Klein Salitzer Milchschäferei : Das Blöken der Lämmer

<strong>Nicht alle Muttertiere</strong> nehmen ihren Nachwuchs an. Deshalb muss die Flasche herhalten. Die vierjährige Sarah Richter weiß, wie es funktioniert und verabreicht diesem Lamm eine Portion Milch.
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Nicht alle Muttertiere nehmen ihren Nachwuchs an. Deshalb muss die Flasche herhalten. Die vierjährige Sarah Richter weiß, wie es funktioniert und verabreicht diesem Lamm eine Portion Milch.

Seit Mitte Dezember werden täglich Lämmer in der Klein Salitzer Milchschäferei geboren. 108 hat Familie Richter bisher gezählt, Dutzende Lämmer werden noch folgen. Doch nicht alle werden von der Mutter angenommen.

svz.de von
30. Januar 2013, 12:05 Uhr

Klein Salitz | Als Andreas Richter morgens in den Stall kam, da war schon wieder neues Leben in den Ablammbuchten. "Sechs Lämmer wurden über Nacht geboren", sagt der Milchschäfer und zeigt auf die wenige Stunden alten Tiere, die abgeschirmt von der Herde mit ihren Muttertieren auf weichem Stroh liegen. Seit Mitte Dezember werden täglich Lämmer in der großen Stallung in Klein Salitz geboren. 108 hat Familie Richter bisher gezählt, Dutzende Lämmer werden in den kommenden Wochen noch folgen.

Die kleinen und großen Schafe blöken um die Wette und mittendrin ist das Juchzen von Sarah und ihrer kleinen Schwester Johanna zu hören. Sarah ist vier Jahre alt und klettert im Stall ihrer Eltern gekonnt über die Bretterzäune, um mit den Lämmern zu kuscheln. "Die sind schön weich", sagt das Mädchen, schnappt sich ein zierliches Tier und streichelt es. Die ausgewachsenen Tiere lassen das Mädchen gewähren. "Sie sind es gewohnt, dass Menschen in ihrer Nähe sind", sagt Andreas Richter. Früher, als er noch im Erzgebirge lebte, da hatte er als Elektriker gearbeitet und mit Schafen nichts am Hut. Dann kam er mit Frau Anja nach Nordwestmecklenburg, kaufte sein erstes Schaf und startete einen Neuanfang als Milchschäfer. Heute, gut zehn Jahre später, besitzen die Richters in ihrem Bio-Betrieb rund 200 Muttertiere, aus deren Milch jährlich mehrere tausend Kilo Käse produziert werden. Von Februar an wird wieder gemolken. Solange kann der Nachwuchs sich noch ausschließlich an der Muttermilch stärken.

Vor einer Ablammbucht hockt Kaja und lässt sich vom Rummel im Stall nicht irritieren. Meistens treibt sie die Schafherde zusammen, doch jetzt verrichtet die Schäferhündin seelenruhig einen Job, der darin besteht, einfach nur vor dem Bretterzaun einer Ablammbucht zu sitzen, um den Beschützerinstinkt eines Muttertieres zu provozieren. "Die Mutter hat das erste von zwei Lämmern nicht angenommen. Jetzt, da Kaja in der Nähe ist, lässt es beide Lämmer an ihre Milch", erzählt der 35-jährige Richter. Aber ganz ohne kleine Plastik-Milchflaschen kommen die Milchschäfer nicht aus. Einige Neugeborene werden von ihren Muttertieren nicht an die Zitzen gelassen. Und so bekommen die "Flaschenkinder" ihre Portionen Milch von Hand verabreicht.

145 Tage - so lange trägt im Schnitt ein Schaf ein Lamm aus. Viele der ostfriesischen Milchschafe, der französischen Lacauen oder der schwarzköpfigen Fleischschafe haben schon mehrfach gelammt. "1,7 Lämmer bringen sie im Schnitt jährlich zur Welt", erklärt Richter. Nur rund ein Viertel der Lämmer werden später für die Herdenerneuerung behalten, die anderen Tiere werden zum Schlachter gebracht.

Gras, Hafer und ein Körner-Mais-Gemisch - das bekommen die Alttiere täglich ab 5.45 Uhr verabreicht, damit sie gut im Futter sind. Rund 70 Kilo bringen die Schafe auf die Waage. Artgerechte Tierhaltung, keine Gentechnik, weniger Einsatz von Tierarzneimitteln - seit 2009 arbeitet der Bio-Betrieb nach EU-Ökoverordnung, beliefert eine ganze Reihe von Hofläden, Biofachgeschäften, Cafés oder Restaurants von Hamburg bis Schwerin und entlang der Ostseeküste mit Schnittkäse, Weichkäse oder Joghurt. Manchmal, sagt Sarah, nehme sie auch ein paar Freundinnen mit in den Stall, damit sie sich die Lämmer anschauen können. Morgen früh, wenn die Richters wieder die Stalltür aufschließen, dann sind wohl wieder neue Tiere da. Dann können Sarah, ihre Geschwister oder Freundinnen wieder mit ihnen kuscheln - und Schäferhündin Kaja bekommt bestimmt auch wieder etwas zu tun.

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