Gadebusch : Blütenteppich für den Herbstgarten

„Bei manch fallender Blüte regt sich manchmal dann doch Mitleid“, so Hajo Kahl.
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„Bei manch fallender Blüte regt sich manchmal dann doch Mitleid“, so Hajo Kahl.

Herbst-Alpenveilchen können blühend im Herbst gepflanzt werden und sorgen für einen Hauch von Frühling

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22. September 2017, 21:00 Uhr

Eigentlich hatte ich mich schon damit abgefunden, dass auf dem Kastanienhof Herbst-Alpenveilchen keine Überlebenschance haben. Ich hatte die kleinen Herbstblüher, die sich hervorragend als winterliche Bodendecker eignen, vor vielen Jahren in ein schattiges Beet direkt neben unserer Auffahrt gepflanzt. In rosa, weiß und hellrot leuchteten damals die zarten Blüten unter unseren alten Kastanien.

Nach und nach erschienen auch rundliche, an Efeu erinnernde Blätter an fleischigen Stielen, so dass ich der festen Überzeugung war, dass sich die Neuankömmlinge in unserem Garten wohlfühlen. Damals träumte ich von einem riesigen Blütenteppich, der sich unter unseren Kastanien ausbreiten sollte. Ähnliches hatte ich vor Jahren bei einem Herbsturlaub in der italienischen Toskana gesehen hatte. Seitdem war ich in einem regelrechten Alpenveilchen-Wahn.

Leider kam es anders als geträumt. In den Folgejahren reduzierte sich mein erträumter Blütenteppich erst auf die Größe einer Fußmatte, dann auf Waschlappen-Größe und letztendlich auf vereinzelte Blüten, die eher an Teppichflusen als an einen floralen Fußbodenbelag erinnerten. Warum sie sich bei uns nicht wohlfühlten kann ich nicht sagen, auf jeden Fall wollten sie nicht zu einem Blütenteppich unter unseren Kastanien werden. Ich habe schon überlegt, ob sie vielleicht zu einem fliegenden Teppich geworden sind und sich einfach durch die Luft davon gemacht haben.

Fakt ist, sie waren über Jahre verschwunden, bis jetzt! Nun stehen wieder ganz vereinzelt Herbst-Alpenveilchen mit zarten Blütenköpfen dicht an einer Buchsbaumhecke in dem Beet neben unserer Auffahrt. Wahrscheinlich sind es Nachkommen von meinem fliegenden Teppich, die einige Jahre Entwicklungszeit bis zur Blühfähigkeit brauchten.

Herbst-Alpenveilchen (Cyclamen Hederifolium) sind eigentlich ziemlich robust. Lediglich an den Boden stellen sie Ansprüche. Nass, moorig und sauer darf er nicht sein. Sie lieben einen kalkhaltigen, lehmig-sandigen Boden, der im Sommer abtrocknet. Die Knollen, die an kleine Vulkane oder Ufos im Kartoffelschalen-Mantel erinnern, treiben ab September ihre zarten Blütenstängel aus, die sich oft bis in den November halten.

Die efeuähnlichen Blätter, deshalb auch der Name „Hederifolium“, was soviel wie efeublättrig heißt, erscheinen nach der Blüte und überdauern den Winter und schmücken den Winterboden mit ihrem dunklen Grün. Erst im Frühjahr ziehen sie ein. Dann ist die ganze Pflanze oberirdisch verschwunden und hält eine Art Sommerschlaf nur die Knolle überdauert diese Ruhephase.
Herbst-Alpenveilchen können im Frühhjahr als Knolle oder im Herbst blühend gepflanzt werden. Ich finde die Herbstpflanzung besser, weil ich die Pflanzen sehen kann und das Arrangieren einfacher ist.

Der Fachhandel bietet die Gewächse weiß, rosa, magentafarben und hellrot blühend an. Die Pflanzen kommen in flache Mulden, gerade so tief, dass man die Knolle etwas mit Erde bedecken kann. Dann wird vorsichtig angegossen. Es hat sich außerdem bewährt, die Pflanze mit etwas Herbstlaub abzudecken. Dies bietet den empfindlichen Wurzeln zusätzlichen Schutz. Sie treiben nämlich, anders als bei den meisten anderen Knollenpflanzen, wie die Blätter und Blüten aus der Oberseite der Knolle aus.

Wenn dann alles gut geht, entsteht im Laufe der Jahre ein ganzer Blütenteppich, der mit seinen zarten Blüten grauen Herbsttagen einen Hauch von Frühling verleiht.

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