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Nordwestmecklenburg: Die neue Landkreiskarte ist da : Der genaue Blick fürs kleinste Detail

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Peter Kast lässt sich gerne in die Karten schauen. Das liegt in der Natur der Sache, denn in seinem Büro werden Wanderkarten, Karten für Atlanten oder Schulbücher oder wie jüngst Karten für einen Landkreis hergestellt.

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erstellt am 19.Apr.2013 | 06:46 Uhr

Wismar | Peter Kast lässt sich gerne in die Karten schauen. Das liegt in der Natur der Sache, denn im Büro des 59-Jährigen werden Wander- und Radwanderkarten, Karten für geographische und historische Atlanten, für Schulbücher oder, wie jüngst erschienen, Karten für den Landkreis Nordwestmecklenburg hergestellt.

Auch wenn sie ausgedient haben, zum Wegwerfen sind sie viel zu schade. Und so hat Kartograf Kast all das aufgehoben und in gläserne Vitrinen gestellt, was ihm jahrelang als Arbeitsmaterial dienlich und unentbehrlich war. Die Sammlung an runden Gravierringen aus Edelstahl ist stattlich. Die einfachen haben zwei Füße, die besseren drei oder vier. Eins haben sie alle gemeinsam: "Sie waren damals teuer. "1600 bis 2000 D-Mark pro Stück", erinnert sich Peter Kast. Mit diesen Ringen samt Stichel und Lupe gravierte er auf As tralonfolie, um so die Grundlage für die Herstellung von Druckfilmen zu schaffen.

1970 begann der gebürtige Leipziger in der Messestadt seine zweijährige Ausbildung zum Kartografen. Sechs Jahre später zog Peter Kast nach Wismar, arbeitete dort in der Außenstelle des Schweriner Landesvermessungsamtes, später in Schwerin. "Doch die Vermessung war nicht so mein Ding. Kartografie war für mich wesentlich spannender", sagt Kast. Schon als Achtjähriger, sagt er, habe er für einen Nachbarn eine Gewässerkarte entworfen, damit dieser mit seinem Boot die Mecklenburgische Seenplatte befahren könne. Ab 1979 hieß es für Kast bis abends arbeiten, dann fürs Fernstudium büffeln. Der Lohn: 1984 durfte er den Titel Diplom-Ingenieur für Kartografie tragen. Mit der Wende eröffneten sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten. "Ein Kartograf aus Hannover suchte einen Partner in den neuen Bundesländern und so entstanden 1990 die nordland-Kartenverlag GmbH und auch ein Ingenieurbüro für Kartografie. "Es lief gut an. Es gab einen großen Neubedarf an Karten", erinnert sich Peter Kast, spricht dann von der Zusammenarbeit mit den Verlagen Falk oder Volk & Wissen, von Kooperationen mit Tourismusverbänden oder Landesvermessungsanstalten.

Vollständigkeit des Karteninhalts, Lesbarkeit und Verständlichkeit der Kartendarstellung, Genauigkeit sowie Ästhetik der kartografischen Gestaltung - für Peter Kast sind das bis heute die Grundvoraussetzungen dafür, um sich auf dem Markt behaupten zu können und in der Branche einen guten Ruf zu haben. Und als Mitte der 1990er-Jahre das digitale Zeitalter die manuelle Produktion ablöste, hatte sich Kast mit der entsprechenden Technik schnell eingestellt. "Viele Büros mussten schließen, nur wenige blieben auf dem Markt", sagt der Kartograf. Sein Unternehmen hatte den Wandel geschafft, das Büro führt er seit 13 Jahren jedoch alleine.

Auf einem Tisch in Kasts Büro in der Dr. Leber-Straße liegt die erste Kreiskarte von Nordwestmecklenburg nach der Kreisgebietsreform. Auf der Vorderseite ist eine Karte des gesamte Landkreises abgebildet, auf der Rückseite gibt es Detailpläne der Innenstädte von Wismar und Grevesmühlen. Darüber hinaus gibt es einen Verwaltungswegweiser mit Telefonnummern, Adressen, Öffnungszeiten sowie Angaben zu Einwohnerzahlen der Städte und Gemeinden. "Daran haben wir bis kurz vor dem Andruck gefeilt", weiß Peter Kast. Rund ein Jahr lang habe es gedauert, bis das neue Kartenwerk im Taschenformat fertig war. "Wäre ein Mitarbeiter nicht krank geworden, dann wäre es schneller gegangen. Aber so konnten wir ja noch nachträglich einige Infos aktualisieren", erzählt Kast. Die neuen Kreiskarten sind kostenlos in den Bürgerbüros des Landkreises Nordwestmecklenburg in der Grevesmühlener Malzfabrik und in der Wismarer Dr. Leber-Straße 2a erhältlich.

Nach der Karte ist vor der Karte - und so zieht Diplom-Ingenieur-Kartograf Patrick Scholl - einer von rund zwölf Mitarbeitern in Büro und Kartenverlag - die Maus seines High-Tech-Computers hin und her, damit auf einem Stadtplan die letzten Veränderungen eingezeichnet werden können. Rund 400 verschiedene Karten werden in Wismar pro Jahr erstellt. "30 Prozent davon sind ganz neu. Die anderen werden aktualisiert", sagt Peter Kast. Zu tun gibt es genug, aber im Akkord soll nichts produziert werden. Handwerklich und inhaltlich muss alles bis ins letzte Detail genau sein - das ist Kasts Devise, "denn was nützt eine Karte", so der Experte, "wenn etwas fehlt?"

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