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Nordwestmecklenburg : Bildungspaket: Ungenutzte Millionen

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Das Bildungs- und Teilhabepaket schreckt wegen bürokratischer Hürden offenbar weiterhin Eltern ab. Beim Landkreis Nordwestmecklenburg und in der Hansestadt Wismar blieben 2,1 Millionen Euro liegen.

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erstellt am 18.Apr.2013 | 10:26 Uhr

Wismar/Gadebusch | Rund 3,9 Millionen Euro reicht der Bund jährlich für das Bildungs- und Teilhabepaket an den Landkreis Nordwestmecklenburg aus. Bislang nutzen noch zu wenige Eltern zwischen Boltenhagen und Badow die Chance, für eine Teilhabe ihrer Kinder an Bildung, Sport und Spiel. Die Folge: Rund 2,1 Millionen Euro wurden unter anderem aufgrund bürokratischer Hürden nicht abgerufen.

Beim Bildungspaket handelt es sich um Finanzmittel, die Kinder einkommensschwacher Familien zur Finanzierung von Ausflügen, Klassenfahrten, Schülerbeförderung, Kultur, Sport, Freizeit, Mittagsverpflegung und Lernförderung in Anspruch nehmen können.

Das Beantragen und Ausreichen der Mittel gilt selbst in Verwaltungskreisen als "sehr bürokratisch". So sieht es jedenfalls Kerstin Weiss, zuständig für den Fachbereich Soziales beim Nordwestkreis. "Keine Frage, das Bildungspaket ist eine gute Sache. Wir wollen so viel wie möglich Geld an anspruchsberechtigte Familien ausreichen", sagt Weiss. Allerdings erschweren die vielen Wege und das Ausfüllen zahlreicher Formulare die Inanspruchnahme. Hinzu kommt, dass Laufzeit und Höhe der Förderung nicht selten in Abhängigkeit von bereits bewilligten Sozialleistungen wie Grundsicherung, Wohngeldzahlungen und Hartz-IV-Leistungen stehen.

Nach eineinhalb Jahren Bildungspaket steht fest: Zirka 65 Prozent der insgesamt 7600 anspruchsberechtigten Kinder nutzen aktuell die Möglichkeiten, die das Bildungspaket beinhaltet komplett bzw. in Teilen. "Beim Projektstart in 2011 interessierten sich rund 40 Prozent, ein Jahr später knapp 50 Prozent der Kinder und Familien für die Angebote", so Weiss. Sie wolle mit ihren Mitarbeitern gerne mehr Kinder erreichen. "Uns liegt viel daran, sonst müssen wir die Mittel an den Bund zurückführen", sagt die 2. Stellvertretende Landrätin.

Dabei geht es nicht um Kleingeld. Allein in der Stadt Wismar wurden von 1,14 Millionen Euro 430 000 Euro nicht abgerufen, beim Landkreis 1,7 Millionen Euro von 2,8 Millionen Euro. Glück licherweise müsse der Kreis die Mittel nicht komplett zurückführen. Weiss: "1,1 Millionen Euro bleiben bei uns. So will es der Bund." Diese Finanzmittel wollen Weiss und ihr Team möglicherweise zur Sicherung der Stellen von Schulsozialarbeitern in verschiedenen Einrichtungen einsetzen. Erst vor wenigen Wochen mussten die Sozialarbeiter aufgrund ausbleibender EU-Mittel um die Fortführung ihrer Arbeit bangen. Nun wird der Jugendhilfeausschuss über die Verteilung der Gelder beraten.

Der Bedarf an finanzieller Unterstützung ist vorhanden. Das wird allein im Mädchentreff Gadebusch deutlich. Rund 250 Kindern besuchen wöchentlich die Einrichtung im "Kreml" am Volkspark. "29 Kinder nehmen das Bildungspakt bei uns in Anspruch. Insbesondere dort, wo die Familien Hartz IV erhalten, Wohngeld beziehen oder so wenig Geld verdienen, dass sie über die Ämter ihr Gehalt zum Leben aufstocken lassen müssen", sagt Jutta Ahrendt. Die bürokratischen Hürden seien nicht zu übersehen. Die Eltern stellen erst einen Antrag beim Kreis oder dem Jobcenter, dann bestätige der Mädchentreff die Teilnahme an Bildungsangeboten, bevor die Eltern die Anträge einreichen. "Wer Nachhilfe wünscht, der muss sich die Notwendigkeit zuvor von der Schule bestätigen lassen", sagt Ahrendt.

Auf Kreisebene prüfen vier Mitarbeiter die Unterlagen. Eine Forderung des Gesetzgebers. Trotz all der Hürden will Kerstin Weiss weitere Bezugsberechtigte zur Teilnahme am Bildungspaket ermuntern. Eine vom Fachbereich Soziales herausgegebene Broschüre gibt Hilfestellung, informiert über die förderfähigen Bereiche und enthält die Telefonnummern der Ansprechpartner.

Eine Vereinfachung der Arbeit scheint in Form einer Bildungskarte zum Greifen nahe. Der Nordwestkreis will eine Bildungskarte herausgeben. Diese Chipkarte ermöglicht es u. a. Schulessen-Anbietern direkt mit dem Landkreis abzurechnen. Ganz ohne Umwege ließe sich somit das gestützte Mittagessen bereitstellen, so Christian Drechsler, Fachdienst Soziales. Einen Termin für die Herausgabe der Karte gibt es bislang nicht.

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