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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 23:24 Uhr

Warnstreik : Busfahrer legten Nahverkehr lahm

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Trotz der Arbeitsniederlegung bei der Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH traten Zwölftklässler pünktlich zu Mathe-Prüfungen an

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erstellt am 29.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Das ganz große Chaos blieb aus, ein gehöriges Durcheinander gab es wegen der Warnstreiks bei der Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH im öffentlichen Personennahverkehr aber dennoch. Die große Frage „Fahren die Busse oder aber nicht, und wenn ja, welche?“ stellten sich auch viele Schüler und deren Eltern sowie insbesondere die Zwölftklässler an den Gymnasien des Landkreises. Denn die hatten Freitag ihre schriftlichen Mathe-Prüfungen auf dem Zettel.

Eine Tatsache, die auch bei Kerstin Weiss als Gesellschaftervertreterin der kommunalen Nahbus GmbH zu Unmut führte. Die Gewerkschaft ver.di hätte den Warnstreik nicht nur sehr kurzfristig, sondern darüber hinaus auch noch an einem Abiturprüfungstag durchgeführt. „Das ist für uns völlig unverständlich. Wir halten das – gerade mit Blick auf die Abiturienten – für unverantwortlich“, erklärte die Landrätin. Die Durchführung des Streiks sei für die Verwaltungschefin auch deshalb unverständlich, da in den Tarifverhandlungen aus ihrer Sicht mit Ausnahme von drei Punkten in vielen Bereichen Einigungen erzielt werden konnten.

Ein wesentlicher Punkt für von Nahbus angestrebte Nachverhandlungen sei die Frage eines vom Arbeitgeber zu zahlenden Krankengeldzuschusses. Zwar gibt es eine solche Bezuschussung für die Beschäftigten der Kreisverwaltung, allerdings nicht für die Nahbus-Mitarbeiter. Nach Aussage von Kerstin Weiss indes gehe die Bezuschussung aus dem Spartentarifvertrag Nahverkehrsbetriebe über die in der Kreisverwaltung hinaus. Um dieser Ungleichbehandlung entgegenzuwirken, sei dieser Punkt nachzuverhandeln.

Naturgemäß sehen die Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di das ganz anders. Nach deren Aussagen sollen tariflich bestehende soziale Regelungen bei Nahbus auf das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß zurückgefahren werden. Die geforderten Nachverhandlungen seien für ver.di deshalb nicht hinnehmbar.

Ein Streit, den gestern erstmals die potenziellen Fahrgäste ausbaden mussten und der zumindest für die Mathe-Prüflinge der Region ohne Folgen blieb. Denn sowohl am Gymnasium in Gadebusch als auch in Schönberg traten alle Zwölftklässler pünktlich zu ihren Prüfungen an. „Die meisten kommen ohnehin mit Auto oder Motorrad, die wenigsten mit dem ÖPNV“, sagt Ingolf Litzner. Lediglich auf die Schüler der anderen Klassenstufen habe sich der Warnstreik ausgewirkt. „Von 380 Schülern in den Klassenstufen 7 bis 10 kamen nur 80 in die Schule, einige komischerweise sogar mit dem Bus“, so der Gadebuscher Schulleiter weiter.

Tatsächlich blieben nicht alle Busse in den Depots. „Ich befinde mich noch in der Probezeit, bin alleinstehend und habe niemanden, der meine Verbindlichkeiten bezahlt. Ich brauche diesen Job, den will ich nicht aufs Spiel setzen“, sagt beispielsweise ein 48-jähriger Busfahrer, der zuvor 24 Jahre in einem anderen Unternehmen beschäftigt war und sich im Streit von seinem früheren Arbeitgeber getrennt hatte. Ein prägendes Erlebnis, auf das der Mann aus der Nähe von Gadebusch bei seinem beruflichen Neuanfang lieber verzichten möchte.

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