Rehna : Bürger wegen Linden auf der Palme

Jährlich nimmt die Blattmasse der Bäume zu, werfen sie mehr Schatten, verklebt ihr Mehltau alles in der Umgebung.
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Jährlich nimmt die Blattmasse der Bäume zu, werfen sie mehr Schatten, verklebt ihr Mehltau alles in der Umgebung.

Mehr als zwei Jahre kämpfen die Anwohner im Radegastweg gegen neu angelegte Allee.

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20. November 2017, 21:00 Uhr

Das Kind ist in den Brunnen gefallen und niemand will es da wieder rausholen – so zumindest das Gefühl der 13 Eigenheimbesitzer im Radegastweg im Rehnaer Ortsteil Nesow. „Das ist doch unmöglich, dass die uns damals diese Bäume einfach vor die Nase gesetzt haben und wir nun mit den Folgen leben müssen“, ist Rita Tuttlies empört. Sie müsse nun sogar im Sommer am Tage Licht in der Wohnstube machen, so viel Schatten werfe mittlerweile die Linde vor ihrem Haus, so die 79-Jährige.

Mitte der 1990er-Jahre wurden beidseits dieser Kommunalstraße 20 Sommerlinden gepflanzt – gegen den Willen der Anwohner. Nur etwa einen Meter von ihren Grundstücken entfernt stehen nun diese starkwüchsigen Bäume – und dann noch direkt auf einer Erdgasleitung. Die Probleme, die durch diese Linden verursacht werden, sind von den Eigenheimbesitzern kaum noch zu bewältigen. Sie fühlen sich von Politik und Verwaltung verraten und verkauft. „Wir haben uns mit Eingaben und Beschwerden an den Bürgermeister, die Stadt- und Amtsverwaltung, den Kreis, an Baumgutachter, den Bürgerbeauftragten Crone, ja sogar den damaligen Ministerpräsidenten Sellering gewandt – ohne Erfolg, keiner konnte oder besser gesagt wollte uns helfen“, erzählt Siegfried Gronski. Der 67-Jährige ist der Jüngste unter den ansonsten zwischen Ende siebzig bis Anfang neunzig Jahre alten Anwohnern und kämpft auch in ihrem Namen. „Wissen Sie, wenn hier schon Bäume gestanden hätten. Aber hier war nichts, bis auf die fünf, etwa 200 Jahre alten Linden direkt vorn an der B 104. Fast alle Häuser aber stehen bereits seit Mitte der 1970er-Jahre“, sagt Gronski.

Trotz der bereits damals klar geäußerten Ablehnung fast aller Bewohner der Straße gegen die Linden, wurden diese nach Gemeindebeschluss gepflanzt – auf beiden Seiten, obwohl laut Unterlagen das nur auf einer Seite vorgesehen war. Dadurch ist der Radegastweg nun zu einer schützenswerten Allee geworden. Auch der Vorstoß aus dem Jahr 2015, die Bäume wegen einer eventuellen Gefährdung der in unmittelbarer Nähe verlaufenden Erdgasleitung durch Wurzeln zu fällen, blieb erfolglos. „Für uns ist die Sache eigentlich damit erledigt“, sagt Hauptamtsleiter Bernd Karnatz auf Nachfrage der SVZ. Allerdings sei man gerne bereit, bei einem neuerlichen Vorstoß der Bürger in dieser Sache, tätig zu werden.

Das könnte durchaus der Fall sein: Laut Aussge von Katharina Dujesiefken, Baum- und Alleenschutz-Beauftragte des BUND bestünde durchaus die Möglichkeit, diese Allee wieder zu beseitigen. „Es müsste ein Befreiungsantrag an die zuständige Behörde gestellt werden“, erklärt die Agraringenieurin. Hier hätte das die Stadt Rehna zu entscheiden. Es war und ist also eine rein politische Frage. Die Anwohner wünschen sich nun in dieser Frage auch Unterstützung von Landrätin Kerstin Weiss.

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