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Rechte bekommen Aufwind in jamel : Das Problemdorf Jamel

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nach gescheitertem NPD-Verbot: Bürgermeister warnt vor nicht zu unterschätzenden Gefahren und fordert einen starken Staat

von
erstellt am 19.Jan.2017 | 04:45 Uhr

Mit dem NPD-Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird ein kleines Dorf in Mecklenburg nun endgültig in die Annalen der Rechtsgeschichte eingehen: Jamel, das auch als Nazidorf verschrien ist. 37 Einwohner leben in dem kleinen Ort zwischen Wismar und Grevesmühlen. Etwa ein Drittel davon habe eine rechte Gesinnung, schätzt Bürgermeister Uwe Wandel. Und die Gefahr, die von einem harten Kern ausgehe, sei auch nach dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren nicht zu unterschätzen. „Die sind nach wie vor zu allem bereit in ihrem völkischen Denken. Wenn sie eine Kalaschnikow in die Hand bekämen und auswählen könnten, auf wen sie zuerst schießen, würde ich wahrscheinlich einer der Ersten sein“, sagt Uwe Wandel gegenüber der SVZ.

Seit einem Jahrzehnt ist der 59-Jährige ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Gägelow und schlägt sich seit dem mit dem Problemdorf Jamel herum.

Dass dieser Ortsteil den Stempel Nazidorf aufgedrückt bekam, hat aus Sicht von Uwe Wandel unter anderem diesen Grund: „Der größte Fehler war, dass man hier Anfang der 1990-er Jahre Nazis gewähren ließ und sie dadurch groß machte“, sagt Wandel. „Wäre die Polizei damals schon im vernünftigen, rechtsstaatlichen Maße vorgegangen, dann wäre das alles wahrscheinlich nicht so weit gekommen“, sagt Wandel. Zu Recht habe sich sein Amtsvorgänger Fritz Kalf damals im Stich gelassen gefühlt und dies auch kritisiert.

Für die Richter des Bundesverfassungsgerichts stellt Jamel einen Sonderfall dar, der allerdings nicht verallgemeinerungsfähig sei. „Sonstige Beispiele erfolgreicher Durchsetzung räumlicher Dominanzansprüche sind nicht ersichtlich“, sagt das Bundesverfassungsgericht. Es hatte am Dienstag ein Verbot der NPD abgelehnt. Die Partei sei zwar verfassungsfeindlich, aber zu schwach und unbedeutend.

Für Bürgermeister Uwe Wandel stellt die Entscheidung der Karlsruher Richter keine Überraschung dar. „Ich denke, allen Beteiligten war klar, dass das mit dem NPD-Verbot nichts wird. Ich persönlich hielt das Ganze ein wenig für einen Schaukampf des Staates nach dem Motto ,Wir tun was‘.“

Für Wandel ist etwas anderes viel wichtiger: „Der Staat muss seine Macht beweisen. Wenn er das konsequent tut, gibt es auch Erfolge. Das sehen wir am Thinghaus in Grevesmühlen.“ Da dort nahezu jede Veranstaltung mit Polizeikontrollen versehen wurde, sei der rechte Szenetreff inzwischen quasi tot. „Hätte es diese massive Polizeipräsenz nicht gegeben, wäre das Thinghaus zur rechten Zentrale in Norddeutschland geworden“, verdeutlicht Wandel.

Das Urteil der Karlsruher Richter hatte in dieser Woche auch in Nordwestmecklenburg zu unterschiedlichen Reaktionen geführt. Während NPD-Anhänger Grund zur Freude hatten, zeigten sich Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss und die Jameler Künstlerin Birgit Lohmeyer enttäuscht. „Das Urteil entfaltet im In- und Ausland eine fatale Wirkung, da es Deutschland nicht schafft, die Nachfolgepartei der NSDAP zu verbieten“, sagte Lohmeyer.

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