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Adipositas-Selbsthilfegruppe in Wismar : "Das Leben macht wieder Spaß"

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Seit drei Jahren gibt es in Wismar eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Adipositas. Gemeinsam werden Wege aus der krankhaften Fettsucht gesucht. Und gefunden. "Ich habe mal 175 Kilo gewogen", erzählt Ursula Zimdars.

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erstellt am 09.Sep.2013 | 12:03 Uhr

Wismar | Seit drei Jahren gibt es in Wismar eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Adipositas. Gemeinsam werden Wege aus der krankhaften Fettsucht gesucht. Und gefunden.

"Ich habe mal 175 Kilogramm gewogen", erzählt Ursula Zimdars. Die 69-Jährige aus Proseken berichtet von ihrem Leben als Schwergewicht. "Ich habe alles versucht, immer wieder abgenommen, dann kam der Jojo-Effekt. Ich wollte sterben!" Schuld waren die Kartoffelchips und die Süßigkeiten. Mittlerweile lächelt sie. "Ich hab 50 Kilogramm abgenommen, 50 würde ich gerne noch verlieren." Sie hat im November einen Schlauchmagen bekommen. Die Größe ihres Magens wurde operativ um 80, 90 Prozent verkleinert. Sie kann nur noch kleinste Portionen essen und verliert so an Gewicht. "Ich fühle mich wie neu geboren, das war meine Lebensrettung!" Nur ihr Mann beschwert sich scherzhaft: Vier Kleidergrößen weniger gehen auch ins Geld.

Einziger Wermutstropfen derzeit bei Ursula Zimdars: "Das Gewicht ist zum Stillstand gekommen . Ich nehme nicht mehr ab. Was kann ich machen?" Das fragt sie in die Runde der Selbsthilfegruppe. Die 17 Frauen und drei Männer im Saal des Wismarer Klinikums treffen sich einmal im Mo¬nat zum Erfahrungen austauschen, gemeinsamen lachen, weinen und erzählen. Vielen geht es wie Ursula Zimdars. Sie haben starkes Übergewicht, haben Operationen als letzten Ausweg vor oder hinter sich oder versuchen mit Diäten und Sport wieder auf ein annähend normales Gewicht zu kommen. Und das dann zu halten. Die anderen Betroffenen machen ihr Mut: "Warte ab und mach dich nicht verrückt, solche Phasen gibt es immer wieder", so Simone Sommer. Sie hat vor drei Jahren in Wismar die Gruppe gegründet, vorher gründete sie in Rostock die erste Gruppe des Landes. Karola Friese (59) kommt immer extra aus Hagenow nach Wismar zum monatlichen Gruppentreff. "Bei uns in der Region gibt es so was nicht." 150 Kilogramm hat sie vor der Operation, dem Magenbypass, im März gewogen, jetzt sind es 115. "Gehen Sie als Übergewichtige mal mit Kopfschmerzen zum Arzt oder mit einem eingewachsenen Zehennagel, der sagt ihnen nur, sie sind zu fett", berichtet sie von ihren eigenen Erfahrungen.

Wenn was ist, weiß sie, kann sie Simone immer anrufen. Simone Sommer hat all das durch. Die 49-Jährige wog mal 130 Kilogramm. "Es ging mir schlecht, die Lebensqualität war sehr weit gesunken. Ich konnte nicht mehr viel machen", erinnert sie sich. Atemnot, Herzrhythmusstörungen, zwei kaputte Hüftgelenke. "Der normale Alltag war anstrengend." Im Sommer 2006 bekam sie den Magenbypass. "Übergewicht fängt bei einem BMI über 27 an, ich hatte 48", erzählt sie. Nach der OP hat sie abgenommen, wiegt jetzt 63 Kilogramm. "Das Leben macht wieder Spaß!", macht sie Betroffenen Mut, sich Hilfe zu suchen. "Wir sind eine Selbsthilfegruppe, aber etwas machen muss jeder selber!", sagt sie und lacht.

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