Lebensretter geehrt : Der Held vom Vietlübber See

Zurück zur Normalität: Die Freunde Mathias Lipke (48) und Günter Krausch (70) feierten nach der Rettungsaktion zusammen Geburtstag.
Zurück zur Normalität: Die Freunde Mathias Lipke (48) und Günter Krausch (70) feierten nach der Rettungsaktion zusammen Geburtstag.

Mathias Lipke rettete seinem Freund Günter Krausch bei einem Schwimmausflug das Leben – dafür bekam er nun eine Auszeichnung

svz.de von
13. Dezember 2013, 00:30 Uhr

Diesen Tag vergisst der Schildberger Mathias Lipke (48) so schnell nicht. Auch ein halbes Jahr nachdem dieser seinem Freund Günter Krausch (70) das Leben rettete, ist dieses Erlebnis noch allgegenwärtig. Noch immer steht dem Schildberger das Entsetzen im Gesicht, wenn er darüber spricht. Vom Präsidenten der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, Dr. Armin Jäger (CDU), ist Mathias Lipke nun mit der Lebensrettungsmedaille im Grevesmühlener Rathaus ausgezeichnet worden. Als vorbildlich bezeichnete Armin Jäger das Verhalten des 48-Jährigen, der sich allerdings selbst nicht als Helden sieht, sondern „einfach funktioniert“ hat. Stolz ist er auf die Auszeichnung – Urkunde und Medaille sollen jetzt eingerahmt werden.

Es ist einer der vielen warmen Sommertage am 19. Juni dieses Jahres. Die Freunde Günter Krausch und Mathias Lipke wollen am Abend noch an den Vietlübber See. Es ist drückend heiß, so dass eine Abkühlung gut tut. Ab ins Auto und los geht es. Knapp zehn Minuten später sind die beiden in Frauenmark bei Gadebusch angekommen. Lipke stürzt sich gleich ins Wasser und springt von einer befestigten Plattform in den See. Günter Krausch geht die Sache ruhiger an, auch wenn er aktiver Radfahrer ist und außerdem oft mit Joggen sein Rentnerdasein ausfüllt. Behutsam geht er ins Wasser und beginnt zu schwimmen. Sein Freund schwimmt gut 30 Meter vor ihm durch den See. „Ich habe schon nach 20 Metern gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Normalerweise sind Füße und Hände ja kurz unter der Wasseroberfläche beim Schwimmen, aber ich hatte keine Kraft. Ich entschied mich umzudrehen, obwohl ich noch nicht weit draußen war“, erzählt Krausch. Doch die Idee war noch gar nicht zu Ende gedacht, da verließen den 69-Jährigen komplett die Kräfte. Hilflos sank Günter Krausch in Richtung Seegrund. „Ich bekam noch zwei Mal kurz die Hände hoch, und dann weiß ich nichts mehr“, so Krausch.

Diese Bewegungen waren es, die Mathias Lipke aus dem Augenwinkel mitbekam. „Ich dachte, was macht der denn da? Wir hatten uns vorher nur darüber unterhalten, dass er aufgrund eines kaputten Trommelfells nicht tauchen darf, aber plötzlich sah ich nur noch einmal kurz die Hände an der Oberfläche“, erzählt der Busfahrer. Dieser ahnte sofort, was los war. „Ich bin wie ein Wahnsinniger hingeschwommen. Zum Glück habe ich mir die Stelle gemerkt, wo er untergegangen ist.“ Er zögert keine Sekunde. „Ich bin sofort runtergetaucht und nach ein paar Sekunden habe ich einen Schatten am Grund gesehen. Er hat sich nicht mehr bewegt“, berichtet der 48-Jährige. Mathias Lipke zog seinen Freund am Arm nach oben, schwamm an Land und legte ihn ans Ufer. „Er atmete nicht mehr. Also habe ich versucht, ihn wiederzubeleben“, erzählt der Busfahrer. Aus den regelmäßigen Erste-Hilfe-Kursen für Berufskraftfahrer weiß er genau, was er tun muss. Und tatsächlich: Nach einigen Wiederbelebungsversuchen hustet der Rentner plötzlich. „Ich habe ihn sofort in die stabile Seitenlage gelegt und dann kam er wieder zu sich“, sagt Lipke.

Anschließend rief er die Notrufnummer. „Ich hatte da eine Hotline dran, die mir sagte, ich solle warten. Unglaublich. Nach etwa einer Minute habe ich aufgelegt, meine Frau und dann noch mal die Polizei über 110 angerufen. Zum Glück kamen die Beamten dann schnell.“

Günter Krausch geht es heute wieder besser. Nach 19 Tagen durfte er das Klinikum Schwerin verlassen, eine verstopfte Halsschlagader war damals die Ursache für den Schwächeanfall, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Doch so feierte er nur eine Woche nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus seinen 70. Geburtstag. Natürlich mit seinem Freund und Lebensretter, Busfahrer Mathias Lipke.

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