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Wismarer Dorsch: Gute Qualität und volle Kisten : Der Dorsch zappelt wieder in den Netzen

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Mit Geschick schlachtet Martin Saager die letzten Dorsche, bevor sie in den Kühlräumen der Wismarer Fischereigenossenschaft auf ihre weitere Bestimmung warten. "Die Qualität ist gut und fleischig", sagt der 34-Jährige.

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erstellt am 13.Feb.2013 | 09:57 Uhr

Wismar | Mit Geschick und einem scharfen Messer schlachtet Martin Saager die letzten Dorsche, bevor sie in den Kühlräumen der Fischereigenossenschaft am Wismarer Alten Hafen auf ihre weitere Bestimmung warten. Indessen umkreisen kreischende Möwen aufgeregt seinen Kutter - wissend, dass für die "Kapitänshühner" immer Mal ein paar Happen abfallen. "Die Qualität ist gut und fleischig", sagt der 34-Jährige zufrieden. Und auch mit der Fangmenge kann Saager diesmal leben - Lohn nach zehn Stunden Arbeitsfleiß auf See in der winterlichen Wismarbucht. Doch gut zwei weitere Stunden muss er noch einplanen, einschließlich Reinschiff und Seeklarmachen für die nächste Fahrt. Diese beginnt für den 34-jährigen Fischer schon ab 4 Uhr morgens, vorausgesetzt es tobt kein Sturm und die See ist eisfrei, wie jetzt.

Bei leichten Minusgraden und manchmal Schneegestöber steuert Saager mit seinem Neun-Meter-Kutter "Seeadler" die Wismarbucht in Richtung der Stellnetzgebiete an. Im tiefsten Dunkeln tastet er sich dabei nur mit Unterstützung seiner Navigationstechnik vor. Dabei hilft ihm die gut beleuchtete, elektronische Seekarte. Kommt dann bei der Rückfahrt mittags noch Sonnenschein ins Spiel, ist das schon fast ein Glücksumstand. "Ja, fast schon etwas Vorfrühling", so der 34-jährige Berufsfischer. Während er die nächste volle Fischkiste über die Kaikante schiebt. Der recht ordentliche Ertrag an diesem Tag ringt dem Berufsfischer trotz der Strapazen sogar ein Lächeln ab. Wenig lustig ist es dagegen, wenn Eis die Kutter wochenlang in frostiger Umklammerung hält. Doch der Winter ist auch in diesem Jahr noch nicht am Ende. "Also wieder mit Volldampf los", heißt seine Devise.

Nach wie vor gilt der Dorsch als der Brotfisch und damit als existenzsichernde Basis, auch wenn die Preise, je nach Marktlage, etwas schwanken. Ein kleiner Anteil Flundern ist Saager zudem ins Netz gegangen. Auch die sind bei den Verbrauchern beliebt.

Dennoch müssen die Fischer mit den Quotenregelungen der EU weiterhin leben. Auch wenn Bundeslandwirtschaftsministerin Ilsa Aigner sich bereits Ende 2012 darüber zufrieden äußerte, dass sich die Erholung der meisten Fischbestände in der Ostsee fortsetzt. Dies sei zum Beispiel beim Hering der Fall, dafür weniger beim Dorsch.

Doch inzwischen kocht in der Branche ein neues Problem hoch - der Umgang mit dem Beifang. Denn der soll in absehbarer Zeit nicht mehr ins Meer zurück. Dazu Saager: "Für mich und gewiss auch meine Kollegen in der Wismarbucht ist dies kein Thema, weil wir nur Stellnetzfischerei betreiben." Was da nicht reingehört, lebt ja noch und wandert gleich zurück in die See. Nur in der Schleppnetzfischerei zeigt sich erst an Deck, was in den Netzen war.

Auch auf die Frage, was jetzt mit der dioxin-belasteten Dorschleber passiert kann er beantworten: "Die fliegt beim Schlachten gleich mit raus, ob wohl es jahrzehntelang eine Delikatesse war und noch immer ist", so Fischer Martin Saager.

Was die Genüsslichkeit betrifft, widerspricht in Sachen Dorschleber auch Gisela Schadwinkel nicht. Sie besitzt jahrzehntelange Kompetenz in Sachen Köstlichkeiten aus dem Meer. Doch dann wird die Unternehmerin, die mit ihren Sohn Frank das Spezialitätenrestaurant "Seeperle" mit Fischräucherei betreibt, konkret: "Dioxin ist in der Tat ein Thema. Wir haben das Produkt Dorschleber daher bereits vor acht Jahren, noch im alten Betriebsteil, komplett aus dem Angebot gestrichen. Für uns ist es höchste Verpflichtung, dass unsere Kunden top-gesunde Produkte genießen."

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