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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 17:13 Uhr

Gadebusch : „Das ungute Gefühl bleibt“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Draguner Lothar Kangowski wurde Opfer von rechter Gewalt. Verein Lobbi unterstützt ihn

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 00:49 Uhr

Einen Schreckmoment erlebte Lothar Kangowski eines Abends in Dragun: Nach einer Veranstaltung des Kultur- und Sportvereins Dragun in dem dortigen Gemeindehaus ging er zu seinem Auto und musste feststellen, dass fast über die gesamte Breite der Motorhaube ein Hakenkreuz eingeritzt war. „Dies ereignete sich im März des vergangenen Jahres“, erzählt Kangowski. Der Familienvater engagiere sich zwar für die Gemeinde, doch speziell gegen Rechtsradikalismus habe er noch nichts unternommen. „Deshalb war das völlig unerwartet – ich war völlig schockiert und benommen.“

Er habe einige Zeit verstreichen lassen, weil zu der Zeit eine amerikanische Austauschschülerin bei seiner Familie lebte und danach der Wahlkampf anstand. „Aus versicherungstechnischen Gründen musste ich zur Polizei und habe das Thema auch beim Kultur- und Sportverein publik gemacht.“ Die Ermittlungen übernahm schließlich der Staatsschutz, doch von seinem eigenen Verein bekam der Draguner keine Stellungnahme.

Aus diesem Grund wandte er sich im Mai dieses Jahres an den Verein Lobbi. Dieser unterstützt die Betroffenen rechter Gewalt. „Für uns ist eine solche Sachbeschädigung ein gezielter Angriff und deswegen haben wir uns eingeschaltet“, sagt Opferberater Tim Bleis von Lobbi. Eine solche Sachbeschädigung sei ebenso zu werten, wie eine Gewalttat, denn die psychischen Auswirkungen und Wunden seien bei den Betroffenen vergleichbar. Deshalb habe sich Lobbi mit dem Draguner Verein in Verbindung gesetzt, um möglicherweise gemeinsam Widerstand gegen die rechte Gewalt in der Region zu setzen.

Im Jahr 2013 registrierte der Verein Lobbi 83 Angriffe mit mindestens 153 Betroffenen. Etwa die Hälfte davon war rassistisch motiviert. Nordwestmecklenburg zählt mit 13 registrierten Fällen neben den Landkreisen Rostock (23) und Vorpommern-Greifswald (16) zu den Schwerpunktregionen in Mecklenburg-Vorpommern. „Durch Sachbeschädigungen bekommen die Täter genau, was sie wollen – mediale Aufmerksamkeit und sie treffen die Opfer“, so Opferberater Bleis weiter.

Dass ein solcher Fall auch in Dragun passierte, ist für Jörg Haase von der Agrar AG Gadebusch unfassbar: „Ich, als Mitglied des Kulturvereins von Dragun, kann nicht verstehen, warum man dazu keine Stellung bezieht und sich eindeutig von solchen Straftaten distanziert.“ Aus diesem Grund unterstützt Haase den Lobbi-Verein nun mit einer Spende von 500 Euro und auch Landtagsabgeordnete Martina Tegtmeier (SPD) steuert dem Verein 100 Euro zu. Diese fließen komplett in den Fonds für Betroffene rechter Gewalt. „Damit können wir nun unter anderem einem Opfer in Wismar helfen, Arztrechnungen zu bezahlen.“ Diesem wurden beide Schneidezähne ausgeschlagen.

Der Draguner Lothar Kangowski hat keine körperlichen Probleme und sein Auto für 422 Euro reparieren lassen, „aber das ungute Gefühl, die Frage – was kommt als Nächstes – bleibt.“


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