Schülerbeförderung : Der Bus ist keine echte Alternative

Morgen für Morgen setzt sich Klaus-Peter Schlomm oder seine Ehefrau Kirsten ins Auto, um die siebenjährige Tochter Pia und deren drei Jahre ältere Schwester Lea in die Grundschule nach Rehna zu bringen.
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Morgen für Morgen setzt sich Klaus-Peter Schlomm oder seine Ehefrau Kirsten ins Auto, um die siebenjährige Tochter Pia und deren drei Jahre ältere Schwester Lea in die Grundschule nach Rehna zu bringen.

Eltern von Kindern, die eine für sie unzuständige Schule besuchen, müssen Umwege und hohe Fahrtkosten in Kauf nehmen

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14. Januar 2016, 00:16 Uhr

Dieser Mann ist sauer. Und zwar so richtig. „Warum werden Schüler und Auszubildende im neuen Öffentlichen Personennahverkehr schlechter gestellt als Vollzahler einer Monatskarte?“, fragt Klaus-Peter Schlomm. Während letztere nämlich für 100 Euro den ganzen Monat lang durch den gesamten Landkreis düsen können, dürfen Schüler, die eine so genannte für sie unzuständige Schule besuchen, sowie Auszubildende für ermäßigte 75 Euro den Bus nur vom Wohnort bis zur Ausbildungsstätte nutzen. Und das sei eine Riesensauerei.

Weil mit der siebenjährigen Pia und der zehnjährigen Lea gleich zwei ihrer Kinder die für sie unzuständige Schule in Rehna statt der zuständigen Schule in Carlow besuchen, müsste das Ehepaar Schlomm mal eben 150 Euro im Monat für die Schülerbeförderung berappen. Für einen eigentlich gerade mal neun Kilometer langen Weg. Hinzu kämen noch die Kosten für einen Anrufbus bis nach Groß Rünz, denn auf direktem Weg gelangt man frühmorgens mit dem Bus nicht von Klein Rünz nach Rehna. Um also die Anrufgebühr zu vermeiden, bleibt nur eines: Die beiden Zweit- und Viertklässler nehmen um 6.31 Uhr den Bus von Klein Rünz über Groß Rünz, Samkow und Pogez nach Carlow. Dort angekommen, steigen sie an der für sie zuständigen Schule um in die Gegenrichtung und fahren wieder vorbei an Groß Rünz über Demern, Warnekow und Bülow bis 7.07 Uhr zu der für sie unzuständigen Grundschule nach Rehna. Knapp 40 Minuten, und nur bis dorthin und keine Haltestelle weiter.

Das klingt nicht nur irgendwie bekloppt. Das ist es auch. „So etwas habe ich in meiner gesamten beruflichen Laufbahn noch nicht erlebt“, schimpft Klaus-Peter Schlomm. Denn der 47-Jährige ist bereits seit 24 Jahren selbst Busfahrer, lenkte bereits im Großraum Hamburg Busse des dortigen ÖPNV. Aktuell sitzt er für die Lübecker Stadtverkehr GmbH hinterm Lenkrad. „Wenn so irrsinnige Regelungen nicht korrigiert werden, fährt in Nordwestmecklenburg bald niemand mehr mit dem Bus.“

Familie Schlomm indes hat für sich die erste Konsequenz gezogen und fährt ihre Kinder Morgen für Morgen mit dem eigenen Auto in die Schule. „So ein Schultag ist ganz schön lang. Und so können unsere beiden wenigstens ein bisschen länger schlafen.“

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