Tierische Geschenke : Das Kätzchen unterm Christbaum

„Toxi“ pirscht sich durch ihr Revier im Tierheim. Auszubildende Petula Göbel weiß, dass die Katze aber gar nicht giftig ist.
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„Toxi“ pirscht sich durch ihr Revier im Tierheim. Auszubildende Petula Göbel weiß, dass die Katze aber gar nicht giftig ist.

Zu Weihnachten gibt’s auch Tiere geschenkt – aber wenn die Lust am Spielzeug verloren geht, landen Hund, Katze und Co. oft im Tierheim

svz.de von
11. Dezember 2013, 04:45 Uhr

Ein Geschenk für Weihnachten muss noch her. Doch was nur? Tochter und Sohn haben doch eigentlich schon alles. Ein Kätzchen vielleicht. Nicht so eins aus Stoff, nein, ein kleines, niedliches und quick lebendiges. Das wäre doch das ideale Weihnachtspräsent für den tierlieben Nachwuchs. „Ist es nicht“, sagt Annette Herbing, die solche Geschenkideen für nicht sinnvoll hält. Für die Leiterin des Tierheims Roggendorf steht fest: „Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum.“ Annette Herbing weiß, was passiert, wenn der Aha-Effekt verpufft ist und der Spaß am lebendigen Kuscheltier nachlässt: „Dann bleiben Kosten und viel Arbeit übrig.“

„Omi“ hat es nicht so mit dem Bellen. Das überlässt der betagte Terrier-Mischling lieber den anderen Hunden im Tierheim. Seit zwei Tagen ist die Hündin jetzt am Dorfrand von Roggendorf zu Hause , hat sich etwas mit Katze „Toxi“ angefreundet und macht sich mit der neuen Umgebung vertraut. „Omi“ wurde herrenlos in Sterly, im Amt Lauenburgische Seen gefunden. Ein Besitzer konnte nicht ausfindig gemacht werden und vermutlich teilt „Omi“ das Schicksal mit den meisten der anderen 32 Hunde und 62 Katzen, die derzeit in diesem voll besetzten Tierheim leben: sie war nicht mehr gewollt.

„Das passiert oft, wenn Menschen mit der Betreuung der Tiere überfordert sind“, sagt Annette Herbing. Überforderung, die stellt sich auch schnell ein, wenn ein Tier verschenkt wurde. „Jeder, der ein Tier verschenkt, sollte sich darüber im Klaren sein, was das für Folgen haben wird“, betont sie. 15 Jahre alt werde im Schnitt, so Herbing, eine Katze oder ein Hund. In dieser Zeit müsse das Tier gepflegt und versorgt werden. Alleine die Kosten für die tierärztlichen Untersuchungen, für Impfungen oder Entwurmungen würden oftmals unterschätzt. Zudem müsse genau geprüft werden, ob ein beschenktes Kind mit der Arbeit und der Verantwortung für das Tier überfordert sei, ob die Eltern gegebenenfalls in die Bresche springen und die Zeit investieren können, die ein Tier brauche.

Hamster oder Wüstenrennmaus: niedliche Tiere und beim Nachwuchs sehr beliebt. „Aber was soll bitte ein Kind mit einem nachtaktiven Hamster oder einer in der Dämmerung agilen Wüstenrennmaus anfangen, mit der es tagsüber spielen will?“, fragt Herbing und gibt die Antwort gleich selbst: „nichts“. Am Rad drehen in einem Käfig – das habe mit artgerechter Haltung nichts zu tun. Deshalb sollen – nicht nur zur Weihnachtszeit – Tiergeschenke genaustens überdacht werden. „Wenn bei uns jemand ein Tier haben möchte, das er verschenken will, dann kann ich nur raten, den Beschenkten gleich mitzubringen. Gemeinsam können wir im Gespräch feststellen, ob beide Seiten etwas davon haben“, so Herbing.

Tiergeschenke – das kommt nicht nur bei Kindern gut an. „Wir hatten mal einen Fall, da hat ein Sohn seiner allein stehenden, über 80-jährigen Mutter einen Welpen geschenkt. Jetzt ist die Mutter im Altenheim – und das Tier bei uns“, erzählt die Tierheim-Leiterin.

Ein Tier gibt es jedoch, das auch Tierschützerin Herbing einen Platz unterm Weihnachtsbaum gönnt – das Sparschwein.

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