zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 03:10 Uhr

Dechow : Biomilchmarkt kaum unter Druck

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Weltmarkt bislang ohne Einfluss: Produzenten in Dechow rechnen mit Zuwachs und stabilen Preisen

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2015 | 00:03 Uhr

Der konventionelle Milchmarkt bleibt unter Druck. In der Biomolkerei Dechow sichert dafür der Binnenmarkt den Herstellern die Preise. Statt 28 Cent (wir berichteten) erhalten die Lieferanten dort zwischen 43 und 47 Cent je Liter Rohmilch. „Heumilchbauern und Landwirte, die ohne Einsatz von Antibiotika arbeiten, erhalten einen Qualitätszuschlag von bis zu fünf Cent“, sagt Hubert Böhmann, Geschäftsführer der Gläsernen Meierei Dechow.

Egal, ob sich die Verbraucher gesund, vegan oder „Bio“ ernähren, spätestens an der Kasse trifft aber der Kunde eine Entscheidung. Das bestätigte auch eine Umfrage, die SVZ in Gadebusch durchführte. Die Mehrheit der Befragten gab an, beim Milchkauf hauptsächlich auf den Preis zu achten. Ob nun Bio oder nicht, gekauft wird, was am günstigsten ist. Aber fettarm sollte die Milch sein, so der allgemeine Konsens.

„Ich würde auch 60 Cent oder mehr für einen Liter Milch zahlen. Aber da es gerade nur die billige Milch gibt, muss ich die ja kaufen“, sagte beispielsweise Rudi Lüttjohann aus Carlow. Lothar Schubert aus Gadebusch würde sogar 1,20 Euro pro Liter bezahlen. Er ist einer der wenigen Befragten, der auch öfter direkt vom Bauern kauft. Aus Sicht der Verbraucher in Gadebusch stellt sich die Situation wie folgt dar: Wichtig ist nicht, woher die Milch kommt, solange sie fettarm und preiswert ist. Fast alle Befragten wären aber bereit, sogar mehr als den doppelten derzeitigen Milchpreis zu zahlen.

Auch Sebastian Liermann, stellvertretender Marktleiter bei Sky in Gadebusch, bestätigt: „Das Kaufverhalten der Kunden hat sich trotz niedriger Milchpreise nicht verändert“. Der 30-Jährige erklärt zudem, dass sich in „seinem“ Sortiment eher wenige Bio-Milch-Artikel befinden. Gleiches bestätigt auch Ingo Prehn, Inhaber des Rewe: „Der sinkende Milchpreis hat bisher keine Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Kunden.“ Besonders viel Milch, so Liermann, werde „tendenziell gekauft, wenn Erdbeersaison ist“.

Auch Hubert Böhmann konnte bisher keine Absatzeinbrüche in seinem Bio-Sortiment verzeichnen. Das Preisniveau sei relativ stabil, meint er. Einen wesentlichen Grund dafür sieht Böhmann darin, dass der Biomarkt weitgehend abgekoppelt ist vom konventionellen weltweiten Milchmarkt. Böhmann: „Wir sind nicht so sehr vom Export abhängig.“ Dennoch stieg im Biomilchsegment in 2014 der Umsatz um 7,2 Prozent. Er hoffe, dass sich der Trend weiter fortsetzt. Vorausgesetzt, dass bei einer vermutlich größer werden Preisspanne zwischen konventioneller und Biomilch, der Verbraucher der Bioware treu bleibt. Die Kunden seien bereit, bis zu einem bestimmten Niveau mehr zu zahlen. Böhmann weiter: „Derzeit liegt der Preis für einen Liter Biomilch (1,5-prozentig) bei 1,09 Euro, bzw. bei 3,8-prozentiger Milch bei 1,19 Euro.“ Für Spezial- und Premiumprodukte wie die Heumilch, muss der Kunde weitere 20 Cent drauflegen.

Unsicherheiten birgt aber auch der Biomilchmarkt: „Sinkt der Ladenpreis unter einen Euro pro Liter, wird es schwierig für die Landwirte“, meint Böhmann, der den höheren Arbeits- und Zeitaufwand anführt. Er plädiert für eine stärkere Präsenz von Bioprodukten im Handel. Nur ein ausgeglichenes Angebot zwischen normaler und Bioware lasse die Wahl und möglicherweise eine Bewusstseinsveränderung in puncto gesunder Ernährung zu.  

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen