Kreuzfahrt-Saison Wismar : Das Schiff der Millionäre

Gegen 8 Uhr passierte gestern das weltweit einzige Residenzschiff „The World“ die Wendorfer Seebrücke in Wismar. Erst heute Abend heißt es „Leinen los!“. Nächstes Ziel ist der lettische Ostseehafen Riga.  Fotos: hans-Joachim Zeigert
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Gegen 8 Uhr passierte gestern das weltweit einzige Residenzschiff „The World“ die Wendorfer Seebrücke in Wismar. Erst heute Abend heißt es „Leinen los!“. Nächstes Ziel ist der lettische Ostseehafen Riga. Fotos: hans-Joachim Zeigert

„The World“ ist ein Kreuzfahrer nur für betuchte Menschen und machte am Donnerstag in Wismar fest.

svz.de von
02. Juni 2016, 21:00 Uhr

Einige Frühaufsteher wollten es gestern trotz vorangegangener, heftiger Regenschauer gegen 8 Uhr auf der Wendorfer Seebrücke bereits wissen, wie der Luxusliner „The World“ aussieht. Denn auf diesem, wie es heißt, teuersten und weltweit navigierenden Wohnschiff gibt es keine Passagiere im herkömmlichen Sinne. Dafür mehr als 140 sehr gut situierte Eigentümer, die alle an Bord ihr eigenes Zuhause besitzen. Dies setzt für solche zur See fahrenden Residenzbewohner mindestens zwei Dinge voraus: Geld und viel Zeit.

Erster Eindruck bei der Vorbeifahrt: Ein äußerlich sehr gepflegtes Schiff mit schneeweißem Outfit und vom Haupt- bis zum Sonnendeck komplett mit Balkonkabinen bestückt. Dort wohnen überall die Dauerweltreisenden. Das Schiff verfügt über 40 Studios, 31 Quadratmeter groß, sowie 125 Mehrzimmerwohnungen, von 63 bis 300 Quadratmeter groß, einschließlich eines Penthouse-Appartements. Auffällig ist die geringe Anzahl der Rettungsboote. Doch statt der üblichen mindestens 800 bis 1000 Passagiere, die solch ein 196 Meter langes und knapp 30 Meter breites Schiff locker aufnehmen könnte, beträgt die durchschnittliche Zahl der Mitreisenden knapp 160. Und diese nutzen ihren „sozialen Status“, um sich ganz privat und wer will und kann, zeitlich unbegrenzt, von einer etwa 240-köpfigen Multi-Kulti-Crew zu den schönsten Seereisezielen der Welt „schippern“ zu lassen.

Es heißt, wer hier eigenen Wohnraum, ein neues oder zeitweiliges Zuhause erwirbt, muss Bonität nachweisen. Dabei dürfte die Verpflegungspauschale über das Jahr mit 24 000 Euro noch der geringste Posten sein. Für ein kleines Studio beträgt der diesbezügliche Unterhalt pro Jahr mindestens 60 000 Euro, größere Domizile bis hin zum Penthouse steigern sich kostenmäßig in Größenordnungen bis weit in den Millionenbereich. Auch wohnen auf Zeit ist möglich. Mindestbuchungen von sechs Nächten sind zwischen 950 bis 3200 Euro zu haben.

Dass Wismar dank seines Welterbestatus diesmal dazugehört, scheint ehrenvoll. Denn sonst würden die betuchten Gäste nicht gleich zwei Tage in unmittelbarer Altstadtnähe an der Stockholmer Pier verweilen – ein Novum übrigens in der bisherigen Kreuzfahrtgeschichte der Hansestadt. Denn erst heute Abend heißt es wieder „Leinen los“! In Anbetracht des späten Auslaufens erfolgt die traditionelle Verabschiedung durch den Shantychor „Blänke“ und die Ehrenformation der Wismarer Salutschützen bereits zwischen 21.15 und 22.30 Uhr.

Nächstes Ziel ist der lettische Ostseehafen Riga. Die offiziellen Grüße anlässlich des Erstanlaufes überbrachten gestern als Repräsentanten Hansestadt Senator Michael Berkhahn sowie der Leiter der Tourismuszentrale, Andreas Nielsen. Im Namen des Columbus Cruise Center war die Kreuzfahrtkoordinatorin Claudia Altmann zugegen.

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