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Gadebusch : Bürger gedenken NS-Opfern und nennen Täter aus der Nachbarschaft beim Namen

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal haben Bürger der Stadt Gadebusch der Opfer des nationalsozialistischen Terrors während des Dritten Reichs gedacht.

Mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal haben Vertreter und Bürger der Stadt sowie Kommunen des Amtes Gadebusch der Opfer des nationalsozialistischen Terrors während des Dritten Reichs gedacht. Dabei ging Andreas Lausen vom Amt Gadebusch auch auf einen Täter ein, der aus der unmittelbaren Nachbarschaft stammt: Johann von Leers aus Vietlübbe, Sohn eines adligen Gutsbesitzers.

Der 1902 geborene von Leers studierte Rechtswissenschaft, übernahm in den 1920-Jahren die Gutshöfe Vietlübbe und Schönfeld, die später allerdings zwangsversteigert wurden. „Von da an hasste er Juden, denen er die Schuld an seinem Verlust gab. Bei all seinen Geschäften hatte er aber nie mit Juden zu tun“, sagte Lausen.

Von Leers trat der SA bei, wechselte zur SS und machte Karriere. Er wurde im Auswärtigen Amt in Berlin eingestellt, ging später als Referent für Antisemitismus ins „Hauptamt für Rasse und Siedlung“.

Von Leers sei ein reiner Schreibtischtäter gewesen. Er wirkte mit bei den „Nürnberger Gesetzen“, die die juristische Grundlage für die Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands bildeten. Und: Er verfasste zahlreiche Bücher und Schriften. „Diese dienten den Nazis und vielen anderen Leuten dazu, dass man Juden ausrotten müsste“, machte Lausen klar.

Nach Kriegsende wurde von Leers zwar verhaftet, konnte aber flüchten und landete auf Umwegen in Argentinien. Jahrzehnte später floh er nach Ägypten, wurde Propagandachef und agierte gegen Israel. „Er konnte sein ganzes Leben lang – ob in Nazi-Deutschland, Argentinien oder Ägypten – seiner fanatischen antijüdischen Hetze treu bleiben“, so Lausen.

Es gab auch einen anderen von Leers – mit Vornamen Mathias. Dieser wollte während der Nazizeit im Gegensatz zu seinem Bruder katholischer Priester werden. Er geriet während seiner Ausbildung ins Visier der Gestapo und kam ins Konzentrationslager Dachau. Mathias von Leers erkrankte dort und starb an den Folgen der einjährigen Lagerhaft.

Der 27. Juni ist seit 1996 nationaler und seit 2005 weltweiter Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die wenigen Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz, des größten Vernichtungslagers der deutschen Nazi-Herrschaft.

 

 

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erstellt am 27.Jan.2014 | 21:30 Uhr

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