der Insel Poel. Die kleinen Wasserlöcher sind durchaus bedeutungsvoll. Boldt hat gerechnet: "Die Augen der Natur sind mit insgesamt 97 Hektar die größten Süßwasserspeicher auf der Insel. Die Waldfläche beläuft sich auf 93 Hektar. "

Weiter geht die Tour von Timmendorf Strand gen Norden am Schwarzen Busch vorbei bis nach Gollwitz. Im schönsten Abendlicht genießen dort Naturliebhaber den Blick auf die Vogelschutzinsel Langenwerder. Brandenten, Schwäne und Limikolen lassen sich dort nieder. Ein besserer Platz lässt sich kaum finden.

Für all jene, die den kleinen Hunger besiegen wollen, zaubert Wilfried Boldt vor Ort ein Fischbrötchen nach Poeler Art auf das Tablett. "Ein Anruf im Hotel genügt und ich kann auf der Strecke die Wünsche der Gäste erfüllen", so Boldt. Er ist der Vater der Inseltour. Die sei sein Baby und folglich sitzt er am liebsten jeden Tag am Steuer. Selbst dann, wenn es mit der Familie hinaus in die Natur geht, kommt er an der Insel Poel mit ihren Salzwiesen, Küstenmoor und -wald nicht vorbei.

Genau darauf setzt auch Tourismusmanager Markus Frick: "Unsere Insel bietet 7000 Betten. Wir zählen in der Saison 90 000 Tagesgäste und 950 000 Übernachtungen im Jahr."

Das Inselrundfahrt-Programm gibt es seit drei Jahren und soll weitere Touristen und "Wiederholungstäter" an die Küste Nordwestmecklenburg bringen. Ein Besuch lohnt in diesem Jahr besonders. Die Insulaner feiern vom 6. bis 8. September 850 Jahre Insel Poel.

Tickets für Rundfahrten gibt es über das Internet und per Telefon.

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