Protest : Cramoner Brücke zehn Jahre dicht

Protest vor laufender Kamera: Anwohnern aus drei Gemeinde erinnern daran, dass der Nordwestkreis von zehn Jahren die Cramoner Brücke für den Fahrzeugverkehr sperrte. Seitdem müssen die Anwohner lange Umwege fahren.
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Protest vor laufender Kamera: Anwohnern aus drei Gemeinde erinnern daran, dass der Nordwestkreis von zehn Jahren die Cramoner Brücke für den Fahrzeugverkehr sperrte. Seitdem müssen die Anwohner lange Umwege fahren.

Gemeinden erinnern an den wenig erfreulichen Jahrestag und fordern Kreis zum Handeln auf

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15. September 2015, 23:26 Uhr

Bei diesem zehnten Jahrestag war keinem zum Feiern zumute: Einwohner aus Cramonshagen, Dalberg-Wendelstorf und Mühlen Eichsen trafen sich gestern an der Cramoner Brücke, um an die andauernde Sperrung zu erinnern. Vor genau zehn Jahren hatte der Nordwestkreis die marode Brücke über einen kleinen Zufluss zur Stepenitz für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Brücke und ein Teil der Kreisstraße, die von der Mühlen Eichsener Chaussee nach Cramon führt, waren im torfigen Untergrund abgesackt.

„Wir wollen die Brücke!“ So stand es unmissverständlich auf dem Transparent, das quer über die Kreisstraße 30 gespannt war. Darunter standen Dalberger Kindergarten-Kinder und sangen „Wer will fleißige Handwerker sehn...“ Unter den Applaus für die Kinder mischten sich Rufe: „Wir, und zwar schnell!“

„Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, wieder auf dem kürzesten Weg zum Friedhof nach Cramon zu fahren“, sagt Karl Freitag aus Dalberg. Die Fahrstrecke für den 75-Jährigen verlängert sich durch die Sperrung um etwa sechs Kilometer. „So geht es allen hier, auch den Handwerkern aus Schönfeld und Schönfeld-Mühle, die diese Verbindung zur Landesstraße brauchen“, betont Mühlen Eichsens Bürgermeister Jürgen Ahrens. Er hatte die Idee zu dieser „Gedenkveranstaltung“ und sie mit seinem Amtskollegen Reinhard Eggemann aus Cramonshagen und Helmut Haberer aus Dalberg-Wendelstorf auf die Beine gestellt. „Wir wollen nicht nur kritisieren, wir wollen helfen, Lösungen zu finden“, betont Haberer. Aber dass die Jahrhunderte alte Verbindung wieder geöffnet wird, das sei für die Gemeinden unverzichtbar. „Es muss keine große Brücke sein, sondern ein bezahlbares, pragmatisches Bauwerk“, ergänzt Eggemann. Doch nur Worte statt Taten, das wollen die Einwohnern der Region nicht länger akzeptieren. „Es hieß immer, mit dem Geld könne an anderen Stellen im Kreis mehr bewirkt werden“, erzählt Eggemann. „Doch zehn Jahre Wartezeit sind genug.“ Eine dauerhafte Umleitung über Gemeindestraßen oder gar eine Umwidmung komme nicht in Frage. Zumal das Projekt es mehrfach in die Planung des Nordwestkreises geschafft hatte, bislang aber immer wieder rausflog. Vereinzelt gab es auch Stimmen, dass eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer ausreiche, denn auf der Umleitung rolle der Verkehr seit zehn Jahren problemlos, das sagt beispielsweise die Cramonerin Kerstin Giese. Bürgermeister und Anwohner hatten gestern vor allem darauf gehofft, mit Vertretern des Kreises ins Gespräch zu kommen. Doch Landrätin Kerstin Weiss hatte einen anderen Termin. Burghard Bohm vom Bauamt schaffte es zwar nach Cramon – aber erst nachdem alle Demonstranten schon verschwunden waren: Die Suche nach Notunterkünften für Flüchtlingen hatte seinen Zeitplan gesprengt, sagte Bohm gegenüber SVZ.

Inhaltlich sind sich Weiss und Bohm einig: Die Kreisverwaltung wird das Projekt nur anschieben, wenn es dazu einen politischen Auftrag gibt. Der Bauausschuss des Kreistages sei dafür die erste Adresse und letztlich müsse der Kreistag entscheiden. Das war den drei Bürgermeistern schon zuvor bewusst: Sie wollen jetzt gemeinsam genau diesen Weg gehen.

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