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Mindestgebot 4000 Euro : Der Bücherbus ist noch zu haben

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Von der Fahrbibliothek zum Campingbus? Der Landkreis Nordwestmecklenburg nimmt bis zum 10. Januar Gebote für umgebauten Linienbus entgegen

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Wenn Fred Scheel es wollte, dann könnte er in seiner Mittagspause nach Lust und Laune schmökern. Der Verkehrsmeister der Grevesmühlener Busbetriebe GmbH hat nämlich den Schlüssel zum Reich der Bücher, das auf dem Gadebuscher Betriebshof im aussortierten Bücherbus des Landkreises Nordwestmecklenburg steht. Zum Lesen geht Fred Scheel aber nicht in die stillgelegte Fahrbibliothek. Er soll Interessenten den blauen Bus zeigen, der jetzt zum Verkauf steht.

„223 000 Kilometer in über 20 Jahren, das ist nicht viel“, sagt Verkehrsmeister Scheel und steigt die drei Stufen hoch, die in den lang gezogenen Bauch des betagten Volvo-Busses führen. Durch sieben quadratische Dachluken fällt trübes Januar-Licht auf den dunkelgrauen Teppich und macht künstliche Beleuchtung überflüssig. An den Wänden des zwölf Meter langen Busses sind Regale befestigt. Darin stehen Bücher, in denen Helmut Kohl von seinem Leben erzählt und Peter Scholl-Latour von seine Reisen berichtet. Darin liegen Comics, in denen Donald Duck Schabernack treibt und Winnie Puh aufregende Geschichten erlebt. Autobiografien, Sachbücher oder Comics, Hörbücher, Zeitschriften oder Gelsellschaftsspiele – über 5000 Medien sind im Bus untergebracht. Noch, denn in den kommenden Wochen wird die Bücherei auf Rädern ausgeräumt, um das Inventar ins Grevesmühlener Kreismedienzentrum einzusortieren.

Mitte letzten Monats fuhr der Bus letztmals Dörfer im Landkreis an, um Menschen in ländlichen Regionen Lesestoff zu bringen, damit sie nicht in weit entfernte Bibliotheken fahren müssen. Die Fahrbibliothek hatten Politiker des Altkreises Gadebusch 1992 ins Rollen gebracht. Knappe Kassen und rückläufige Mitgliederzahlen haben den Bücherbus zum 31. Dezember ausgebremst. So hatte es der Kreistag des Landkreises Nordwestmecklenburg im vergangenen Jahr beschlossen.

Doch wenn es nach dem Landkreis geht, dann soll der Bus nicht ganz aus dem Verkehr gezogen werden. Nachdem der Verkauf für den symbolischen Preis von einem Euro an die Stadt Gadebusch scheiterte – Bürgermeister Ulrich Howest lehnte mit Verweis auf die eigene Stadtbücherei dankend ab – soll jetzt per Auktion der umgebaute Linienbus noch Geld bringen. Das Mindestangebot liegt bei 4000 Euro. Interessenten können sich noch bis zum 10. Januar beim Fachdienst Bildung und Kultur des Landkreises melden. Der Meistbietende soll den Zuschlag erhalten. Unter dem Kennwort „Fahrbibliothek“ nimmt der Kreis die Angebote per Post entgegen.

„Als Camping-Bus wäre das Fahrzeug bestimmt gut zu gebrauchen“, ist sich Fred Scheel sicher. Der Bus sei gut in Schuss und böte viel Platz. Eine Zusatzheizung ist eingebaut, und es gibt auch eine Toilette, auf deren Tür jetzt noch ein Plakat von „Petterson und Findus“ klebt.

Und wie ist es um das Interesse am ehemaligen Bücherbus bestellt? „Es gibt mehrere Interessenten“, sagt Landkreis-Pressesprecherin Petra Rappen kurz und knapp. Kurz ist bis jetzt auch die Liste der Interessenten, die das Angebot einer Bus-Besichtigung nach telefonischer Absprache (03886-700133) wahrnehmen möchten. „Soweit ich weiß, haben wir einen Termin mit einem Interessenten vereinbart“, sagt Scheel und öffnet mit einem Knopfdruck die Bustür. Über dem Ein- und Ausstieg hängt eine Pinnwand, an der ein Bild angesteckt wurde, das ein Mädchen aus Wodenhof gemalt hat. Darauf steht: „Danke für die schöne Zeit mit dem Bücherbus.“

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