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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 15:20 Uhr

Wismar : Buchtranger geht in Winterpause

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Jürgen Weigel hat 58 Kontrollfahrten auf der Ostsee absolviert und wertet nun Beobachtungen und Vorkommnisse aus

Der knallrote Rumpf steht zwar versteckt zwischen den anderen Booten auf dem Trockenen, ist aber leicht zu entdecken. Denn das Logo „Regionalvereinigung Segeln Wismarbucht“, welches das Fahrzeug als das des Buchtrangers ausweist, ist noch nicht verhüllt. Grund: Jürgen Weigel, in dieser Funktion tätig, nutzt die letzten Momente zwischen den Sturm- und Regenpausen für das Winterfestmachen.

Mit einem groben Schwamm fährt er über einige besonders markante Stellen am Rumpf. „Das erleichtert im Frühjahr den frischen Unterwasseranstrich“, erklärt er beim Schrubben. Der Befund zum Saisonende: Zustand vom Rumpf, Propeller und Ruderblatt sind noch sehr gut.

Während andere Boote längst auf dem Trockenen stehen, gehörte er zu den letzten Aktiven auf dem Wasser. „Da es mit den Herbstferien bei schönem Wetter etliche Wassertouristen an unsere Küste zog, bin auch ich noch mit draußen geblieben“, erklärte er die Saisonverlängerung mit dem Boot. Damit stehen zum Ende der Buchtrangersaison in seinen Bordprotokollen 58 Boots-Kontrollfahrten zu Buche. Zudem hat er zusätzlich „über Land“ zwölf Mal besonders sensible Küstenstreifen in ausgewiesenen Schutzbereichen der Wismarbucht und des Salzhaffs kontrolliert. „Jetzt ist endlich Zeit für die Hausaufgaben“, so Weigel im spaßigen Unterton. Konkret bedeutet dies die Auswertung sämtlicher Beobachtungen und Vorkommnisse einschließlich zahlreicher Fotos. Hinzu kommt ein umfangreiches Bildmaterial von 25 Befliegungen, sprich Luftaufnahmen im Einsatzgebiet. Das allein sind schon mehrere 1000 Datensätze.

Den umfangreichen Abschlussbericht erhält anschließend die Ostsee-Stiftung, als Projektförderer der letzten beiden Jahre. Ebenso erhält das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) die Ergebnisse. Dem liegt inzwischen ein Angebot der Regionalvereinigung Segeln Wismarbucht (RVS) über die weitere Finanzierung des Projektes für die Jahre 2016 bis 2018 vor.

Ohne dem Bericht vorgreifen zu wollen, nennt er schon mal etwas Positives. Im Beobachtungsgebiet Wohlenberger Wiek, zu der auch die Sandbankinsel Lieps gehört, gab es von ihm keine bemerkten Verstöße im Sinne des seit zehn Jahren bestehenden freiwilligen Vertrages zum Schutz der Wismarbucht. Dass es dennoch zu Nichteinhaltungen der von inzwischen 36 Vertragsunterzeichnern getragenen Übereinkunft kam, schließt er dennoch nicht aus. Dies treffe leider nach wie vor für sensible Gebiete vor Roggow im Salzhaff, vor Rerik, sowie für Gebiete des Boiensdorfer Werder, Kieler Ort, den so genannten Sandhaken als Landspitze der Halbinsel Wustrow und der Insel Langenwerder zu.

Als angenehm empfand er die letzte Kontrollfahrt der Saison in Begleitung von sechs Mitgliedern des Vogelschutzvereins Langenwerder. Nach einem Arbeitseinsatz der ehrenamtlichen Vogelwarte auf der Insel Walfisch nahmen diese den Vorschlag des Buchtrangers zu einer gemeinsamen Kontrollfahrt entlang des Faulen Sees bis zur Sandbank Lieps in der Wohlenberger Wiek gerne an. Neben Scharen an Kormoranen war es erfreulich, dort unter anderem den Großen Brachvogel zu entdecken, dazu Eiderenten, die verschiedensten Möwenarten, Höckerschwäne und mehr. „Drei Seehunde vor der Sandbank machten das Beobachterglück noch perfekt“, geriet der einstige Frachtschiff-Fahrensmann richtig ins Schwärmen. Sein Fazit: „So viel Fachkompetenz von Ornithologen in einem Boot hat man selten und mir hat es zudem meinen eigenen Wissensstand erheblich erweitert.“

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