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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. September 2017 | 05:50 Uhr

Ärger in Ganzow : „Das stinkt ja zum Himmel“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ausgebrachte Gülle sorgt für Verdruss. Verursacher sind oft schwer zu ermitteln

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Wolfgang Skupin stinkts: Heute rief er in unserer Redaktion an und machte seinem Ärger Luft: „Seit drei Tagen riecht es bei uns permanent nach Schweinegülle, das hält man nicht mehr aus!“, so der Rentner am Telefon. Er und seine Frau seien auf dem Land groß geworden und gewiss nicht zimperlich – doch was zu viel ist, ist zu viel. „Man kann kein Fenster zum Lüften aufmachen oder Wäsche zum Trocknen raushängen“, beschreibt Wolfgang Skupin seine Nöte. Wer dafür verantwortlich sei, kann Skupin nicht sagen. Nur so viel, dass der Gestank aus nordöstlicher Richtung durch den Wind herangetragen wird. Und er habe auch das Ordnungsamt in Gadebusch über den Vorfall informiert.

Fachbereichsleiter Arno Burstein sagt dazu: „Wir sind als Ordnungsamt dafür nicht zuständig. Die Zuständigkeit solcher Delikte liegen beim StALU (Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt, Anm. d. Red.)“, so der Behördenmitarbeiter. „Aber ich kann die Bürger beruhigen: Auch wenn wir nicht direkt dafür zuständig sind, arbeiten wir natürlich eng mit den anderen Behörden zusammen und leiten solche Anzeigen direkt weiter“, erklärt Burstein.

Das StALU Westmecklenburg ist die zuständige Behörde. Sie verfolgt solche Anzeigen gleich in zweierlei Hinsicht: Zum einen als eventuelle Ordnungswidrigkeit, zum anderen als möglichen Verstoß gegen die Fördermittelrichtlinien. „Mit den Fördermitteln, die ja quasi jeder Landwirt bei uns erhält (gemeint ist die EU-Agrarprämie, Anm. d. Red.), sind auch gewisse Auflagen verbunden. Und zu denen gehört auch die Düngemittelverordnung“, erklärt Henning Remus, Abteilungsleiter im StALU Westmecklenburg auf Anfrage der SVZ. Und die Düngemittelverordnung besage unter anderem, dass keine Gülle ausgebracht werden darf bei durchnässtem, gefrorenem oder schneebedecktem Boden. Generell habe der Landwirt vier Stunden Zeit, dann muss die ausgebrachte Menge in den Boden eingearbeitet sein. Verstößt ein Bauer gegen solche Vorgaben, droht ihm neben einer möglichen Ordnungsverfügung auch die Kürzung der Agrarsubvention. „Im Ganzower Fall kann ich sagen, sind zwei Kolleginnen rausgefahren, um der Sache nachzugehen“, berichtet der StALU-Mitarbeiter. Ob allerdings der Verursacher ermittelt werden kann, stehe auf einem anderen Blatt.

Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg kann nur den Kopf schütteln: „Sicher warten die Bauern darauf, dass es endlich 1. Februar ist und sie den Naturdünger ausbringen können. Aber wenn es nicht geht, geht es eben nicht“, sagt sie bestimmt. Niemand brauche heutzutage bei gefrorenem Boden Gülle auszubringen. Falls die eigenen Lager voll sind, könne man bei Lohnunternehmen anrufen, die holen das ab und bringen es in andern Lagern unter, so Böttcher.

Vermutet wird hinter dieser Sauerei ein Bauer aus der näheren Umgebung von Ganzow, der dort sowohl Acker bewirtschaftet als auch Schweine halten soll und nicht im Kreisbauernverband organisiert ist. Wolfgang Skupin will nun abwarten, was die Behörden ermitteln.

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