Puppentheater Welp : Der Kasperl zappelt ums Überleben

Den Kasperl, den kennen alle.
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Den Kasperl, den kennen alle.

Den Kasperl, den kennen alle, „doch manchmal kommen nur fünf oder zehn Gäste in die Vorstellung“, sagt Marcel Welp vom Puppentheater Welp. In Gadebusch lief es für Kasperl, Welp und Co. aber besser.

svz.de von
23. Januar 2013, 09:35 Uhr

Gadebusch | Der Kasperl, Polizist Dimpfelmoser, die Großmutter und Räuber Hotzenplotz liegen regungslos auf einem Tisch und starren an die Decke des Saals der Freiwilligen Feuerwehr Gadebusch. Noch gut eine Stunde, dann wird den von Hand geschnitzten Puppen aus Hohnstein Leben eingehaucht, denn dann beginnt die Vorstellung des Puppentheaters Welp. Alles ist vorbereitet. Jetzt fehlen nur noch die Besucher. "Hoffentlich werden es viele", sagt Marcel Welp und schaut auf den leeren Parkplatz vor dem Spritzenhaus, über den ein kalter Wind ein paar Schneeflocken treibt.

Der Kasperl hat es nicht leicht. Er muss die Großmutter befreien, die der Räuber Hotzenplotz in den Keller gesperrt hat. Er muss mithelfen, dass der Polizist später den Räuber festnehmen kann, damit er seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann. Und der Kasperl muss zudem dafür sorgen, dass er genügend Kinder nebst Eltern und Großeltern in die Veranstaltungsräume lockt, damit die zehnköpfige Schar zweier Puppenspielerfamilien aus Wittenburg davon ihren Lebensunterhalt bestreiten kann.

"Einfach ist das nicht", sagt Marcel Welp und rückt ein paar Tüten Popcorn zurecht. Wer heute kommt, der bekommt eine Tüte davon und ein Getränk gratis. Das müsse man schon machen, sagt er, um den Leuten mehr als nur ein einstündiges Puppenstück zu bieten. Gemeinsam mit seinen Cousinen Georgina Kaiser (15) und Angelina Renz (14) hat er die Bühne aufgebaut. Eine halbe Stunde haben sie dafür gebraucht. Vier große Holzteile, drei selbst gemalte Bühnenbilder, zwei Scheinwerfer, ein dicker roter Theatervorhang.

110. Diese Zahl hat der 28-jährige Welp an diesem Nachmittag im Kopf. So viele Stühle stehen in langen Reihen im Saal, so viele Plätze würde er gerne besetzt sehen. "Kommen um die 100, dann bleibt was für uns übrig", sagt Welp, der gleich drei Puppen durchs Spiel führen wird, ansonsten aber auch schon mal im Zirkus als Luftakrobat Kunststücke vorführt. Bei Georgina und Angelina ist es umgekehrt. Sie kommen vom Zirkus, turnen am Seil, und helfen immer wieder mal beim Puppentheater aus.

Das Puppenspiel habe, so Marcel Welp, schon eine lange Tradition in der Familie. "Fünfte Generation", erzählt der drahtige junge Mann stolz. Schon sein Opa habe mit den Puppen gespielt. Noch eine halbe Stunde, dann geht es los. Die Tür zum Saal geht auf. "Einen Moment", sagt Welp und bittet Mutter und Tochter, noch etwas zu warten. Heute, ist er sich sicher, wird die Vorstellung gut besucht sein. So wie vor kurzem in Parchim, als 150 Leute da waren. Manchmal kommen nur fünf oder zehn Gäste. Dann fällt die Vorstellung auch schon mal aus. Das hänge ganz davon ab, ob dann die Saalmiete noch zu retten sei. "Die Kosten sind für uns gestiegen, die Besucherzahlen nehmen aber immer weiter ab", sagt Welp. Ist der Kasperl denn nicht mehr beliebt bei den Kindern? "Bei den Vorschulkindern schon, aber danach hört es schon auf", steht für den Puppenspieler fest. Früher seien mehr Gäste gekommen, doch die Unterhaltungselektronik habe schon lange Einzug ins Kinderzimmer gehalten. Super Mario gegen Kasperl. Computer-Gangster gegen Polizist Dimpfelmoser. Kasperl und Co. zappeln ums Überleben.

"Seid Ihr alle da?", fragt der Kasperl in die Runde. Die Kinder unter den 120 Besuchern schreien ja und freuen sich jetzt auf das neueste Stück vom Räuber Hotzenplotz. Und Marcel Welp freut sich, dass in Gadebusch so viele zur Vorstellung gekommen sind.

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