Wismar : „Der Drache“ brüllt in St. Georgen

Bühnenbildner Falk von Wangelin mit seinem Modell für „Der Drache“. Eine Spielzeugstadt wird zur übergroßen Gefahr.
Bühnenbildner Falk von Wangelin mit seinem Modell für „Der Drache“. Eine Spielzeugstadt wird zur übergroßen Gefahr.

Ein neues Stück bei den Klassikertagen

svz.de von
07. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Lustig, zynisch, bitterböse und sehr aktuell – so beschreiben Schauspieler Sascha Gluth, Unternehmer Ralf Lorber und Bühnenbildner Falk von Wangelin das, was auf Wismar zukommt. Und machen jetzt schon neugierig!

In der neuen Spielzeit der Klassikertage Wismar wird „Der Drache“ inszeniert. „Eine Märchenkomödie mit bitterböser Gesellschaftssatire“, erzählt Sascha Gluth. „Der Drache" erzählt als fantasievolle Komödie von einer Gesellschaft, für die ein Leben ohne Freiheit sehr bequem erscheint. Denn der Drache beherrscht eine ganze Stadt. Aber er scheint ein liebevoller Diktator zu sein, selbst die Jungfrau – jedes Jahr will er eine verspeisen – findet ihn gut und ergibt sich ihrem Schicksal. Wieso auch nicht? Den Menschen geht es gut, sie sind zufrieden.

1943 von Jewgeni Schwarz geschaffen, unter Stalin verboten und erst 1961 uraufgeführt, glänzt die Inszenierung als Parabel auf Diktatur, Macht und Manipulation. Aktueller denn je hält das Stück auch uns einen Spiegel vor, denn: „Der Herr Drache wohnt schon solange unter uns Menschen, dass er sich gelegentlich selber in einen Menschen verwandelt.“ Ritter Lanzelot will den Ort und die Menschen vom Diktator befreien, aber die wollen nicht, behindern ihn sogar.

Regisseur Holger Mahlich hat das Stück bereits einmal inszeniert, Sascha Gluth schon einmal mitgespielt. Und von Wangelin schwärmt von der legendären deutschen Erstaufführung im Jahr 1965 von Regisseur Benno Besson mit Rolf Ludwig in der Hauptrolle und Eberhard Esche als Drachentöter Lanzelot am Deutschen Theater in Berlin.

Die Inszenierung mit dem Bühnenbild von Horst Sagert wurde fast 600 Mal aufgeführt, der Rostocker Bühnenbildner hat eine davon gesehen. „Die Latte liegt hoch“, lässt Falk von Wangelin schmunzeln und begründet auch gleich, wieso Wismar sich genau an diesem Anspruch einer Kultinszenierung messen kann und darf. „Wir haben einen Wahnsinns-Spielort!“

Und den will er mit überdimensionalen Bausteinen zur Stadt umbauen. Holzklötzchen, hoch gestapelt wie vorher das Rad des „Jedermann“ und abgegriffen als Symbol für das Alter der Stadt, mit angekokeltem Holz als Spuren des Drachen, dazu eine Videoleinwand für die Parolen und die Propaganda. Dann der Drachenkampf mit Licht unterm Gewölbe der Kirche. Das scheint spektakulär zu werden.

„Der Drache“ in Wismars St. Georgen, der Kirche des Heiligen St. Georg. Das ist der Schutzpatron, der die Jungfrau vom Drachen gerettet haben soll. Auch der Drache der Klassikertage stirbt, so viel sei vorweg genommen.

Todtraurig so wie beim letztjährigen Faust und dem sterbenden Gretchen wird der Zuschauer die Kirche nicht verlassen. Situationen zum Lachen soll es zur Genüge geben, aber auch die, die den aktuellen Blick ins Weltgeschehen liefern.


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