Kneese : Brennerei entsteht in Mosterei

Noch ist die Destilleversteckt, bald brennen hier Jochen Schwarz und Thomas Wendik.
Noch ist die Destilleversteckt, bald brennen hier Jochen Schwarz und Thomas Wendik.

Jochen Schwarz gibt am Sonntag Einblicke in den neuen Hofladen und die Destille in Kneese

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15. August 2019, 12:00 Uhr

Noch steht das Baugerüst. Die Fassade mit den charakteristischen Rundbögen über den Fenstern des Bauernhauses von 1905 sind originalgetreu hergerichtet. Im Inneren herrscht aber noch Baustelle. Hier in der Mosterei Kneese entstehen Brennerei und Hofladen. Ganz pünktlich zum Hoffest wird Jochen Schwarz nicht fertig werden. An diesem Sonntag feiert der Moster ihr zehnjähriges Bestehen, und am Dienstag beginnt die Mostsaison.

Angefangen hat es 2007 mit einer Anzeige im Hamburger Abendblatt. Jochen Schwarz, Systementwickler bei Siemens in Hamburg, suchte mit seiner Familie nach einem Feriengrundstück auf dem Land. Das inserierte Bauernhaus war ihnen dann aber doch zu groß. Kurzerhand kauften sie das Gebäude gegenüber. „Es war eigentlich abrissreif“, erinnert sich der 62-Jährige. Die Familie sanierte und zog ein, und kaufte im Jahr darauf doch das Bauernhaus. „Ich war eigentlich nur scharf auf die Obstwiese“, erzählt Schwarz. Die zwei Hektar große Streuobstwiese gehört zum Anwesen. Heute sagt er: „Es war völlig unabsehbar, dass es eine Mosterei wird.“

Gemostet hatte die Familie schon längerer – als Hobby. Auch deswegen wollten die Hamburger aufs Land. „2009 haben wir das erste Mal professionell Saft gemacht“, so Schwarz. Die Saftpresse wurde umgebaut, um mehr Saft zu gewinnen. 3000 Liter. Und auch die ersten Nachbarn fragten nach, ob sie mitpressen könnten. „Das hat sich rumgesprochen. Da war klar, dass man das als Nebenerwerb machen kann“, sagt der studierte Agraringenieur. Die Familie erwarb eine Umnutzungsgenehmigung für den Hof, um gewerblich mosten zu dürfen. Das lief so gut an, so dass Schwarz sich 2012 selbstständig machte. Seine Frau doziert aber weiterhin in Hamburg, der 62-Jährige ist viel in Kneese. Hier habe er alles, was ihm Spaß mache: Gartenarbeit, Programmieren der Mosterei-Software und Wissenschaft. Für ein Projekt untersuchte er Flora und Fauna, sogar Prof. Michael Succow war mit Studenten zu Besuch.

Das Mosten ist in der Region beliebt. „2015 und 2016 waren die stürmischen Jahre. Die Leute haben mit dem Auto auf der Straße Schlange gestanden“, sagt Schwarz. So baute er 2017 das Bauernhaus als Mosterei aus. „Bis zur Mostereisaison 2017 waren wir fertig und dann kamen keine Äpfel“, denn es war ein an Äpfeln armes Jahr. „Das war ein heilsamer Schock.“ Dieser brachte ihn zum Nachdenken: Ein paar Obstbrände im Keller wären eine gute Absicherung. Die Idee einer Brennerei reifte, welche er nun als Kooperationsprojekt mit Möckel Most aus Lübseerhagen umsetzt. Zugleich begann er Bier zu brauen, um ganzjährig etwas verkaufen zu können, und er entdeckte Tee für sich. „Den Teehersteller habe ich im ICE kennengelernt. Kurz vor Hamburg haben wir gesagt, wir müssen etwas zusammen machen“, so Schwarz. Gerade kocht er aus Kneeser Apfelsaft die ersten sechs Sorten Eistee.

Damit die Besucher am Sonntag um 14 Uhr diesen probieren können, musste die Baustelle etwas ruhen. Brennerei und Hofladen werden nicht rechtzeitig fertig. Dafür plant Schwarz Baustellenführungen. Auch der erste Birnenbrand kann verkostet werden. Der kommt aus einer Lohnmosterei. Den eigenen Probebrand planen Jochen Schwarz und Thomas Wendik von Möckel Most in zwei Wochen: Calvados. Der Hofladen wird ab Frühjahr öffnen. Und auch danach gehts weiter: Im Obergeschoss sollen eine Bar, ein Saft-Lager sowie Schwarz’ Mosterzimmer entstehen. Denn das Ferienhaus der Familie wird seit diesem Jahr an Urlauber vermietet.

Service

Hier wird gemostet

Raiffeisenmarkt in Rehna: Annahme und Abkauf von Äpfeln ab 2. September bis 26. Oktober, montags und freitags von 8 bis 18 Uhr, sonnabends 8 bis 12 Uhr.

Mosterei Kneese in Kneese Dorf: Annahme von Äpfeln, Birnen, Quitten und Rote Beete ab 20. August, dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr, sonnabends 9 bis 16 Uhr.

Möckel Most in Lübseerhagen: Annahme von Äpfeln, Birnen und Quitten ab Anfang September bis November jeweils montags, donnerstags und sonnabends von 13 bis 18 Uhr.

Schaalsee-Mosterei in Schönwolde, OT Lützowhorst: Annahme von Äpfeln, Birnen und Quitten nach telefonischer Absprache unter 038876 / 31355.

Tropfen Kontor in Damshagen: Annahme/Abkauf von Äpfeln, Birnen, Quitten im September und Oktober montags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr

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