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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. November 2017 | 18:53 Uhr

Wismar : Bierbrauen für den guten Zweck

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

1000 Liter Gerstensaft gären im Wismarer Brauhaus am Lohberg und sollen Restaurierungsprojekt der St. Nikolaikirche unterstützen

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Die Wismarer bekommen ihr eigenes Reformationsbier: Gut 1000 Liter „Reformator“ reifen in diesen Tagen im Keller des Wismarer Brauhauses am Lohberg. Ab 13. April, also Gründonnerstag, wird das Bier in besonderen Flaschen in St. Nikolai verkauft.

„Reformator, das ist ein Wortspiel“, erklärt Heiner Busche (40), Ingenieur, Mitglied im Kirchengemeinderat St. Nikolai und in der dortigen Männergruppe. Und inzwischen leidenschaftlicher Hobbybrauer. „Das Bier hat Bockbierstärke, diese Biere haben traditionell die Endung -ator im Namen.“ Logisch, dass das Wismarer Bier zum Reformationsjubiläum Reformator heißen muss!
Den Hopfen für das Bier haben Gemeindemitglieder in ihren Gärten angebaut und geerntet. „Jede einzelne Dolde muss per Hand abgepflückt werden“, zeigt Heiner Busche die getrockneten Blüten, die zusammen mit der Bierwürze aus Wasser und gemahlenem Malz gekocht werden. „Etwa 90 Minuten, bis der Hopfen seine Inhalts- und Aromastoffe abgegeben hat“, erklärt Wismars Braumeister Stefan Beck.

Die „Reaktivierung“ der eigentlich mal großen Wismarer Hopfengärten begann mit einer einzigen Pflanze aus dem Internet. Üppig vermehrt, wächst Hopfen, so Heiner Busche, „wie der Teufel!“ Drei Meter Wuchs innerhalb von drei Wochen seien keine Seltenheit. Im vergangenen Herbst war die Ernte des Wismarer Hopfens ertragreich. Es folgte gleich der erste eigene Brauversuch. Historisch korrekt pumpten die Männer 180 Liter frisches Metelsdorfer Quellwasser in eigene Fässer und schafften die nach Wismar in ihren „Braugarten.“ In einem alten, holzbefeuerten 100 Liter DDR-Waschkessel sollte mit Hilfe einiger passionierter Hobbybrauer das erste eigene Bier entstehen. Das Experiment gelang - nach drei Wochen Reifezeit kam die Stunde der Wahrheit. „Dass es halbwegs wie Bier schmecken würde, hatten wir wohl erwartet. Dass es aber derartig gut schmecken würde, war dann doch eine schöne Überraschung!“, berichtet Heiner Busche von der „Geburtsstunde“ des Wismarer Reformationsbieres. Aber: die so entstandenen 100 Liter würden für so ein großes Projekt nicht reichen. „Zum Glück hilft uns das Brauhaus mit den größeren Möglichkeiten“, dankt Roger Thomas, Pastor an St. Nikolai. Denn mit dem so entstandenen Bier soll ein großes Restaurierungsprojekt in St. Nikolai finanziell unterstützt werden.

„Die Reste der Wandmalerei mit Kogge und Heiligen in der Schonenfahrerkapelle“, erzählt der Pastor. 20 000 Euro soll die fachgerechte Restaurierung kosten, die Hälfte davon ist beim traditionellen Nikolaibankett zusammen gekommen. Einen Großteil der zweiten Hälfte könnte das Bier bringen. „Wir werden es in sehr edle 0,75 Liter Champagnerflaschen abfüllen“, zeigt Heiner Busche die noch leere Flasche. „Das ist dann ein edles Geschenk, ein Mitbringsel aus Wismar oder einfach was zum selbst Austrinken bei einer besonderen Gelegenheit!“

Luther und der Gerstensaft: Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken
Zitate wie „Ich sitze hier und trinke mein gutes Wittenbergisch Bier und das Reich Gottes kommt von ganz alleine.“ oder „Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken.“ werden Martin Luther zugeschrieben. 2017 jährt sich der Thesenanschlag Luthers zum 500. Mal und damit der Beginn der Reformation. Auch in Wismar gibt es in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum.
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