zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 19:10 Uhr

Wismar : Bombastisches Kunstprojekt in St. Georgen

vom

Ein Altar aus bis zu 4000 weißen, glänzenden Tüten. Jede für sich mit der Antwort eines Menschen gefüllt, aus welchem Stoff Frieden sein könnte. Das ist nur ein Aspekt des Kunstwerkes, das derzeit in Wismar entsteht.

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2012 | 10:27 Uhr

Wismar | Ein Altar aus bis zu 4000 weißen, glänzenden Tüten. Jede für sich mit der Antwort eines Menschen gefüllt, aus welchem Stoff Frieden sein könnte. Als Ganzes im Chorbereich von St. Georgen in Wismar illuminiert mit einer Beamerprojektion. Das ist nur ein Aspekt des Gesamtkunstwerkes, das derzeit in St. Georgen entsteht.

Die Künstlerin Emily Pütter arbeitet seit Mitte März an ihrem Kunstprojekt "Was ist der Stoff, aus dem der Frieden ist?" in der Kirche. "Jede Tüte birgt einen Vorschlag oder einen Wunsch, wie die Reliquien in den Schreinen oder die Wunschzettel an der Klagemauer", so die Künstlerin. Ihre Frage, mit der sie die Menschen konfrontiert, ist philosophisch. "Jeder gibt eine Minute seiner Denkzeit zur Beantwortung, das potenziert sich." Nachdenken über den Frieden mit Blick auf etwas, das eigentlich für den Krieg steht.

Denn in der Vierung der Kirche soll der Nachbau einer Bombe hängen und an das erinnern, was dort 1945 geschah. In der Nacht vom 14. zum 15. April 1945 brannte die Kirche lichterloh, nachdem britische Luftminen verheerende Treffer landeten. Jedes Jahr erinnert Wismar mit einer Gedenkveranstaltung in St. Georgen an die Zerstörung des gotischen Viertels. Dieses Jahr wird dieses Erinnern besonders intensiv erlebbar für die Menschen, die in die Kirche kommen.

Analog zum riesigen Weihrauchpendel im spanischen Santiago will die Künstlerin Emily Pütter ein Pendel in Form einer großen Bombe in die Kirche hängen. Nachempfunden der, die 1945 durchs Dach der Kirche schlug. "Aber eine Bombe des Friedens", erklärt die Künstlerin. Ein Engländer hat die Bombe mit einem friedlichen Inhalt gefüllt. Aus den Geräuschen, die ein Radio ohne eingestellten Sender macht, hat der Geräuschekünstler Michael Neil eine Klangcollage gemacht. Die wird nun aus der Bombe heraus klingen. Die Geräusche des Weltalls als Friedenssymbol statt den zerstörenden Geräuschen einer Bombe. 1945 zerstörte eine englische Fliegerbombe die Kirche, 2012 füllt ein Engländer eine Bombe mit Geräuschen aus dem Weltall. "Die menschlichen Konflikte werden letztlich überschattet von der unendlich natürlichen Ordnung unseres Kosmos, und wenn wir uns damit vergleichen, wird klar, wie klein und trivial unsere Differenzen sind", so der Musiker selbst dazu.

Der dritte Part des Kunstprojektes sind zwölf Meter lange Plastikbahnen, die Emily Pütter gestaltet hat. Einige haben Schüler der Evangelischen Schule Robert Lansemann mit ihren Fußspuren versehen. Auf anderen hat sie selbst ihre Spuren hinterlassen - Wege. Pilgerschritte. "Den ersten Schritt tun", so die Künstlerin. Derzeit muss sie die letzten praktischen Aspekte des Großprojekts lösen. Wie wird die Bombe befestigt? "Billy, die Bombe", wie das Kunstwerk nun heißt, wurde in der Lehrwerkstatt von Nordic Yards fertig gestellt, die Hängungen und Seile sponsert die Wismarer Firma "Tecklenborg Kegel".

Am Sonnabend, 14. April beginnt um 17 Uhr die Festveranstaltung zum Gedenken an der Zerstörung des Gotisches Viertels, um 18 Uhr wird das Kunstprojekt eröffnet. Mit dem Konzert der Band "Curios Egg" um 20 Uhr und deren Improvisationsmusik entfalten sich alle Elemente zu einer Klang-Erfahrung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen