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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 09:27 Uhr

Wohn-Prognose : Bezahlbare vier Wände gesucht

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Der Landkreis Nordwestmecklenburg wird bis zum Jahr 2020 insgesamt 2 870 neue Wohnungen brauchen

svz.de von
erstellt am 26.Mai.2015 | 23:42 Uhr

Diese Zahl lässt aufhorchen: In den kommenden fünf Jahren müssen allein in Nordwestmecklenburg 2870 Wohnungen gebaut werden. Darauf hat die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hingewiesen. Noch in diesem Jahr werden laut neuester Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung allein im Nordwestkreis 550 zusätzliche Wohnungen benötigt. Schwerpunkt: bezahlbarer sowie altersgerechter Wohnraum.

„Wir brauchen im Kreis Nordwestmecklenburg mehr Wohnungen für Normal- und Geringverdiener. Außerdem gibt es einen enormen Mangel an altersgerechten Wohnungen. Auch das Angebot bei Sozialwohnungen ist schon seit langem mehr als dürftig. Selbst wer einen Wohnberechtigungsschein hat, hat oft kaum eine Chance, auch tatsächlich eine Sozialwohnung zu bekommen“, sagt IG BAU-Bezirkschef Manfred Scharon. Und diese Situation könne sich bei weiter steigenden Flüchtlingszahlen bald sogar noch zuspitzen.

Doch wer fällt unter die Kategorie Geringverdiener? Aufschluss geben soll eine Definition, nach der als Geringverdiener gilt, wer weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten erhält. Daraus ergibt sich eine Niedriglohnschwelle, die bundesweit im Jahr 2013 noch bei 1973 Euro lag. Wer weniger verdient, gilt als Geringverdiener.

Wegen des starken Ost-West-Lohngefälles unterscheiden die Experten der Bundesagentur für Arbeit: Die Niedriglohnschwelle West lag demnach im Jahr 2013 bei 2  063 Euro, die Niedriglohnschwelle Ost bei 1  545 Euro. Zum Vergleich: In Nordwestmecklenburg lag das durchschnittliche Gehalt im selben Zeitraum mit 1578,40 Euro gerade einmal schlappe 33,40 Euro über der Niedriglohnschwelle! Brutto, wohlgemerkt. Und das ist einerseits wirklich nicht viel Geld, mit dem es über die Runden zu kommen gilt. Andererseits offenbaren diese Zahlen das von der Gewerkschaft IG BAU beschriebene Dilemma.

Und dennoch: Bezahlbaren Wohnraum scheint es entgegen der eingangs erwähnten Prognose zu geben. „Abhängig vom Mietentgelt, Service und Komfort haben wir kommunale Wohnungen für jede Bevölkerungsschicht“, sagt Heike Post als Geschäftsführerin der WGR Wohnungsgesellschaft Radegasttal mbH. Die günstigsten Wohnungen, dann allerdings unsaniert und technisch nicht auf dem aktuellsten Stand, gebe es bereits für einen Kaltmietpreis ab 2,87 Euro pro Quadratmeter. Je nach Service, Komfort und Wohnlage sei nach oben alles offen.

Doch viele dieser Menschen wohnen in Häusern, deren Zustand sich mittlerweile jenseits von Gut und Böse befindet. „Bei vielen Altbauten – gerade aus der Nachkriegszeit – lohnt sich eine Sanierung wirtschaftlich kaum noch. Damit fallen nach und nach immer mehr Wohnungen weg“, sagt Manfred Scharon, Bezirksvorsitzender der IG BAU Mecklenburg. Außerdem gebe es einen starken Trend zu Ein-Personen-Haushalten.

Eine eher untergeordnete Bedeutung scheint zumindest aus Sicht der örtlichen Behörden derzeit die Frage der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu spielen. „Flüchtlinge nehmen den Einheimischen keinen bezahlbaren Wohnraum weg“, erklärt Heike Post. Und Bernd Karnatz, Hauptamtsleiter im Amt Rehna, ergänzt: „Von der so genannten Flüchtlingsproblematik sind wir im Amt Rehna nur wenig betroffen, da wir kaum Kapazitäten für eine Unterbringung haben. Und wir wollen diese Menschen natürlich nicht irgendwo in das abgelegenste Dorf abschieben.“

 

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