Tagung in Bentin : Den Bienen fehlt das Blütenmeer

Ute Röck informierte über das Bienensterben.
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Ute Röck informierte über das Bienensterben.

Imker warnen vor weiterem Bienensterben. Bestäubung von Obst- und anderen Nutzpflanzen gefährdet

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21. Juni 2016, 04:45 Uhr

„Die Bienen sind uns wichtig!“ Das war der allgemeine Tenor einer Veranstaltung zur Bedeutung der Bienen. Erstmals hat sich der Kulturverein „Neues Leben“ e.V. in Bentin mit dieser sehr vielseitigen Thematik beschäftigt. Fast 30 interessierte Bürger, nicht nur aus Bentin, sondern auch aus den umliegenden Dörfern Rögnitz, Woldhof und Krembz kamen.

Die Hobby-Imkerin Ute Röck aus Bentin berichtete anschaulich von der Arbeit und den Problemen mit ihren Bienen. In ihrem gut 40-minütigen Vortrag gab sie nicht nur einen Einblick in den Umgang mit den Bienen und die Honigherstellung. Schwerpunkt war auch die herausragende Wichtigkeit dieser Insekten bei der Bestäubung und ihre derzeitige Bestandsbedrohung durch das Ausbringen von Giften im Zusammenhang des Pflanzenanbaus. Hinzu kommt nach Ansicht der Imkerin, dass immer häufiger die passende Umgebung, wie Blumenwiesen und eine entsprechende Blütenfolge fehle. So herrsche zum Beispiel aktuell zwischen der Rapsblüte und der nun erst beginnenden Lindenblüte ein deutlicher Nahrungsmangel für die Bienen. Es fehlen Blühstreifen an den Feldrainen und in den Gärten verdränge immer mehr der Rasen die Blumenrabatte. Ein professioneller Imker berichtete, dass er seine Bienenvölker bis nach Brandenburg bringen müsse, damit sie entsprechende Nahrung fänden.

Hauptproblem für das Bienensterben sei aber der Einsatz von Pestiziden. Wichtig sei dabei der Dialog mit den ansässigen Landwirten. Wenn der funktioniere, so der Imker, könne man sich weitgehend darauf einstellen: Die Landwirte geben rechtzeitig vor dem Ausbringen der Pflanzenschutzmittel Bescheid, so dass die Völker an einen anderen Ort gebracht werden können.

„Die anschließende Diskussion über das Für und Wider der Pflanzenschutzmittel führte hin zu der Frage, wie viel wir eigentlich für unsere Nahrung bezahlen wollen und ob wir uns einen anderen Umgang mit der Natur leisten können“, so Mitveranstalter Georg Bückler.

„Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen aus“, sagte einst Albert Einstein. Dabei geht es darum, was die Bienen auszuhalten haben und woran sie zugrunde gehen können: Pestizide, Antibiotika, Monokulturen, der Transport von Plantage zu Plantage.

Die Situation ist nach wie vor angespannt: „Ob das 2014 ausgesprochene Verbot, mit Insektiziden gebeiztes Raps-Saatgut auszubringen etwas genutzt hat, wird sich erst zeigen“, so Torsten Ellmann, 1. Vorsitzender vom Landesverband der Imker Mecklenburg und Vorpommern (LIMV) e.V. am Rande der Landesimkerkonferenz Anfang April in Neukloster. Ein Jahr zuvor war bereits entsprechend behandeltes Mais-Saatgut aus dem Verkehr gezogen worden. Der beim Ausbringen erzeugte Abriebstaub, der sich auf die bereits blühenden Pflanzen im Umfeld des Ackers legt, sorgt für die Vergiftung der Bienen. Hinzu kommt der Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel. Davon gibt es derzeit 400 Wirkstoffe mit zirka 3300 verschiedenen Produkten. Eingeteilt von B1, stark Bienen gefährdend, bis B4, nicht Bienen gefährdend. Ausgebracht werden, dürfen sie alle. Entscheidend ist, wann. So sind die Flugzeiten der Immen, die Blütezeiten der betreffenden Pflanzen und die Witterung bedeutende Indikatoren dafür. „Meine Aufgabe ist es darauf zu achten, dass die Regeln und Vorschriften seitens der Landwirte eingehalten werden", definierte Margit Nagel von der Abteilung Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) MV, eine ihrer Aufgaben. Trotz allem ist es Tatsache, dass Honig durch Überschreiten der Grenzwerte von Pestizid-Rückständen teilweise nicht mehr vermarktungsfähig ist.

Im Endeffekt sind sich Imker, Landwirte, Behörden und Bürger aber darüber einig: Eine gesunde und zahlenmäßig starke Bienenpopulation nutzt allen.

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