Gadebusch : Bibel-Notiz belegt Bombenangriff

Elisabeth Mühlenbrink hielt den Bombenangriff vom 16. April 1945 in ihrer Bibel fest.
Elisabeth Mühlenbrink hielt den Bombenangriff vom 16. April 1945 in ihrer Bibel fest.

Der Sprengsatz explodierte 1945 vor dem Haus Güstower Weg 7. Auch ein Bahnübergang sollte kurz vor Kriegsende zerstört werden

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17. April 2015, 08:00 Uhr

In der Nacht zum 16. April 1945 schlug in Gadebusch eine Bombe ein, berichtete gestern Hans-Eberhard Schulz aus Stockelsdorf, der als kleines Kind damals zu Besuch bei einer Pfarrwitwe war. „Leider weiß ich weder ihren Namen, noch den der Straße. Nur die Bilder habe ich noch im Kopf“, schreibt der Pastor im Ruhestand.

Nachdem Jürgen Baumann den Zeitzeugen-Bericht gestern in der SVZ gelesen hatte, erinnerte er sich an ein Schriftstück, das Hans-Eberhard Schulz weiterhelfen könnte. „Diese Bibel ist schwer beschädigt am 16. April 1945 beim Fliegerangriff. Die Bombe explodierte vor dem Hause Güstower Weg 7 in Gadebusch. Elisabeth Mühlenbrink, geb. Höppner“ steht in sorgfältiger Schreibschrift auf der ersten Seite der alten, in Leder gebundenen Bibel geschrieben.

„Ich habe den Angriff damals selbst nicht mitbekommen. Aber durch die Beschreibung von Herrn Schulz erinnerte ich mich an diese Nacht. Ich war ja selbst erst acht Jahre alt“, so der heute 78-Jährige. Er erzählt zudem von einem weiteren Bombenangriff rund um den April 1945: „Ich weiß noch, dass die Bahnlinie in Gadebusch durch Angriffe zerstört werden sollte. So zielte man auf den Bahnübergang in der Lindenallee.“

Doch die Attacke ging daneben, wie Jürgen Baumann weiter berichtet. „Letztlich landete die Bombe in einem naheliegenden Garten. Als Kind war ich sehr erstaunt und erschrocken über einen solch riesigen Bombentrichter.“

Beim Bombenangriff in der Nacht zum 16. April wurde offenbar eine Hauptwasserleitung getroffen, der Bombentrichter füllte sich langsam mit Wasser. „Alles war in Dunkelheit gehüllt. Gegenüber dem Haus, in dem meine Familie untergebracht war, war vor einem mehrstöckigen Haus ein tiefes Loch und ein Teil der Vorderwand des Blocks zur Straße hin fehlte“, erzählt Hans-Eberhard Schulz. Da seine Familie auf der Flucht von Danzig nach Eckernförde war, übernachteten sie bei einer Pfarrwitwe in Gadebusch.

„Ich vermute, das ist dieselbe Dame, die auch den Verweis in der Bibel festhielt: Elisabeth Mühlenbrink“, sagt Jürgen Baumann. Falls dem so ist, sei die Frau Mühlenbrink die Schwiegermutter eines Bekannten von Jürgen Baumann gewesen. Durch eine Haushaltsauflösung habe Baumann die mindestens 70 Jahre alte Bibel erhalten.

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