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Mühlen Eichsen : „Das ist ein wahrer Glücksfall“

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Scheidende Hausärztin hat Praxisnachfolgerin gefunden / 23 Hausarztstellen in Nordwestmecklenburg und Schweriner Umland unbesetzt

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erstellt am 30.Jun.2017 | 21:00 Uhr

Heute war es soweit: Hausärztin Karin Sander übergibt ihre Praxis an Nachfolgerin Katrin Würfel. „Es ist ein absoluter Glücksfall, dass wir Frau Würfel gefunden haben und dass sie vor allem unsere Praxis als ihre neue berufliche Aufgabe gewählt hat“, freut sich die 62-Jährige.

Gut eineinhalb Jahre haben sie und ihr Mann Wolfgang, der als Chemiker zuletzt in der Pharmazie gearbeitet hat, nach einem geeigneten Nachfolger gesucht. „Geholfen hat uns dabei keiner. Wir haben Annoncen geschaltet bei der KV (Kassenärztliche Vereinigung, Anm. d. Red.), im Internet und bei der Ärzte- und Apothekerbank“, erzählt Wolfgang Sander, der seit seinem Renteneintritt seiner Frau verwaltungsorganisatorisch unter die Arme greift. Sie hätten zwar einige Bewerber gehabt, aber davon hätte man die meisten „in der Pfeife rauchen können“, weil die völlig falsche Vorstellungen von der Führung einer Hausarztpraxis gehabt hätten.

Und da liegt auch laut der Kassenärztlichen Vereinigung in MV das Problem. Auf den Internetseiten der KV wird regelrecht gebuhlt um Hausärzte, die sich in den ländlichen Regionen niederlassen. Mit Förderprogrammen, die je nach Unterversorgungsgrad einen Zuschuss bis zu 75 000 Euro für die Neueröffnung oder Übernahme einer Hausarztpraxis vorsehen. Trotzdem sind im Landkreis Nordwestmecklenburg und dem Schweriner Umland, zu dem auch Teilbereiche des Kreises Ludwigslust-Parchim gehören, aktuell 23 Hausarztstellen unbesetzt.

Katrin Würfel übernimmt mit der Praxis von Karin Sander auch 700 bis 800, meist ältere Patienten, die pro Quartal hier betreut werden. Dabei sind das beileibe nicht nur Praxisbesucher. Das Territorium der notwendigen Hausbesuche erstreckt sich von Gadebusch über Vietlübbe und Veelböken bis nach Dragun. „Dank der guten Vorbereitung von Frau Sander bin ich überall herzlich begrüßt und sogar schon mit Namen angesprochen worden“, berichtet die 37-Jährige, die zuvor in der Onkologie eines Krefelder Krankenhauses mit mehr als 1000 Betten gearbeitet hat. Die Fachärztin für Innere Medizin mit Spezialisierung auf Palliativbehandlung wird am Montag ihre Arbeit in Mühlen Eichsen und Umgebung aufnehmen. „Es wird alles beim Alten bleiben, auch die Öffnungszeiten“, betont Katrin Würfel, die ursprünglich aus Thüringen stammt. Auch die langjährige Schwester und gute Seele der Praxis, Renate Baluchowski, bleibt – zwei Jahre noch. „Eigentlich hatten wir uns geschworen, dass wir gemeinsam in den Ruhestand gehen“, sagt Karin Sander etwas wehmütig. Doch sie hätten diese Chance nutzen müssen, wer weiß, wie es in zwei Jahren gewesen wäre, so die scheidende Ärztin.

Das Ehepaar Sander zieht nun zurück nach Schwerin, wo Karin Sander von 1981 bis 1988 als Ärztin tätig war. Sie haben Praxisgebäude und Wohnhaus an Nachfolgerin Katrin Würfel verkauft und ziehen in eine Eigentumswohnung. So sind sie auch näher bei ihrer ältesten Tochter Sabine, die in der Landeshauptstadt eine eigene Hausarztpraxis hat.

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