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Landeseigene Deponie investiert 20 Millionen Euro : Deponie Selmsdorf verschließt Altteil

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Die Deponie in Selmsdorf trennt jetzt ihren Müll. Den alten vom neuen. In diesem Sommer haben die Bauarbeiten im zweiten Abschnitt der "Multi-Funktions-Abdichtung" begonnen. Kritiker fragen, warum das so spät passiert.

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erstellt am 04.Jul.2013 | 06:51 Uhr

Selmsdorf | Die Deponie in Selmsdorf trennt jetzt ihren Müll. Den alten von dem neuen. In diesem Sommer haben die Bauarbeiten im zweiten Abschnitt der "Multi-Funktions-Abdichtung" begonnen. Kritiker fragen sich, warum das so spät passiert.

Der sogenannte Altteil der Deponie wurde im Mai vergangenen Jahres stillgelegt. Rund 17 Millionen Kubikmeter Müll wurden hier seit 1979 gelagert. Bis 2016 soll die endgültige Abdeckung des Areals über die Bühne gegangen sein. Nutzlos soll es nach den Plänen der Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft (IAG) dann aber nicht sein.

"Die Kapazität im neuen Teil ist endlich", sagt Geschäftsführer Berend Krüger. Also will die IAG eine Seite des Altteils auch zukünftig nutzen. Hier soll ein neuer Müllberg wachsen. Doch bis es soweit ist, laufen umfangreiche Arbeiten.

Bislang schützte nur eine Zwischenabdeckung den Sondermüll. Nun werden verschiedene Schichten aufgebracht, um zu verhindern, dass Wasser eindringt und Gase austreten. Zudem wird die Abdeckung mit einem Dichtungskontrollsystem versehen. "Dieses System ist für die endgültige Abdeckung vorgeschrieben", sagt Krüger. Sollte Wasser eindringen, wird ein elektrisches Signal ausgelöst. In einem Radius von 2,5 Metern kann das Leck dann lokalisiert werden. Das es überhaupt soweit kommt, sollen allerdings Sandschutzmatten und eine Entwässerungsschicht verhindern. Mit den obendrauf liegenden Witterungsschutzfolien wächst der Deponieberg um gut zweieinhalb Meter in die Höhe.

Bis 2016 will die IAG mit den Arbeiten fertig sein und hat dann gut 20 Millionen investiert. Das Geld dafür muss die landeseigene Deponie selber verdienen, denn Zuschüsse gewähren weder Land noch EU.

In Selmsdorf lagert nahezu ausschließlich gefährlicher Sondermüll. Belastetes Erdreich aus der Hamburger Hafencity zum Beispiel. Oder Reste von Industriebrachen. Die Lieferung von 145 000 Tonnen Asbestmüll aus Niedersachsen scheiterte dagegen im vergangenen Jahr am Widerstand von Bürgern. Mit einer Aufnahmeleistung von einer Millionen Tonnen im Jahr gehört die IAG nach eigenen Angaben zu einer der größten Anlagen in Europa. Der Müll ist aber zum großen Teil deutscher, vor allem aus der Region. Nur selten werde welcher aus dem EU-Ausland geliefert, sagt Mathias Au, Abteilungsleiter Umweltschutz.

Das bezweifeln Kritiker. "Wo soll denn der ganze Müll aus Mecklenburg-Vorpommern herkommen?", wundert sich Hedlef Uilderks von der Bürgerinitiative "Stoppt die Deponie Schönberg ". Aus Ungarn, Holland und Irland werde der Abfall herangekarrt. So sei Anfang des Jahres Asbest aus Irland nach Selmsdorf gekommen, sagt Uilderks. Seine Vorwürfe wiegen schwer: Die Abdeckung des Altteils erfolge zu spät. "Im Jahr 2000 hat das Bundesforschungsministerium festgestellt, dass der Altteil eine potentielle Gefährdung der Umwelt darstellt", sagt Uilderks. Gegenüber der Deponie, auf dem Bockholzberg, sei 37 Meter unter dem Boden eine Grundwasserkontamination festgestellt worden. "Benzol und Vinylchlorid wurden gefunden", sagt Uilderks. Beide Stoffe gelten als hochgradig krebserregend. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte gehandelt werden müssen. "Warum wartet man so lange?", fragt Uilderks. Seine Antwort: Man wollte Geld verdienen, denn der Teil sei bis auf den letzten Zentimeter verfüllt und soll nun noch als Fundament für die neue Deponie dienen. Die Bürgerinitiative fordert, dass die Deponie sich dem Urteil eines unabhängigen Gutachters stellt. "Sie ist unter Bestandsschutz gestellt worden und eine Umweltverträglichkeitsprüfung hat es nie gegeben."

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