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Kreis in Erklärungsnot : Biosphäre gab grünes Licht für verbotenen Glockenturm

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der nicht genehmigte Bau eines Glockenturms in Kneese könnte für den Landkreis Nordwestmecklenburg zu einem Bumerang werden

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 00:00 Uhr

Der nicht genehmigte Bau eines acht Meter hohen Glockenturms an Mecklenburgs erster Baumkirche in Kneese könnte für den Landkreis Nordwestmecklenburg zu einem Bumerang werden. Denn entgegen der bisherigen Aussage des Landkreises hat das Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee das Vorhaben unterstützt. Das geht aus einem Behördenschreiben aus dem Jahr 2010 hervor, das der Redaktion vorliegt und an den Landkreis gerichtet war.

Absender des Schreibens: das Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee mit Sitz in Zarrentin. Nach dessen Einschätzung seien bei dem Vorhaben keine Versagensgründe ersichtlich gewesen. Darüber hinaus wirke sich der Turm als nicht störend auf das Landschaftsbild aus. „Die Errichtung des Glockenturms lässt sich mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege an diesem Standort vereinbaren“, so die Einschätzung des Biosphären-Amtes. Die Flächenneuversiegelung durch den Glockenturm wird als – so wörtlich – minimal eingestuft.

Im Gegensatz dazu hatte Kreis-Pressesprecherin Petra Rappen in dieser Woche auf SVZ-Anfrage erklärt: „Im Übrigen befindet sich der Standort im LSG Biosphärenreservat Schaalsee. Das dafür zuständige Amt hatte eine Befreiung nicht in Aussicht gestellt.“ Mit dem Widerspruch konfrontiert, erklärte die Kreis-Pressesprecherin gestern: „In der Eingangs-Chronologie der Unterlagen ist ein Nein der Biosphäre vermerkt. Ob sich das im weiteren Verfahren geändert hat, konnte gestern nicht festgestellt werden.“ Das Votum der Biosphäre sei in diesem Fall auch nicht entscheidend gewesen.

Das Team des Arche-Hofs Kneese will das Turm-Verbot des Landratsamt künftig umfahren. Ein maximal vier Meter hoher Glockenturm auf Rädern soll entstehen. Dafür benötigt werden ein Anhänger mit allgemeiner Betriebserlaubnis, jede Menge Holz und eine Kirchenglocke. „Diese werden wir von der Kirchgemeinde Mölln erhalten“, sagt Hofleiter Karl-Heinz Finnern. Er hofft zudem auf eine Materialspende eines Holzhändlers.

Das Gotteshaus in Kneese war 2008 als erste Baumkirche Mecklenburgs geweiht worden. Für die grünen Kirchenmauern wurden 140 Hainbuchen gepflanzt. Hinzu kamen mehr als 20 Großbäume für das Seiten- und Kirchenschiff. Drei Taufen, zwei Trauungen und zahlreiche Gottesdienste fanden dort seitdem statt – ohne Glockenklang.

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