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Kreis fällt 47 Bäume in diesem Jahr : Das grüne Dach der Kreisstraßen

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47 Bäume fällt der Landkreis in diesem Jahr entlang seiner Straßen. Sie müssen weichen, weil sie die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern gefährden. Doch der Kahlschlag ist erstmal vorbei.

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erstellt am 26.Jul.2013 | 10:50 Uhr

Nordwestmecklenburg | 47 Bäume fällt der Landkreis in diesem Jahr entlang seiner Straßen. Sie müssen weichen, weil sie die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern gefährden. Doch der Kahlschlag der vergangenen Jahre ist erstmal vorbei.

Vor einigen Jahren waren beispielsweise entlang der Kreisstraße zwischen Krembz und Badow Obstbäume gefällt worden. Begründung des Landkreises: Die Bäume seien nicht mehr standsicher gewesen bzw. eine akute Abbruchgefahr der Kronen hätte bestanden. Auf der Straße waren Bäume umgestürzt und die Feuerwehr musste deshalb mehrfach ausrücken. Die Naturschützer waren empört über diese Maßnahmen und zeigten die Kreisverwaltung an. Das waren nicht die einzigen Bäume, die weichen mussten. Zwischen 2009 und 2012 wurden rund 1000 Bäume gefällt. Das sei notwendig gewesen, sagt gestern Burghard Bohm, Fachdienstleister Bau und Gebäudemanagement, weil vorher die Pflegemaßnahmen nicht so intensiv durchgeführt worden waren. In diesem Jahr sollen es nur noch 47 sein. Verschwindend wenig im Verhältnis zu den 23 700 Bäumen entlang von 272 Kilometern Kreisstraßen, für die die Verwaltung verantwortlich ist.

Die Begutachtung und Pflege der Bäume hat der Kreis vollständig an externe Fachleute vergeben. Rund 50 000 Euro sind für Sichtkontrollen in diesem Jahr und 2014 geplant. Für die Pflege stehen dann nochmals 80 000 Euro für 2013 bereit. "Mit eigenen Kräften können wir das nicht leisten", sagt Bohm. "Und für 50 000 Euro können wir das auch nicht leisten."

Cornelia Koch ist dafür auf den Straßen unterwegs. Sie ist als Baumkontrolleurin für Nordwestmecklenburg aktiv. "Man kann den Bäumen von außen ansehen, wenn es ihnen nicht gut geht", sagt sie. Dafür müsse man allerdings "gucken lernen". In drei Abschnitten werden Bäume kontrolliert. Krone, Stamm und Wurzel. Die Belaubung, Verzweigung der Äste, Risse in der Rinde, Schnittverletzungen oder Pilze geben Auskunft über den Zustand. Die Gutachterin gibt dann auch Empfehlungen für Pflegemaßnahmen.

Dabei sei der Begriff Pflege missverständlich, erklärt Roland Finke. Der Fachdienstleiter Umwelt erklärt den Zweispalt zwischen Baumpflege und Natur. "Der Baum kommt gut ohne uns klar." In den natürlichen Kreislauf einzugreifen, entspringe vielmehr aus dem menschlichen Bedürfnis heraus. "Wir möchten nicht, dass er Totholz abwirft", so Finke. Für den Baum selber sei das völlig unproblematisch. Aber: Passiere das an Straßen, kann es gefährlich für Menschen und Autos werden. "Wir haben eine Verkehrsicherungspflicht." Deshalb müssen solche Bäume gepflegt werden. In erster Linie wird das Totholz aus der Krone entfernt, erst wenn der Baum bereits erheblich geschädigt ist oder abstirbt, kann eine Fällung notwendig werden. Eine absolute Sicherheit sei aber nicht möglich. Schäden durch Windbruch seien nicht vollständig auszuschließen.

Bäume, die in 1,30 Meter Höhe allerdings einen Umfang von einem Meter haben, stehen unter Schutz und dürfen nicht gefällt werden. Doch nicht nur die Fällung, sondern auch die Zerstörung oder Beschädigung müssen vorab genehmigt werden. Wer beim Fällen ohne Erlaubnis erwischt wird, muss mit einem saftigen Bußgeld von 5000 Euro rechnen. Das hat auch einige Gemeinden im Kreis ereilt. Dort wurden Bäume beispielsweise vor dem Gemeindehaus gekappt. Das führt häufig dazu, dass sie über Jahre absterben. So sollte eine mögliche Gefahr durch herunterfallende Äste gebannt werden. Das führt aber zum Gegenteil und sei zudem eine Ordnungswidrigkeit, sagt Finke.

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