Kriminalität : Betrüger kennzeichnen Häuser

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Polizei und Opferhilfe klären über versteckte Zeichen vor einem Einbruch auf und informieren über richtiges Verhalten beim Enkeltrick

svz.de von
30. Juli 2015, 23:51 Uhr

Kriminelle werden kreativ: Sie kennzeichnen Häuser mit dem so genannten Gaunerzinken bzw. Gaunerzeichen (s. Grafik). Damit markieren sie, ob es dort Hunde gibt, ob die Bewohner alleinstehend sind, ob es dort etwas zu holen gibt oder nicht. Es gibt auch Zeichen die verdeutlichen, womit man die Bewohner in ein Gespräch verwickeln kann – Religionszugehörigkeit oder Krankheit gehören zum Beispiel dazu. Die Zeichen findet man manchmal an Briefkästen, Regenrinnen oder Wänden.

Die Polizei und der Opferverband Weisser Ring haben darüber gemeinsam in Lützow aufgeklärt. Martina Tegtmeier vom Weissen Ring und Angelika Becker, Präventionsbeauftragte der Polizei, erklärten die Tricks und Maschen der Gauner.

Besonders oft zählt die Polizei zurzeit Fälle wie diesen: 20 000 Euro einfach weg. Um diese Summe brachte ein falscher Polizist am Dienstag eine Rentnerin aus Wismar. 46 400 Euro ergaunerte in der vergangenen Woche eine vermeintliche Enkelin von einem 89 Jahre alten Mann aus Schwerin (wir berichteten). Der Betrug am Telefon hat gerade Hochkonjunktur und die Kriminellen werden immer dreister. Sie gaukeln vor, Enkel oder ferne Verwandte zu sein, die in Not stecken. Sie setzen ihre Opfer unter Druck, in dem sie sich als Staatsanwälte, Richter oder Polizisten ausgeben. Die Polizei zählt zurzeit viele Betrügereien am Telefon. „Die Zahl der Opfer vom Enkeltrick steigt, trotz der Präventionsveranstaltungen“, sagte Angelika Becker.

In Wismar gab vor wenigen tagen sich am Dienstag ein Mann als falscher Polizist aus und fragte eine 85-Jährige nach Bargeld in der Wohnung. Er wollte auch wissen, ob sie noch Konten oder Sparbücher hat und überredete die 85-Jährige, ihm das Geld zu geben. „Das ist eine typische Masche“, sagt Angelika Becker. „Die Täter fragen nach Ersparnissen und danach, wo das Geld bzw. die Papiere liegen, ob die Türen immer abgeschlossen sind und welche Fenster es gibt.“ Sie kundschaften die Umgebung aus und ob sich die Beute lohnt.

Polizistin Angelika Becker rät dringend, solche Telefonate sofort abzubrechen. Auch wenn es schwer falle – einfach auflegen ist der beste Schutz vor den Kriminellen.

„Wer Opfer einer Straftat geworden ist, sollte sich Einzelheiten über Täter und Tatablauf merken und die Polizei kontaktieren“ sagt Martina Tegtmeier. Kosten entstehen dafür nicht.

Das konnte Angelika Becker nur bestätigen: „Sollte sich jemand in einer unsicheren Lage befinden, schnell die Polizei rufen auch über den Notruf 110. Jede Information kann ein wichtiger Hinweis sein“, so Becker.

Die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest schaut genau hin, wenn vor allem ältere Kunden hohe Summe von ihren Konten abheben, sagt Karsten Boerma. Verhindert werden konnte so mancher Betrugsfall durch Bankmitarbeiter. „Das darf die Bank auch“, sagt Boerma. Wollen die Kunden aber nicht sagen, wofür das Geld gedacht sei, wird nicht weiter nachgehakt.

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