Kabarett in Dechow : Das Publikum war hin und weg

Kabarettistischer Aufbruch mit Madeleine Sauveur und Clemens Maria Kitschen. Fotos: Bernd Möschl
1 von 2
Kabarettistischer Aufbruch mit Madeleine Sauveur und Clemens Maria Kitschen. Fotos: Bernd Möschl

Musikkabarettisten Madeleine Sauveur und Clemens Maria Kitschen begeisterten in Dechow zum Muttertag

svz.de von
15. Mai 2017, 21:00 Uhr

Schon einmal 2015 hatte die Sicht dieser Powerfrau auf sich und die Welt die kleine Dorfbühne der Kulturtage Dechow buchstäblich zum Beben gebracht. War es seinerzeit der Frauentag, so passte diesmal der Muttertag bestens als zeitlicher Bezug dieses mitreißenden Kabarett-Programms. „Hin und Weg – der Mann bleibt da“ hatten „Chansonette“ Madeleine Sauveur und ihr als „Combo“ eingeführter, multiinstrumentaler Begleiter Clemens Maria Kitschen den kurzweiligen Abend betitelt, bei dem in der Tat das Dechower Publikum „hin und weg“ war vor Vergnügen.

Auch wenn sie eingangs als „alternde Diva“ verkleidet u.a. ätzte, dass die Lebensweisheit: „Tee und Männer solle man ziehen lassen“ doch noch mal eine ganz andere Bedeutung erfahre „in Zeiten von Stützstrümpfen …“, Madeleine Sauveur brachte mit ihrer Satire genau die Saiten zum Klingen, die den ganzen, vollbesetzten Saal zu Schenkelklopfern und rhythmischem Klatschen veranlasste.

Letzteres passierte zum Beispiel bei einer bekannten Afrika-Melodie, welche das musikalische Kabarett-Duo unter der Legende anstimmte, unbedingt in Namibia auftreten zu wollen, weil das „die einzige Pampa“ sei, in der man Deutsch verstehe und wo sie noch nicht gewesen seien. Der darum gesponnene Dialog bot den Kabarettisten natürlich beste Steilvorlagen, um vorgebliche political correktness ad absurdum zu führen.

Einmal in der Phantasie „den Aufbruch gewagt“ zu scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten eines Neuanfangs, spielte Madeleine Sauveur genüsslich mit exotischen Weltgegenden und damit verbundenen Klischees, um schließlich zu erkennen, dass es manchmal schon reichen könne „den Pony zu schneiden, um den eigenen Horizont zu erweitern“. Allerdings fand sie und ihr Publikum doch Mark Twains Zitat ermutigender „In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast.“

Ob dazu auch gehörte, dass die meisterliche Sängerin und preisgekrönte Kabarettistin u.a. mit Xylophon, Mini-Bongo, Kazoo oder Nasen-Trompete in die instrumentale Vielfalt ihres kongenialen Begleiters (u.a. Klavier, Gitarre, Hammond-Fußorgel und Percussions) einzutreten versuchte, sei ihr der witzigen Effekte halber gegönnt. Auffallend positiv jedenfalls nahm das Publikum die (wohl dramaturgische) Wandlung des Multi-Musikanten Clemens Maria Kitschen auf, welcher 2015 seine Rolle noch „wortkarg mit Hundeblick“ ausgeführt hatte, um nun „seiner kapriciösen Kleinkunst-Diva“ ein echt schlagfertiger Bühnenpartner zu sein.

Insbesondere bei vorgeblich autobiografischen Rückblenden etwa auf Kreuzfahrtschiffe, in Bars bzw. Spelunken oder auf den Jakobsweg im „Hühneraugen-Blues“ schaukelte sich das komische Talent der Beiden zur Hochform auf, so dass das Chanson-Kabarett von und mit Madeleine Sauveur und Combo Clemens Maria Kitschen dem Dechower Publikum erst nach drei überschwänglich gefeierten Zugaben „Auf Wiedersehen“ sagte.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen