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Gadebuscher Busunternehmer Wolfgang Flaegel : Bus weg nach dem Kneipenbesuch

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Es ist das Jahr 1992. Der Gadebuscher Wolfgang Flaegel ist mit einem Kleinbus nach Polen in die Masuren gefahren, wohin seine acht Gäste einen Ausflug gebucht haben. Zum Abschluss geht es noch einmal in die Piwnica.

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erstellt am 09.Mär.2012 | 07:56 Uhr

Gadebusch | Es ist das Jahr 1992. Der Gadebuscher Wolfgang Flaegel ist mit einem Kleinbus nach Polen in die Masuren gefahren, wohin seine acht Gäste einen Ausflug gebucht haben. Zum Abschluss geht es noch einmal in die Piwnica, eine kleine Kneipe. Bevor die mehrstündige Rückreise ansteht, wollen sich alle noch stärken. Doch das Essen erhält einen bitteren Beigeschmack, als alle wieder in den Bus steigen wollen, um nach Gadebusch zu fahren: Das Fahrzeug ist nicht mehr da, geklaut. Doch Flaegel bleibt ruhig, organisiert alles, ruft in Gadebusch bei seinem Angestellten an und lässt sich und die Gäste einen Tag später abholen.

Fünf Jahre später erhält der Busunternehmer einen Anruf, er ist gerade in Spanien unterwegs. Sein damals in Polen gestohlenes Fahrzeug sei gefunden worden, Russen wollten damit in Polen Diesel klauen und seien erwischt worden. Trotz ausgestanzter Fahrgestellnummer ist der Bus als der von Wolfgang Flaegel identifiziert worden. Der macht seine Spanien-Reise mit den Gästen zu Ende und fährt über Gadebusch direkt nach Polen, wieder in die Masuren, um seinen Bus abzuholen. Doch die Odyssee geht weiter, denn die polnische Polizei gibt den Bus aufgrund ungeklärter Besitzverhältnisse nicht zurück. Erst vier Wochen später, im zweiten Anlauf gelingt das - und Flaegel hat einen völlig verwahrlosten, fünf Jahre älteren Bus zurück, für den die Versicherung nicht zahlte. "Mein Angestellter hat ihn dann fertig gemacht und neu aufgebaut", erklärt Wolfgang Flaegel, der mittlerweile auf eine 42-jährige "Busfahrer-Karriere" zurückblicken kann.

Angefangen hatte der heute 62-Jährige als Melker, doch schnell stand für ihn fest, dass das nicht sein Wunschberuf ist. Nach einem Großmaschinenlehrgang fährt er wenig später den ersten Lkw und dann den ersten Bus. 1974 bringt der Gadebuscher für das westdeutsche Unternehmen Neckermann Schiffsreisende von Rostock nach Berlin. Erst eine typische DDR-Aktion beendet das. "Wir durften natürlich kein Westgeld annehmen, keine Kaugummis von den Gästen kauen oder Zigaretten behalten. Doch letzteres wurde mir als Nichtraucher zum Verhängnis", so der 62-Jährige. Denn die Reisenden meinten es gut und legten dem Busfahrer die Zigaretten einfach vorne in die Nähe des Lenkrades. Das sah ein "aufmerksamer Reisebegleiter" und hatte nichts eiligeres zu tun, als den verdreht dargestellten Umstand weiter zu tragen. Flaegel wurden die Transfers vom Hafen ab sofort verboten und er wurde ins Büro verbannt. Nach seiner Meisterausbildung war für ihn mit der Wende klar, dass das mittlerweile wieder aufgenommene Busfahren sein täglicher Brötchenerwerb werden sollte und so machte sich der leidenschaftliche Busfahrer 1990 selbstständig - erst mit einem Taxi, dann baute er sich sein Unternehmen weiter aus, so dass jetzt vier große Busse, drei kleine Busse, vier Taxen und drei Mietwagen zur Firma gehören.

Nicht immer hat der leidenschaftliche Busfahrer dabei ruhige Touren erlebt. "Das schlimmste waren einmal Fußballer aus Bad Schwartau. Die habe ich nach Amsterdam gebracht. Die haben mir den ganzen Bus kaputt gemacht, weil sie so besoffen waren, schon als sie einstiegen. Die Sitze wurden rausgerissen, die Decke aufgeschlitzt und Dinge gemacht, von denen ich hier lieber nichts sagen will", so Wolfgang Flaegel.

Schmunzeln hingegen konnte er bei einer vor Jahren organisierten Fahrt mit Roggendorfer Fußballern nach Polen. Auf dem Programm stand ein "Festessen". "Alle haben sich gefreut. Doch es gab eine Suppe und ein Stück Brot. Da haben wir nicht schlecht geguckt", so der Busunternehmer.

Noch bis 2016 möchte er seinen Beruf ausüben. Dann könnte die nächste Generation das Steuer übernehmen und seine Tochter und sein Sohn die Firma weiter führen.

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