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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 09:59 Uhr

Abschied : Busfahrer sattelt um und wird Kutscher

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Nach 42 Jahren geht Wilhelm Böttcher in den Ruhestand

Auf die Frage, wie es ihm geht, antwortet Wilhelm Böttcher wie aus der Pistole geschossen: „Schlecht.“ Nicht dass er krank wäre, im Gegenteil „Ich bin fit und gesund.“ Aber das macht es nur noch schlimmer. Was Böttcher bevorsteht, ist das Rentnerdasein.

Draußen ist es noch dunkel, hinter ihm füllen Kinder die Sitzreihen. Für Böttcher der letzte Tag seines Arbeitslebens. Ein Abschied, vor dem er sich immer gefürchtet hat. Ein letztes Mal fährt er seine Stammtour zwischen Bentin und Gadebusch.

Drei Generationen Schüler hat er hier sicher zur Schule gebracht, konnte jeden Streit schlichten. „Alles Gute, Herr Böttcher“ rufen sie ihm beim Aussteigen zu. „Dies ist der schwerste Tag meines Lebens.“

Er war 21, als er dem Betonbauer-Handwerk den Rücken kehrte. Seither saß er hinter dem Lenkrad, genau 42 Jahre und vier Monate lang. „Das war mein Lebensglück, diese vielen Kinderaugen, der Trubel, die Verantwortung für sie.“ Bei Wind und Wetter, früher auf oft schlechten Straßen. „Manchmal hatte nur der Bus Platz.“ Feierabend war erst, wenn der Bus startbereit für die nächste Tour vor dem Haus stand. „Es gab keine Werkstatt, wir mussten alles selbst machen.“ Auch Ersatzfahrzeuge gab es kaum. Abends nahm er den Bus mit nach Hause. „Aber das ist schon länger nicht mehr so.“ Anfangs war es ein Robur LO, am Ende liefert er einen modernen Setra Großbus auf dem Betriebshof ab.

In den vielen Jahren seiner Betriebszugehörigkeit gab es keinen Unfall. „Höchstens mal ein paar Kratzer im Lack“, erinnert sich der Freizeit-Landwirt, der nebenbei Haflinger züchtet, Schafe, Hühner und Enten hält. „Um sie und vor allem um meine kranke Frau kann ich mich jetzt mehr kümmern. Außerdem will ich unbedingt Kutsche fahren lernen.“ Immer nach vorne sehen, auch wenn es noch so schwer fällt, sei sein Lebensprinzip, sagt der Mecklenburger, Vater von vier Kindern und Großvater von sieben Enkeln, der noch heute die Hofstelle seines Vaters bewirtschaftet.

Humorvoll, immer freundlich, hilfsbereit: Das sind die Eigenschaften, mit denen Kollegen Böttcher beschreiben, viele von ihnen arbeiteten Jahrzehnte mit ihm zusammen. Einer von ihnen ist Ralf Kaltenschnee, seit 27 Jahren Kollege von Wilhelm Böttcher. „Er ist der netteste Kollege, den man sich nur wünschen kann. Wir haben so viel gelacht. Wilhelm ist nicht zu ersetzen.“ Und weil er so beliebt war, bekam er durch den Regisseur Detlev Buck die Rolle des Busfahrers in dem Jugendfilm-Klassiker „Hände weg von Mississippi“ und durfte in einem Werbespot für den Norden werben. „Das waren tolle Erlebnisse.“ Ganz unauffällig sollte der Abschied sein, ein kleines Frühstück unter Kollegen, mehr nicht. Dann wurde es doch ein Abschied in allen Ehren. Mit Geschenken und Reden und einem Konzert von Schweriner Kollegen. Die Tränen ließen sich dann schließlich nicht mehr zurückhalten.  


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