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Kleiderbörse Gadebusch : Das Schneiderhandwerk bleibt auch weiterhin gefragt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Marianne Pache unterstützt die Kleiderbörse mit Näharbeiten. Schüler erhalten Einblick in Praxis

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 04:45 Uhr

Leise surrt die Nähmaschine, schiebt Marianne Pache den Stoff zwischen Nähfuß und Stichplatte unterhalb der kleinen Maschinenbeleuchtung hindurch – fertig ist die Naht. „Das Nähen bereitet mit Spaß“, sagt die Gadebuscherin. Seit 2009 engagiert sich die gelernte Damenmaßschneiderin ehrenamtlich bei der Kleiderbörse in Gadebusch. Gemeinsam mit Raissa Saizew bringt sie Kleidungsstücke in Form. „Löcher stopfen, Knopf annähen und Ausbesserungen gehören dazu“, sagt sie. All das, was die Spender in der Wismarschen Straße abgeben und anschließend in die Nähstube komme, werde erledigt.

An Herausforderungen fehlt es nicht. Ab und an werden sogar Kleider genäht. „Die sind für unseren Leinen-Shop, wo wir Kostüme, Kleider und andere besondere Stücke sammeln. Mode aus der DDR, Festtagsmode und Sportkleider“, sagt Lydia Schulz. Sie leitet die Kleiderbörse des Arbeitslosenverbandes und gewann Marianne Pache für das Projekt. „Wir werden so oft angefragt, ob wir nicht Kostüme oder Kleidung für besondere Anlässe bereitstellen“, sagt Schulz. So entstand die Idee zum Leinen-Shop. Ein Fundus für Stadtfeste, den die Gadebuscher gerne nutzen. Hüte, Taschen, Schürzen, Arbeitssachen - was auch immer gebraucht wird, stellen Schulz und die Näherinnen bereit. Nicht zuletzt gibt es Unterstützung für die Sagen- und Märchenstraße MV. So kam das Kleid für die Buntmalerin der Sagen- und Märchenstraße aus der Werkstatt der Kleiderbörse und vom Nähtisch von Marianne Pache. Weitere Unterstützung erhält die Kleiderbörse durch Finanzmittel über das Land aus dem Europäischen Sozialfonds. Das sichere den Fortbestand der Projekte und das ehrenamtliche Engagement der Näherinnen.

Ihren Job, den hat Pache von der Pike auf erlernt: „Mit 14 bin ich ins Berufsleben gestartet. Gleich hier drüben, in der Schneiderei von Fräulein Kröger ging ich in die Lehre.“ Ein Maßschneiderei, bei der jeder Handgriff sitzen musste. Das war Mitte der 1960er Jahre. „Anschließend wechselte ich zur PGH ,Haus der Mode‘ in Schwerin. Das war ein reiner Frauenbetrieb“, so erzählt die Schneiderin. Wenn das Material knapp wurde, sei Kreativität gefragt gewesen, um aus den wenigen vorhandenen Stücken Kleider und Kostüme zu nähen.

1974 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Fast zwei Jahrzehnte war die Handwerksarbeit gefragt. Mit der Wende kam 1991 das Aus für Paches Schneiderwerkstatt, die u.a. Brautkleider hervorbrachte. „Die Menschen orientierten sich um, die Angebote auf dem Markt waren gefragter“ erzählt sie.

Nach einer beruflichen Neuorientierung steht heute das Schneiderhandwerk wieder im Mittelpunkt. Davon profitieren übrigens auch Schüler der Förderschule in Gadebusch, die wöchentliche Orientierungskurse mit Marianne Pache absolvieren.

 

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