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Weniger Unfälle in und um Lüdersdorf : Blaulicht hilft gegen Wildunfälle

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Blaue Reflektoren an Leitpfosten scheinen Wild von den Straßen fern zu halten und die Unfallgefahr zu senken. Die Unfälle in und um Lüdersdorf sind im vergangenen Jagdjahr deutlich zurückgegangen.

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erstellt am 17.Apr.2013 | 11:20 Uhr

Dragun/Lüdersdorf | Blaue Reflektoren an Leitpfosten scheinen Wild von den Straßen fern zu halten und somit die Unfallgefahr zu senken. Zu diesem Schluss kommt Hermann Kielhorn, Leiter des Hegerings Lüdersdorf. "Wir denken, dass sich der Anbau gelohnt hat" so Kielhorn. Denn die Unfälle in und um Lüdersdorf sind im vergangenen Jagdjahr deutlich zurückgegangen - um rund ein Drittel. "Mit Rehwild gab es 30 Unfälle", sagt Hermann Kielhorn. Im Jahr davor waren es noch 45.

Vor gut zwölf Monaten haben Kielhorn und Mitglieder des Hegerings rund 600 Reflektoren (pro Stück fünf Euro) gekauft. Teilweise brachten die Jäger die Reflektoren auch selbst an. An Landes- und Kreisstraßen hatten sie Hilfe durch das Straßenbauamt.

Kreisjagdmeister Ralf Siewert aus Dragun begrüßt die Aktion: "Das ist sicher sinnvoll. Die Zahl der Unfälle ist hier zurückgegangen und auch das Unfallwild ist weniger geworden." Nicht nur in Lüdersdorf sind im vergangenen Jahr solche Reflektoren angebracht worden. Auch im Lützower Bereich, in Gägelow, Bad Kleinen und Dorf Mecklenburg, so Siewert. "Aber da wird man nächstes Jahr erst genauere Zahlen haben."

Wissenschaftliche Tests haben bewiesen, dass die Farbe Blau das Wild besonders ängstigen. Die Reflektoren sollen Rehe und Wildschweine so abschrecken, dass sie nicht unvermittelt auf die Straße laufen und für Unfälle sorgen. Bei einem Autounfall kann ein 20 Kilogramm schweres Reh zu einem wahren Geschoss werden - von bis zu einer halben Tonne, wenn der Autofahrer es mit Tempo 100 erwischt, so das Ergebnis von Tests. Wie effektiv die blauen Reflektoren allerdings auf Dauer sind, sei noch unklar, meint Hermann Kielhorn. Genauso wie die hundertprozentige Antwort auf die Frage, ob der Rückgang der Wildunfälle in Lüdersdorf tatsächlich durch die Reflektoren begründet ist. "Das wird wohl erst nach einiger Zeit feststehen."

Der Hegeringleiter glaubt aber daran und hofft, dass sich das Wild nicht so schnell an die blauen Reflektoren gewöhnt. Ganz verhindern könnten sie den Wildwechsel aber nicht, weiß Kielhorn. "Wenn die Rehe in der Blattzeit liebestoll sind, gehen sie trotzdem über die Straße." Und auch bei relativ neuen Straßen wie die Umgehungsstraße in Lüdersdorf gibt es Probleme. Hier gibt es trotz der Reflektoren nach wie vor mehr Wildunfälle. Kielhorns Vermutung: "Hier benutzt das Wild immer noch die alten Wechsel."

Auch die vielen Obstbäume an den Straßen bereiten den Jägern Sorgen. Auf der Suche nach Nahrung hätten Rehe unter dem Schnee häufig nach Äpfeln an den Straßenrändern gescharrt. "Eine große Unfallgefahr", mahnt Kielhorn. Er plädiert dafür, dass in Zukunft keine Obstbäume mehr am Straßenrand gepflanzt werden. Dadurch könnte das Unfallrisiko deutlich verringert werden. Zumal es nach wie vor sehr viel Wild in und um Lüdersdorf gibt. Im vergangenen Jahr schossen die 60 Jäger des Hegerings fünfmal Rotwild, 244 Rehe und 400 Wildschweine. "Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr und auch erheblich mehr als in den Jahren seit 2000", erklärt Kielhorn. Nur im Jagdjahr 2008/2009 wurden mehr Wildschweine erlegt - insgesamt 415.

Ein Grund für die hohen Abschusszahlen: "Da wir sehr viel Schnee hatten, waren die Jäger bei der Bejagung dieses nachtaktiven Wildes nicht so sehr auf den Mond angewiesen", sagt Kielhorn, der sich darüber ärgert, dass das Schwarzwild wieder große Schäden auf den Feldern angerichtet habe. "In diesem Winter besonders, weil es im Wald keine Eicheln und Bucheckern gab." Die Folge: Die Sauen mussten auf die Felder ausweichen. "Das verursacht bei den Landwirten viel Ärger und belastet die Jäger, weil sie für den Schaden finanziell aufkommen müssen."

Für die Tiere sei der strenge Winter eine echte Herausforderung gewesen. "Leider hatte es das Rehwild in diesem Jahr durch die ständig verharschte Schneedecke sehr schwer", so der Hegeringleiter. Er und seine Jagdkollegen hätten den Rehen gern mit einem ausgebrachten Heuballen geholfen. "Das durften wir aber nicht nicht, weil die Erlaubnis nur bei Notzeiten gegeben wird."

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