Gadebusch : Cybermobbing beginnt schon in Klasse 5

Manchmal werden über das Mobiltelefon oder im Internet fiese Sachen über jemanden verbreitet. Das nennt man auch Cybermobbing.
Manchmal werden über das Mobiltelefon oder im Internet fiese Sachen über jemanden verbreitet. Das nennt man auch Cybermobbing.

Judith Keller: „Einige soziale Netzwerke sind Mobbingschleudern“

von
20. Februar 2014, 00:15 Uhr

Beleidigungen, Gewaltandrohungen, Strafanzeigen – das Thema Cybermobbing droht sich in Nordwestmecklenburg zu verschärfen. „Einige soziale Netzwerke haben sich zu wahren Mobbingschleudern entwickelt. Es ist extrem, es wird vor kaum etwas zurückgeschreckt“, warnt Judith Keller, Vorsitzende des  Jugendhilfeausschusses in Nordwestmecklenburg.

Bereits ab Klasse 5 seien Kinder vom Cybermobbing betroffen. Manche werden das Opfer von Hetzkampagnen in Netzwerken, Foren oder Chats.  Sie würden unter Druck gesetzt und  sollen beispielsweise Freundschaften zu anderen aufkündigen, so Keller. „Es gab bereits Strafanzeigen wegen Beleidigung, übler Nachrede oder Gewaltandrohung“, macht die Vorsitzende des  Jugendhilfeausschusses klar.   Hinzu komme, dass Kinder in sozialen Netzwerken oft selbst eine riesengroße Angriffsfläche böten und viel zu viel von sich preisgäben. „Für einige Kinder sind solche Netzwerke ihr zweites Leben.  Sie verzichten Zuhause  lieber auf Taschengeld  als  auf das Netzwerk“, sagt Judith Keller. Für bedenklich hält sie, dass immer mehr Kinder und Jugendliche  das Netz unkontrolliert nutzen.

Der Landkreis Nordwestmecklenburg hat die Gefahren  erkannt. Der Fachdienst Jugend sensibilisiert   Jugend- und Schulsozialarbeiter regelmäßig auf Tagungen für das Thema. Darüber hinaus zeigen Datenschutzexperten, wie man sich im Netz schützen kann. Denn eins ist klar: Das Internet gehört inzwischen zur Lebenswirklichkeit hinzu und es bringt nichts, nur den Stecker rauszuziehen.

Auch Schulen steuern beim Thema Cybermobbing gegen. „Wir wissen, dass es ein Problem gibt, wir können auf die  Freizeit der Schüler aber nur indirekt Einfluss nehmen“, sagt zum Beispiel der Leiter des Gadebuscher Gymnasiums, Ingolf Litzner. Im Zuge der Schüler- und Elternakademie werden aber Veranstaltungen mit Präventions- und Aufklärungscharakter angeboten. Auch in Klassenleiterstunden oder in Sozialkunde und Philosophie kommt    Cybermobbing  zur Sprache.

Eltern stehen der Problematik oft hilflos gegenüber. Sie erhalten zwar eine Menge Ratschläge und Tipps. Man weiß jedoch nur wenig darüber, wie sie mit     Cybermobbing  umgehen. Um für Eltern Materialien, Trainings- und Hilfsangebote  entwickeln zu können, hat das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau  eine Elternbefragung gestartet. Die Wissenschaftler wollen dabei unter anderem herausfinden,  wie Eltern in verschiedenen Cybermobbing-Situationen reagieren würden. Und ob ihre Reaktionen etwas mit ihrem allgemeinen Erziehungsstil, ihrer eigenen Nutzung von Internet/Mobiltelefonen oder der Art, wie sie den Umgang ihrer Kinder mit Internet/Mobiltelefonen begleiten und regeln,  zu tun haben. „Bisher gibt es kaum Studien, die sich damit beschäftigen“, so die Forscher der Uni Koblenz-Landau.

Judith Keller, die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses,  empfiehlt Eltern betroffener Schüler,  sofort Kontakt mit  Anbietern sozialer Netzwerke aufzunehmen und negative Einträge   umgehend löschen zu lassen.  Auch die Polizei rät Betroffenen aktiv zu werden. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Auch dort sind  Beleidigung, üble Nachrede oder Bedrohung Straftaten. Mobbingopfer sollten sich frühestmöglich bei der Polizei melden“, rät André Falke von der Polizeiinspektion Wismar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen