Ausbildung im Nordwestkreis : Berufsschule kämpft um Schüler

Florian Wrede schraubt gerne an Autos rum. Das Berufsschulzentrum in Wismar fürchtet, einen teil der Ausbildungsberufe abgeben zu müssen.
Florian Wrede schraubt gerne an Autos rum. Das Berufsschulzentrum in Wismar fürchtet, einen Teil der Ausbildungsberufe abgeben zu müssen.

Zu kleine Klassen: Landkreis und Schule fürchten um Zukunft der Holzberufe. Einlenken vom Bildungsministerium gefordert

svz.de von
02. Juni 2016, 04:45 Uhr

Vorbeugen ist besser als reparieren. Nach diesem Motto versammelte sich die Runde um einen runden Tisch im Berufsschulzentrum Nord in Wismar: Landrätin Kerstin Weiss, Wismars Bürgermeister Thomas Beyer, Schulleiter Holger Stein und Peter Todt von der Industrie- und Handelskammer. Sie alle fürchten, dass die Berufsschule erneut bluten könnte und die Holzberufe verliert. Das Problem: Diese Ausbildungsklassen erreichen nicht oder nur gerade so die Mindestschülerzahl und das könnte für Tischlereien und Sägewerke der Region ein Problem werden. Denn weite Wege zur Berufsschule können ein K.o.-Kriterium bei der Wahl der Ausbildung sein.

Drei Ausbildungsberufe rund um Holz werden in Wismar gelehrt. Holzmechaniker, Tischler und Holzbearbeitungsmechaniker. Das Dilemma lässt sich in Zahlen gießen: Beim Tischler und Holzmechaniker schwankt die Zahl der Auszubildenden um die 25 pro Lehrjahr. Die Situation beim Holzbearbeitungsmechaniker hingegen ist düster. Gerade einmal sechs Lehrlinge gibt es. Das Bildungsministerium verlangt aber mindestens 20 Schüler pro Klasse.

Schulleiter Holger Stein fürchtet deshalb mal wieder, um die Zukunft dieser Ausbildungsberufe in Wismar. Schon im vergangenen Jahr ging es darum, ob die Berufsschule diese Ausbildungsrichtung abgeben soll oder nicht. „Wir wollen diese Diskussion endlich beenden“, sagt Stein. Denn nicht nur für Firmen wie Derstappen in Lützow oder Eigenstetter in Rehna wäre das Aus für die Holzberufe in Wismar fatal. In der Hansestadt hat sich im Gewerbegebiet Haffburg eine ganze Industrie rund um die Holzverarbeitung angesiedelt. Eine Berufsschule ohne diese Ausbildungsrichtung ist für Schulleiter Stein daher undenkbar.

Die Forderung ist daher klar: Wenn es eine derart starke Konzentration einer Industrie gebe, dann dürfe die Berufsschule nicht geschwächt werden. „Es darf keine weiteren Veränderungen der Standorte geben“, sagt Peter Todt von der IHK. Das Ministerium dürfe nicht nur nach Zahlen gehen, sondern müsse auch die Situation der Region betrachten. „Hier geht es um eine strukturelle Entwicklung“, sagt Todt.

Die Gretchenfrage der Diskussion ist: Warum gibt es trotz der starken Holzindustrie in Nordwestmecklenburg nur so wenige Azubis in dieser Branche? „Uns erschließt sich auch nicht, warum die Jugendlichen nicht kommen“, sagt Todt. Daran müsse gearbeitet werden. Landrätin Kerstin Weiss summierte die Debatte: „Die Berufschule ist im Bestand gesichert. Wir möchten, dass das so bleibt– mit all den Berufen, die jetzt angeboten werden.“

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