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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

20. November 2017 | 16:45 Uhr

Windpark : Bürger vermissen Mitspracherecht

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Windparkplanungen weiter Thema in Gadebusch. Eignungsgebiet Goddin womöglich zu klein

von
erstellt am 21.Mai.2015 | 00:00 Uhr

Gadebusch Eine Region unter Wind: In Westmecklenburg lieben die Menschen  den kühlenden Sommerwind, aber nicht die damit angetriebenen Windkraftanlagen.  Mögliche Standorte für Windräder  lotet derzeit der Regionale Planungsverband Westmecklenburg aus. Konkret sind   Flächen bei Stöllnitz, Goddin und Groß Welzin im Gespräch.  Dagegen laufen zahlreiche Bürger Sturm. Für  Sabine Dallmeier- Peschke  aus  Groß Salitz  steht dies in Zusammenhang mit  dem  geringen Mitspracherecht der Bürger: „Wir dürfen gestalten, aber nicht sagen, ob wir die Anlagen wollen oder nicht.“ Ein Widerspruch, wie Gadebuschs Amtsleiter Andreas Lausen betont: „Vor zwei Jahren teilte der Planungsverband in seiner Broschüre noch mit, dass  Gemeinden die Planungen ablehnen können,  und dann von einer Ausweisung abgesehen werde.“

Geblieben sind Beteiligungs-, Ausgleichs- und Anhörungsverfahren. Es sei aber enorm wichtig, dass sich Gemeinden und Bürger dennoch aktiv beteiligen, betont Iris Brincker. Sie referierte auf Einladung   des Amtes Gadebusch und der Fraktion Die Linke der Stadtvertretung Gadebusch zum Thema Ausweisung von Eignungsgebieten am Dienstagabend im Rathaus. 

Rund 40 Bürger   beteiligten sich an einer sachlichen Debatte, die Fakten über Auswahl- und Ausschlusskriterien  vor dem Hintergrund aktueller Gesetzgebung gab. Zum Inhalt  gehörten die Abstandsregelungen zu Wohnbebauungen und die Auswirkung von  Lebensräumen für Großvögel  wie  Seeadler, Rotmilan, Störche sowie Tourismusschwerpunkträume und deren besondere Berücksichtigung.

Silke Hansen von der Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“ wünscht sich  allerdings auch klare Regelungen im Sine der hier lebenden Menschen. Diese beinhalten einen Abstand – Höhe mal Zehn –   zu Wohnhäusern.  Allein solche  Vorgaben reduzieren die Eignungsräume, meint Hansen und  gibt sich motiviert,  mit der Interessengemeinschaft  Freier  Horizonte  ein „Volksbegehren herbeizuführen“. Hansen: „Die Unterschriftenlisten liegen aus. Wer möchte kann sich  eintragen.“ Eine schriftliche Beteiligung erwartet  der Planungsverband  Westmecklenburg ebenso von den Kommunen.  „Möglich ist das bis zum  5. Juni, anschließend beginnt  das öffentliche Verfahren“, sagt Iris  Brincker.

Tipps zum Verfahren gab  als Gast Heiko Böhringer aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim: „Ihr müsst schauen,  was bei  euch kreucht und fleucht.“  Aussagen über Tiere, Pflanzen und Biotope seien wichtig. Die Menschen vor Ort müssten solche  Daten sammeln.   Diese würden bei  einer Bewertung der Eignungsflächen  einfließen.  Er lobte  das Gadebuscher  Informationsangebot. In seinem Landkreis  vermisse er derartige Veranstaltungen.

Für Fakten statt Polemik spricht sich auch Andreas Lausen aus:  „In unserem Amtsgebiet gibt es drei Windeignungsgebiete. Gadebusch wurde im Jahr 2000 beplant. In Goddin-Webelsfelde sind aktuell  72 Hektar ausgewiesen. Durch den Bau von Wohnhäusern lässt sich der geforderte 1000-Meter-Abstand nicht einhalten“, so Lausen.  Das hat Auswirkung auf die Mindestgröße eines Windeignungsgebietes: „35 Hektar sind erforderlich“, so Lausen. Dies werde nach aktueller Einschätzung unterschritten.  Eine entsprechende Stellungnahme  der Gemeinden Mühlen Eichen und Veelböken  liege dem Ministerium in Schwerin vor.

 Unter gleichen Kriterien wird eine Bewertung des Gebietes  bei Stöllnitz angestrebt. Lausen: „Uns läuft die Zeit weg. Die Gemeinde Krembz hat dazu noch nicht getagt.“ Darüber hinaus erwarten die Bürger eine klare Positionierung des Amtes für das Biosphärenreservat Schaalsee. Dies sei zwar nicht direkt betroffen, würde im Falle eines neuen Windparks bei Stöllnitz   jedoch keine Tourismus fördernde „Leuchttürme“   erhalten, so    die  Bürger.

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