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Verkehr NWM : Buspreise erneut auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Verwaltung sieht Klärungsbedarf und will dem Kreistag das Tarifwerk vorerst nicht zur Abstimmung vorlegen

Bus fahren in Nordwestmecklenburg soll billiger werden. So sollen Einzelfahrten künftig bereits ab zwei Euro und somit für die Hälfte des aktuellen Preises möglich sein – das sieht eine neue Tarifstruktur vor. Sie soll ab dem 4. September dieses Jahres im Landkreis gelten und der Nahbus GmbH mehr Fahrgäste bescheren. Doch nun drückt die Kreisverwaltung auf die Bremse und will das neue Zonentarifwerk nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im Mai dem Kreistag zur Abstimmung vorlegen.

Der Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Regionalentwicklung und Planen, Dr. Roland Finke spricht von noch offenen Fragen und befürchtet durch das neue Tarifwerk offenbar stärkere negative Auswirkungen auf die Erträge, als sie von einem Expertenbüro dargestellt werden. Die offenen Fragen sollen zunächst im Detail geklärt werden.

„Wir bitten daher, uns einen Kreistag mehr Zeit zu geben. Das wird die Einführung des Tarifs durch Nahbus nicht verzögern – jedenfalls dann nicht, wenn sich die Fragen klären lassen und Befürchtungen unbegründet sind“, sagte Finke zu den Mitgliedern des Finanzausschusses in Wismar.

Das Ziel der Verwaltung ist klar: Sie will dem Kreistag nur dann ein neues Tarifwerk vorlegen, wenn es kostenneutral, bzw. Einnahme verbessernd ist. Denn schon jetzt ist der öffentliche Personennahverkehr für Nordwestmecklenburg ein Zuschussgeschäft in Millionenhöhe. So leistete der Landkreis allein im vergangenen Jahr rund 4,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen.

Dem Finanzausschuss-Mitglied Michael Roolf liegt nicht nur dieser Fakt schwer im Magen, sondern auch die Wahl des Expertenbüros. „Wir haben es hier mit einem Unternehmen zu tun, das uns vor 23 Monaten etwas völlig anderes erzählt hat, als es uns heute erzählt. Wie kann man mit einem Unternehmen noch glaubwürdig zusammenarbeiten, das uns schon einmal in eine Richtung geführt hat mit einem desaströsen Ergebnis?“, so Roolf.

Roland Finke verteidigte die Entscheidung, an dem Büro festzuhalten und verwies auf eine so genannte Einschwingphase, die mitunter erst nach Jahren zum Erfolg führen könne und auch Fahrplanoptimierungen enthalte. Schwarz auf Weiß sei dies in einer Modellbeschreibung nachzulesen.

Apropos nachlesen: Für Busfahrgäste soll das neue Tarifwerk übersichtlicher und transparenter werden. Dabei geplant ist auch, dass die Mindestpreisstufe künftig bereits zwei Tarifzonen umfasst. Darüber hinaus soll ein Sozialtarif für Menschen mit geringem Einkommen angeboten werden. Diese Monatskarte könnte zum Preis von 40, 76 und 80 Euro erhältlich sein – je nach Entfernung. Der Linken-Politiker Thomas Konieczny hält diesen Sozialtarif allerdings für viele Hartz-IV-Empfänger als nicht bezahlbar. Ihnen stehen laut Regelbedarf 25,77 Euro pro Monat zu, um mobil zu sein.

 

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erstellt am 20.Apr.2017 | 05:00 Uhr

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