Beste Rapszucht Europas in Malchow : Das Gold von der Insel Poel

Zum Schutz vor Fremdbestäubung stülpen Wolfgang Peinert und die Auszubildende Nele Albers auf den Versuchsparzellen der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG gemeinsam mit ihren Kollegen insgesamt 15 000 Plastiktüten über blühende Rapspflanzen. Fotos: Holger Glaner (3), NPZ (1)
1 von 4
Zum Schutz vor Fremdbestäubung stülpen Wolfgang Peinert und die Auszubildende Nele Albers auf den Versuchsparzellen der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG gemeinsam mit ihren Kollegen insgesamt 15 000 Plastiktüten über blühende Rapspflanzen. Fotos: Holger Glaner (3), NPZ (1)

Die Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG gehört zu den besten Rapszüchtern Europas

svz.de von
15. Mai 2017, 12:00 Uhr

Sie heißen Hattrick, Wembley oder Mercedes. Auch Avatar, Leopard, Kraft oder Titan. Bis zu 1,80 Meter groß recken sie in diesen Tagen ihre Köpfe den wärmenden Strahlen der Frühlingssonne entgegen. Allesamt Insulaner, Familienname Raps. – Der Goldschatz der Insel Poel.

Gehütet und ständig vergrößert wird dieser von der NPZ Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG in dem kleinen Inseldorf Malchow. Dort vertreibt das Familienunternehmen derzeit Saatgut 45 verschiedener Winter- und Sommerrapssorten. Und jährlich werden es mehr. Durchschnittlich gut eine Handvoll neuer Spezies erobern alle zwölf Monate von Poel aus den Markt zwischen Kanada, den Britischen Inseln, Deutschland und der Mongolei. Und das nach zwölf langen Jahren Vorarbeit. So lange dauert es, bis sich aus ursprünglich 1000 neuen Rapskombinationen die eine mit den besten Eigenschaften und den besten Ertragsaussichten herauskristallisiert und durchgesetzt hat. Ein Prozess jahrelangen Selektierens. Eine halbe Ewigkeit, an deren Ende die Zulassung als neue Rapssorte durch das Bundessortenamt stehen soll. Stehen muss. Nur dann ist die Investition in Höhe von gut 2 Millionen Euro pro Sorte nicht in den fruchtbaren Inselboden gesetzt. Und erst dann können die Züchter mit dem Vergolden des unscheinbaren schwarzen Saatguts beginnen.

„Aber bis dahin ist es ein langer Prozess“, sagt Dietmar Brauer als geschäftsführender NPZ-Gesellschafter. Die Rapszüchter tauschen sich mit den Landwirten aus, auch die Umwelt spielt mit neu auftretenden Krankheiten eine wesentliche Rolle in Forschung und Entwicklung. Und nicht zuletzt der Klimawandel. „All das beeinflusst die Eigenschaften künftiger Sorten. Von der Resistenz gegen Krankheiten bis zur größtmöglichen Ertragshöhe“, erklärt Rapszüchter Dr. Andreas Girke. Herauskommen muss am Ende ein Saatgut, das höchsten Ansprüchen genügt. Für einen Raps als perfekte Grundlage für Speiseöl über heimisches Futtermittel bis zu Treibstoff.

Verkauft wird das Gold von der Insel in großen Papiersäcken. Verpackungseinheiten mit einem Inhalt von jeweils 1,5 Millionen circa zwei Millimeter großen keimfähigen Samen. Genug, um eine Ackerfläche von rund 3,5 Hektar zu bestellen. Winterraps für die Landwirte in Europa, der im August gesät und im nächsten Sommer geerntet wird. Sommerraps für Gegenden mit kalten Wintern wie in Sibirien.

Im Ergebnis ist die Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG heute europaweit einer der Marktführer, in Deutschland sogar Spitze in Sachen Rapszüchtung. Und mehr als das. Denn nicht nur in der Entwicklung neuer Rapssorten sind die kreativen Züchter aus der Wismarbucht Spitze. Auch die Namen dieser neuen Sorten kommen aus den eigenen Reihen. „Das machen wir in der Frühstückspause oder draußen auf dem Feld und manchmal auch abends beim Bier. Eine Agentur brauchen wir dafür nicht“, sagt Rapszüchter Andreas Girke und strahlt mit dem satten Goldgelb um sich herum zufrieden amüsiert um die Wette.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen