Zweiter Weltkrieg : Das Ende der Ungewissheit

Irma Sann zeigt ihren gefallenen Bruder und ein Foto von seiner letzten Ruhestätte. Dass sein Schicksal geklärt werden konnte, lag auch an   Oberst a.D. Reinhard Wegener  (l.) und Dr. Hans-Heinrich Uhlmann (r.) vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
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Irma Sann zeigt ihren gefallenen Bruder und ein Foto von seiner letzten Ruhestätte. Dass sein Schicksal geklärt werden konnte, lag auch an Oberst a.D. Reinhard Wegener (l.) und Dr. Hans-Heinrich Uhlmann (r.) vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Irma Sann weiß endlich, wo ihr gefallener Bruder seine letzte Ruhestätte bekommen hat

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30. Juli 2014, 00:00 Uhr

Ihre Augen glänzen. In ihren Händen hält sie zwei Fotos, die von unschätzbarem Wert für Irma Sann sind. Darauf zu sehen ist ihr Bruder Karl, der im Zweiten Weltkrieg gefallen ist – und die Grabstelle, an der er seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Jahrzehnte wusste Irma Sann nicht, wo ihr Bruder Karl Hinrichs wenige Wochen vor Kriegsende begraben wurde. Auf einem Stein, hatte ein Kriegskamerad damals berichtet, soll er am 17. März 1945 gesessen haben. Dann sei der gelernte Bäcker hinterrücks getroffen worden – und konnte seine Tochter nicht mehr kennen lernen. Sie lebte später ebenso wie sein Sohn in Gadebusch.

Erst der Besuch eines Benefizkonzertes in Gadebusch zu Gunsten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge brachte ihr vor wenigen Monaten Gewissheit. In der Konzertpause konnte der Volksbund mittels einer digitalen Datenbank die letzte Ruhestätte von Karl Hinrichs lokalisieren. Es ist die Kriegsgräberstätte in Heiligenbeil/Mamonovo. Der Ort ist etwa 50 Kilometer von Kaliningrad entfernt. Dort hat der Volksbund im Jahr 2000 begonnen, den deutschen Soldatenfriedhof herzurichten. Er wurde im Juni 2002 eingeweiht.

Ursprünglich wollte die Grevesmühlenerin Irma Sann die Strapazen einer 600 Kilometer weiten Reise gen Osten auf sich nehmen. Dann beschlichen sie Zweifel. „Ich hatte Angst, dass ich das gesundheitlich nicht schaffen und dort zusammen brechen würde“, sagt Irma Sann.

Statt der Reise in den Osten gab es nun Post Richtung Westen. Inhalt: ein Foto von der letzten Ruhestätte, wo ein Blumenstrauß vor der Tafel steht, in der der Name Karl Hinrichs und dessen Lebensdaten eingraviert sind. „Ich bin unheimlich dankbar dafür“, sagt Irma Sann und richtet diese Worte an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der das ermöglicht hat.

Wie sehr es Menschen bewegt, wenn sie Klarheit über das Schicksal von Familienmitgliedern erhalten, weiß auch Oberst a.D. Reinhard Wegener vom Volksbund-Kreisverband Nordwestmecklenburg. „Der Mensch ist so veranlagt, dass er immer einen Halt braucht. Und wenn ich nicht weiß, wo mein geliebter Vater oder Bruder bestattet ist, so lange treibt es die Hinterbliebenen um.“

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