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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. Oktober 2017 | 15:34 Uhr

Schlagsdorf : Das Grenzhus hat eine Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Umbau der Ausstellung ab Herbst 2014 angedacht. Das Land sichert Arbeit des Hauses mit 160 000 Euro in den kommenden zwei Jahren.

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erstellt am 17.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Die Zukunft des Grenzhuses Schlagsdorf als Lernort für Geschichte, Demokratie, Natur, Umwelt sowie die touristische Einbindung ist vorerst gesichert. Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellt 2014/2015 insgesamt 160 000 Euro für die Einrichtung zur Verfügung. Eine finanzielle Basis, die nicht zuletzt der Gemeinde Schlagsdorf als Hauseigentümer künftige Entscheidungsfindungen bei der Umsetzung neuer Konzepte erleichtern soll.

Vincent Kokert, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag und die ehemalige Landrätin Birgit Hesse (SPD) hatten sich für eine bessere finanzielle Ausstattung der größten musealen Einrichtung zur Geschichte an der innerdeutschen Grenze in MV stark gemacht. Mit Dr. Andreas Wagner arbeitet heute ein vierköpfiges Team am Lernort Schlagsdorf.

Die Geschichte von Stacheldraht und Minenfeldern allein wird in Zukunft nicht das bestimmende Thema des Hauses sein. Für Wagner als wissenschaftlichen Mitarbeiter entwickelt sich das Haus zum Ort der Begegnung: „Menschen sprechen hier über sich, ihre Geschichte und formulieren 25 Jahre nach Öffnung der Grenze ihre ganz eigenen Fragen.“ Ein Potenzial, das es zu nutzen gilt, meint auch Vincent Kokert. „Wenn einem die Leute in die Augen schauen, erzählen, was sie erlebt haben, sind das Tatsachenberichte, mit denen wir die junge Generation erreichen.“ Er halte es für wichtig, dass das Gedenken an die Teilung Deutschlands wach gehalten wird.

Die aktuelle Schau „Durchblicke“ ist der jüngste Beweis. Jugendliche aus MV und Schleswig-Holstein beschäftigten sich mit dem Thema deutsche Teilung. Eine Gruppenarbeit, die Geschichte lebendig macht und Potenzial für die Besucherentwicklung bietet, so Wagner mit Blick auf das Konzept des Hauses.

Knapp 11 000 Gäste zählte die Einrichtung in 2013. Darunter 172 Gruppen, die in Zukunft verstärkt auch aus der Region kommen sollen. Dafür spricht nicht allein der 25. Jahrestag der friedlichen Revolution und Grenzöffnung in 2014. Erik Gurgsdies, Vorsitzender des Trägervereins Politische Memoriale, möchte „verstärkt an allen Schulen und mit Geschichtslehrern für Projektarbeit in Schlagsdorf werben“.

In puncto Werbung nimmt das Amt für das Biophärenreservat Schaalsee einen nicht weniger bedeutenden Platz ein. Das verdeutlichte Klaus Jarmatz, Leiter des Amtes für das Biosphärenreservat, gestern beim Themengespräch mit Kokert, Vertretern des Vereins Politische Memoriale und Gerhard Rappen als amtierendem Landrat von NWM. Die Biosphärenreservatsverwaltung sieht Schlagsdorf als einen von vier wichtigen Servicepunkten entlang des Naturschutzprojektes „Grünes Band“ von der Elbe zur Ostsee mit Dömitz, Boizenburg, Zarrentin und Schlagsdorf. „Jüngste Erhebungen zeigen deutlich, dass die in 2011 und 2012 gezählten 500 000 Besucher in der Region die Natur in Verbindung mit der deutschen Geschichte erleben möchten“, so Jarmatz. Schlagsdorf sei längst in allen medial neu gestalteten Servicepunkten fester Bestandteil des Konzeptes. Wer das Infozentrum auf der Festung Dömitz besuche, der erfahre etwas über Schlagsdorf und das Grenzhus und in Zukunft auch umgekehrt.

Für das Biosphärenamt in seiner Funktion als Regionalentwickler sind die „Geschichte der Region, das erfahrene Leid, die Natur, der Tourismus im Unesco-Verbund Elbe-Schaalseeregion in der Metropolregion Hamburg ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit“. Eine pädagogische und solide Vermittlung von Zusammenhängen von Geschichte und Natur, die ein Beitrag von MV in der Metropolregion sind.

Das neue Konzept des Hauses wird als wichtiger Schlüssel gesehen. Land, Kreis, Ämter und die Gemeinde Schlagsdorf legten 2013 den Grundstein für eine Neugestaltung der Ausstellung. In Zusammenarbeit mit der Agentur „Impuls“ wird an der Umsetzung gefeilt. Nach Angaben von Jarmatz belaufen sich die geplanten Investitionen auf 500 000 bis 850 000 Euro. Darin eingeschlossen die barrierefreie Gestaltung des Grenzhuses inklusive seiner gastronomischen Einrichtung. Auf allen Ebenen des Hauses werden die Wechselbeziehung von Grenze und Natur das Thema sein. Ein Ort mit vielversprechender Zukunft, so Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. Für ihn gehe es nicht mehr um Grundsatzfragen, sondern um inhaltliche Details.

An Ideen für Veranstaltungen mangelt es nicht. Vorgesehen sind eine Kunstschau „Der weiße Strich“ zum Thema Berliner Mauer, Schulprojekte sowie eine Fotoschau Biosphärenlandschaft gestern und heute.

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